18.02.2013, 09:51

Lebensmittelskandal Soße, Chili, Döner - Pferdefleisch in noch mehr Produkten


Eine Mitarbeiterin des niedersächsischen Landesamtes für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit untersucht im Labor eine Lasagneprobe auf Pferdefleisch

Foto: Jochen Lübke / dpa

Eine Mitarbeiterin des niedersächsischen Landesamtes für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit untersucht im Labor eine Lasagneprobe auf Pferdefleisch Foto: Jochen Lübke / dpa

Pferdefleisch in Döner, Bolognese und Chili: Immer mehr Hersteller und Handelsketten sind betroffen. Aigner kündigt schärfere Kontrollen an.

Der Pferdefleischskandal nimmt immer größere Dimensionen an: Am Wochenende wurden im großen Maßstab weitere verdächtige Fertiggerichte aus den Regalen genommen. Zudem wurde bekannt, dass massenweise verdächtige Lebensmittelprodukte nach Deutschland importiert wurden. Erstmals waren nicht nur Tiefkühlprodukte, sondern auch Döner-Fleisch betroffen.

Der Sender RTL fand nach eigenen Angaben bei Stichproben in 20 Imbissbuden in Leipzig und Berlin in einem Fall einen geringen Pferdefleischanteil. Zudem seien in drei Proben von Lebensmittelexperten bis zu sieben Prozent Schweinefleisch nachgewiesen worden. Gläubigen Muslimen ist der Verzehr von Schweinefleisch untersagt, weil es als unrein gilt.

Die Londoner "Sunday Times" berichtete unterdessen, ein Mitarbeiter der Lebensmittelaufsicht FSA habe bereits 2011 das zuständige Ministerium gewarnt, es könnte Pferdefleisch mit unzulässigen Medikamentenrückständen in die Lebensmittelkette gelangen. Es sei aber nichts geschehen. Die britischen Behörden versuchen nun aufzuklären, warum vor 18 Monaten diese Warnungen ignoriert wurden. Bei den Medikamentenrückständen handelt es sich im Phenylbutazon, das Sportpferden verabreicht wird. Diese Tiere sind dann nicht für den menschlichen Verzehr geeignet.

Nationaler Aktionsplan

In Deutschland gab die Supermarktkette Rewe am Sonntag bekannt, die Produkte "Rewe Chili con carne 350gr" und "Rewe Spaghetti Bolognese 400gr" aus dem Verkauf entfernt zu haben. Der Hersteller SGS Geniesser Service aus Laage-Kronskamp in Mecklenburg-Vorpommern habe nicht ausschließen können, dass die Mahlzeiten Pferdefleisch enthalten.

Zuvor hatte die Brandenburger Firma Dreistern-Konserven eingeräumt, Rindergulasch eigener Herstellung enthalte Spuren von Pferdefleisch. Auf ihrer Internetseite teilte die Neuruppiner Firma mit, Pferde-DNA sei in Konserven mit der Bezeichnung "Rindergulasch 540g Omnimax" nachgewiesen worden. Das Brandenburger Verbraucherschutzministeriums teilte am Sonntag mit, Dreistern sei von vier deutschen, einem belgischen und einem niederländischem Betrieb mit Fleisch beliefert worden.

Mit der Hilcona AG war ein weiterer deutscher Fleischverarbeiter in den Skandal verwickelt. Im vom Discounter Lidl verkauften Nudelprodukt "Combino Tortelloni Rindfleisch" hatten österreichische Behörden Pferdefleisch entdeckt. Hilcona teilte mit, der Betrieb beziehe sein Frischfleisch von einem deutschen und einem Schweizer Hersteller. Die im niedersächsischen Buchholz ansässige Betz Holding hatte am Freitag über Aldi Süd verkaufte Ravioli-Konserven zurückgezogen. Eine Stichprobe habe eine "Kontamination mit Pferdefleisch" ergeben, teilte das Unternehmen mit.

Nationaler Aktionsplan

Verbraucherschutzministerin Ilse Aigner legte am Sonntag einen nationalen Aktionsplan vor, der über die von der Europäischen Union beschlossenen Maßnahmen hinausgehen soll. Der Entwurf sieht unter anderem vor, eine Internetseite einzurichten, auf der sich Verbraucher künftig über zurückgerufene Lebensmittel informieren können.

Außerdem drängt Aigner darauf, dass in Deutschland Lebensmittel auf mehr Zutaten hin untersucht werden sollen, als dies die EU vorgesehen hat. Zudem fordert die CSU-Politikerin eine EU-weit verbindliche Herkunftsbezeichnung für Fleisch auf Lebensmittelpackungen. An diesem Montag will Aigner den Aktionsplan und das weitere Vorgehen mit ihren Ressortkollegen aus den Bundesländern beraten.

Sie sieht durch den Pferdefleischskandal das Image der Lebensmittelindustrie dauerhaft schwer beschädigt. "Es wird schwer sein, das verspielte Vertrauen zurückzugewinnen", schrieb die Ministerin in einem Gastbeitrag für die "Bild am Sonntag".

(BM)
Bleiben Sie informiert:
Die Berliner Morgenpost in sozialen Netzwerken.
Folgen Sie uns auf Twitter