16.02.2013, 08:51

Lebensmittelskandal Pferdefleisch-Ravioli wohl auch in Berlin verkauft

Laves Institut testet Lebensmittelproben

Foto: dpa

Laves Institut testet Lebensmittelproben Foto: dpa

Senator Heilmann geht davon aus, dass Aldi auch in Berlin Produkte mit Pferdefleisch verkauft hat. Der Discounter ruft aber nichts zurück.

Der Pferdefleischskandal erreicht die Lebensmitteldiscounter. Lidl nimmt das Produkt "Tortelloni Rindfleisch" des Herstellers Gusto GmbH der Hilcona AG aus dem Verkauf. Zuvor hatten österreichische Behörden gemeldet, die Tortelloni enthielten Pferdefleisch. Produziert wurde von dem Stuttgarter Hersteller Gusto. Bei einer von zwei genommenen Proben wurde Pferdefleisch nachgewiesen.

Auch Aldi Süd nimmt zwei Fertiggerichte aus den Regalen. Durch eigene Analysen wurde Pferdefleisch nachgewiesen, so eine Sprecherin des Unternehmens. Bei den betroffenen Produkten handele es sich um "Ravioli, 800 g Dose (Sorte Bolognese)" und um "Gulasch, 540 g Dose (Sorte Rind)". Das Gulasch wurde allerdings nur in Nordrhein-Westfalen verkauft. Nach aktueller Sachlage bestehe kein gesundheitliches Risiko für die Verbraucher.

Heilmann verärgert über Aldi

Der Berliner Verbraucherschutzsenator Thomas Heilmann (CDU) ist sich "ziemlich sicher", dass auch Aldi Nord Ravioli und Gulasch mit Pferdefleisch-Anteilen geführt hat. Nach Informationen der Berliner Morgenpost ist Heilmann hoch verärgert darüber, dass Aldi Nord zum Jahreswechsel diese Artikel in Berlin verkauft hat und diese nun nicht zurückruft.

Für den Senator war der Konzern am Freitag nicht zu erreichen. Kaiser's Tengelmann bestätigte unterdessen, in seiner Lasagne habe sich Pferdefleisch befunden. Am Vortag hatten Edeka und Real Pferdefleischfunde eingeräumt.

Pferdefleisch auch in Brandenburg

Spuren von Pferdefleisch sind auch in einem Fertigprodukt eines deutschen Lebensmittelherstellers gefunden worden. Die Dreistern-Konserven GmbH & Co. KG aus dem brandenburgischen Neuruppin teilte am Freitagabend mit, dass in "Rindergulasch 540g Omnimax" Spuren von Pferde-DNA nachgewiesen worden seien.

Nach Auskunft von Dreistern-Konserven war das Produkt mit dem Mindesthaltbarkeitsdatum 05.11.2015 über Filialen verschiedener Unternehmen des Lebensmitteleinzelhandels vertrieben worden. Betroffene Waren seien aber bereits vorsorglich aus dem Sortiment der Händler genommen worden. Die Spuren von Pferde-Erbgut könnten "im Rahmen der Fleischverarbeitung bereits durch die Nutzung gemeinsamer Schlachthäuser oder Transportbehälter entstanden sein".

In Berlin begann das Landeslabor mit der Analyse erster Fleischproben – etwa aus Tiefkühlessen, aber auch von Buletten, Nudelsoßen oder Dönern. In Brandenburg wurden insgesamt rund 26.000 Packungen Lasagne in Warenlagern gefunden, die unter dem Verdacht stehen, falsch deklariertes Fleisch zu enthalten. Bundesweit werden Zehntausende Packungen mit Fertiglasagne als Folge des Skandals voraussichtlich vernichtet.

4,5 Millionen Fertiggerichte hergestellt

Nach Angaben französischer Ermittler soll der Hersteller Comigel rund 4,5 Millionen Fertiggerichte mit falsch deklariertem Pferdefleisch hergestellt haben, die dann an mindestens 28 Unternehmen in 13 europäischen Ländern verkauft wurden. Kunden des französischen Herstellers wurden informiert. Das Fleisch soll die Firma Spanghero geliefert haben. Spanghero bestreitet aber, Pferdefleisch in Rinderfleisch umetikettiert zu haben.

In Brüssel beschlossen die EU-Regierungen DNA-Analysen von Fleischprodukten in allen 27 Mitgliedsstaaten, um das Ausmaß der Täuschungen auszuloten. Zudem sollen die Lebensmittel auf gesundheitsschädigende Medikamentenrückstände untersucht werden. Außerdem wollen die Staaten bei Pferdefleisch nach Rückständen des Medikaments Phenylbutazon fahnden. Es ist für den Einsatz bei Tieren, die später auf dem Teller landen sollen, nicht zugelassen.

(BM)
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