16.02.13

Novartis-Chef

Goldener Handschlag für Manager empört Schweizer

Einer der bestbezahlten Manager der Schweiz, Novartis-Chef Vasella, muss seinen Stuhl räumen. Dafür kassiert er in den nächsten sechs Jahren bis zu 72 Millionen Franken. In der Bevölkerung brodelt es.

Foto: dpa

Daniel Vasella, Chef des Schweizer Pharmakonzerns Novartis, muss seinen Posten aufgeben und wird dafür fürstlich entlohnt
Daniel Vasella, Chef des Schweizer Pharmakonzerns Novartis, muss seinen Posten aufgeben und wird dafür fürstlich entlohnt

Die millionenschwere Abfindungen für Novartis-Verwaltungsratspräsident Daniel Vasella haben in der Schweiz Empörung ausgelöst. "Das geht über alle Dimensionen des Vernünftigen hinaus", sagte Markus Büchel, Präsident der Schweizer Bischofskonferenz, in einem Radio-Interview.

Justizministerin Simonetta Sommaruga sagte im Fernsehen, es brodle in der Bevölkerung. Die Wut über maßlose Bonus-Zahlungen sei riesig. Und was über Vasella bekannt geworden sei, mache sie sprachlos. Der Präsident der wirtschaftsfreundlichen Partei FDP erklärte: "Herr Vasella führt die liberale Schweiz aufs Schafott."

Vasella hatte am Freitagabend im Schweizer Fernsehen eingeräumt, dass er nach seinem Ausscheiden beim Pharma-Unternehmen Novartis in sechs Jahren bis zu zwölf Millionen Franken (9,76 Millionen Euro) jährlich erhalten werde. "Man käme im Laufe von sechs Jahren auf maximal 72 Millionen Franken", erklärte er.

Er bestätigte damit einen Bericht der Online Plattform "Inside Paradeplatz". Bedingung sei lediglich, dass er nicht für ein Konkurrenzunternehmen arbeite und Novartis berate.

Rückzug am kommenden Freitag

Am kommenden Freitag tritt der 59-Jährige auf der Generalversammlung des Konzerns ab, womit für den Pharmakonzern eine Ära endet. Vasella trat 1996 nach der Fusion von Sandoz und Ciba-Geigy an die Spitze der neu geformten Novartis. 1999 übernahm er auch das Amt des Präsidenten. Über die Jahre hat er mehrere hundert Millionen Franken verdient. Das machte ihn zu einem der am besten bezahlten, aber auch umstrittensten Manager der Schweiz.

Neben seinem hohen Gehalt wurde Vasella auch immer wieder vorgehalten, dass der Aktienkurs nicht recht vom Fleck käme und der Kursentwicklung des Rivalen Roche hinterherhinke. Auf der letzten Generalversammlung sprachen sich fast 40 Prozent der Aktionäre in einer Konsultativabstimmung gegen die Managerlöhne bei Novartis aus.

Vasellas Ankündigung kommt nur zwei Woche vor der Volksabstimmung über Managerlöhne in der Schweiz. Die sogenannte "Abzocker-Initiative" sieht vor, dass Aktionäre in Zukunft nicht nur konsultativ, sondern bindend über Managerlöhne abstimmen können.

Gemäß Umfragen hatten die Befürworter der Initiative schon vor der Nachricht zu der Abgangszahlung einen Vorsprung. Politologen und andere Beobachter gehen nun nicht mehr davon aus, dass es den Gegnern unter Führung des Wirtschaftsverbandes gelingen wird, das Blatt zu wenden.

"Zu grotesk und dem gesunden Menschenverstand widersprechend waren die Auswüchse von Vasellas Vergütungen in den letzten Jahren", kommentierte die konservative "Neue Zürcher Zeitung". "Und zu stark ist das Empfinden, mit diesen Salären seien die in der Schweiz gültigen gesellschaftlichen Regeln missachtet worden."

Quelle: Reuters/woz
Foto: Wikipedia/Rossmann/gemeinfrei

Der Wunsch-CEO
Angesichts vieler Skandale in den Chefetagen großer Unternehmen fragt man sich, ob es auch weiße Schafe in dieser Herde gibt. Man spricht leider viel seltener über sie, denn die Menschen lieben nun mal Skandale.
Hier ist aber ein weißes Schaf: Dirk Roßmann, Inhaber der gleichnamigen Drogeriemarktkette. Das Bild wirkt beruhigend: gelassen zurückgelehnt sitzt Roßmann auf einem gemütlichen Sessel mit knautschiger Lehne.
Das Rossmann’sche Logo-Rot ist dezent zitiert und bringt Farbe ins Spiel. Roßmann trägt ein bequemes Hemd, der oberste Knopf ist geöffnet, keine Krawatte.
Entspannt wendet er sich dem Betrachter zu, die linke Hand hängt locker herab, die Schultern sind frei. Ein klarer, konzentrierter Blick trifft den Betrachter, die Lippen sind geschlossen und nur ganz leicht angespannt.
Roßmann könnte lange so da sitzen, scheint es.
Wie würde ein Gespräch mit diesem Mann verlaufen? Kann er zuhören? Denn den idealtypischen CEO wünscht man sich heute als guten Zuhörer, der Gelassenheit ausstrahlt, der jugendlich anpackend wirkt und gleichzeitig mit ein paar grauen Haaren Erfahrung verkörpert.

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