16.02.13

Lebensmittelskandal

Pferdefleisch-Ravioli wohl auch in Berlin verkauft

Senator Heilmann geht davon aus, dass Aldi auch in Berlin Produkte mit Pferdefleisch verkauft hat. Der Discounter ruft aber nichts zurück.

Foto: dpa
Proben im Landeslabor: Nach Lasagne und Ravioli kommen nun auch Buletten und Döner ins Reagenzglas
Proben im Landeslabor: Nach Lasagne und Ravioli kommen nun auch Buletten und Döner ins Reagenzglas

Der Pferdefleischskandal erreicht die Lebensmitteldiscounter. Lidl nimmt das Produkt "Tortelloni Rindfleisch" des Herstellers Gusto GmbH der Hilcona AG aus dem Verkauf. Zuvor hatten österreichische Behörden gemeldet, die Tortelloni enthielten Pferdefleisch. Produziert wurde von dem Stuttgarter Hersteller Gusto. Bei einer von zwei genommenen Proben wurde Pferdefleisch nachgewiesen.

Auch Aldi Süd nimmt zwei Fertiggerichte aus den Regalen. Durch eigene Analysen wurde Pferdefleisch nachgewiesen, so eine Sprecherin des Unternehmens. Bei den betroffenen Produkten handele es sich um "Ravioli, 800 g Dose (Sorte Bolognese)" und um "Gulasch, 540 g Dose (Sorte Rind)". Das Gulasch wurde allerdings nur in Nordrhein-Westfalen verkauft. Nach aktueller Sachlage bestehe kein gesundheitliches Risiko für die Verbraucher.

Heilmann verärgert über Aldi

Der Berliner Verbraucherschutzsenator Thomas Heilmann (CDU) ist sich "ziemlich sicher", dass auch Aldi Nord Ravioli und Gulasch mit Pferdefleisch-Anteilen geführt hat. Nach Informationen der Berliner Morgenpost ist Heilmann hoch verärgert darüber, dass Aldi Nord zum Jahreswechsel diese Artikel in Berlin verkauft hat und diese nun nicht zurückruft.

Für den Senator war der Konzern am Freitag nicht zu erreichen. Kaiser's Tengelmann bestätigte unterdessen, in seiner Lasagne habe sich Pferdefleisch befunden. Am Vortag hatten Edeka und Real Pferdefleischfunde eingeräumt.

Pferdefleisch auch in Brandenburg

Spuren von Pferdefleisch sind auch in einem Fertigprodukt eines deutschen Lebensmittelherstellers gefunden worden. Die Dreistern-Konserven GmbH & Co. KG aus dem brandenburgischen Neuruppin teilte am Freitagabend mit, dass in "Rindergulasch 540g Omnimax" Spuren von Pferde-DNA nachgewiesen worden seien.

Nach Auskunft von Dreistern-Konserven war das Produkt mit dem Mindesthaltbarkeitsdatum 05.11.2015 über Filialen verschiedener Unternehmen des Lebensmitteleinzelhandels vertrieben worden. Betroffene Waren seien aber bereits vorsorglich aus dem Sortiment der Händler genommen worden. Die Spuren von Pferde-Erbgut könnten "im Rahmen der Fleischverarbeitung bereits durch die Nutzung gemeinsamer Schlachthäuser oder Transportbehälter entstanden sein".

In Berlin begann das Landeslabor mit der Analyse erster Fleischproben – etwa aus Tiefkühlessen, aber auch von Buletten, Nudelsoßen oder Dönern. In Brandenburg wurden insgesamt rund 26.000 Packungen Lasagne in Warenlagern gefunden, die unter dem Verdacht stehen, falsch deklariertes Fleisch zu enthalten. Bundesweit werden Zehntausende Packungen mit Fertiglasagne als Folge des Skandals voraussichtlich vernichtet.

4,5 Millionen Fertiggerichte hergestellt

Nach Angaben französischer Ermittler soll der Hersteller Comigel rund 4,5 Millionen Fertiggerichte mit falsch deklariertem Pferdefleisch hergestellt haben, die dann an mindestens 28 Unternehmen in 13 europäischen Ländern verkauft wurden. Kunden des französischen Herstellers wurden informiert. Das Fleisch soll die Firma Spanghero geliefert haben. Spanghero bestreitet aber, Pferdefleisch in Rinderfleisch umetikettiert zu haben.

In Brüssel beschlossen die EU-Regierungen DNA-Analysen von Fleischprodukten in allen 27 Mitgliedsstaaten, um das Ausmaß der Täuschungen auszuloten. Zudem sollen die Lebensmittel auf gesundheitsschädigende Medikamentenrückstände untersucht werden. Außerdem wollen die Staaten bei Pferdefleisch nach Rückständen des Medikaments Phenylbutazon fahnden. Es ist für den Einsatz bei Tieren, die später auf dem Teller landen sollen, nicht zugelassen.

Quelle: BM
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Pferdefleischskandal Würden Sie Pferdefleisch essen?

  • 38%

    Ja, natürlich

  • 44%

    Nein, auf keinen Fall

  • 15%

    Ich würde es vielleicht mal versuchen

  • 3%

    Keine Meinung

Abgegebene Stimmen: 136
Pferdefleisch-Skandal
  • 15. Januar 2013:

    Die Lebensmittelaufsicht in Irland teilt mit, Spuren von Pferdefleisch in einigen Rindfleisch-Hamburgern entdeckt zu haben. Sie wurden in britischen Supermärkten wie Tesco angeboten. Die irischen Inspekteure lokalisieren die Quelle in zwei Verarbeitungsanlagen in Irland und in einer Fleischfabrik in England. In einigen Hamburgern wurden zudem DNS-Spuren vom Schwein entdeckt.

  • 16. Januar:

    Die britische Behörde für Lebensmittelsicherheit ordnet Untersuchungen an, wie Spuren von Pferdefleisch und Schweine-DNS in eine Reihe von Rindfleischprodukten gelangen konnten, die in Großbritannien und Irland verkauft werden.

  • 31. Januar:

    Die Fast-Food-Kette Burger King Worldwide berichtet, bei einem Hamburger-Lieferanten Spuren von Pferdefleisch entdeckt zu haben, der Schnellrestaurants der Kette in Großbritannien, Irland und Dänemark bediente. Die kontaminierten Produkte seien zwar in keinem der Burger-King-Restaurants verkauft worden, dennoch habe man den Anbieter gewechselt.

  • 6. Februar:

    Der Tiefkühlkosthersteller Findus meldet den britischen Lebensmittelbehörden, dass in einigen seiner Rindfleisch-Lasagne-Gerichte Pferdefleisch enthalten war. Die Firma hatte die Artikel zurückgezogen, nachdem ihr französischer Zulieferer Comigel wegen des Fleisches in Verdacht geraten war. In den Fertigmenüs waren bis zu 100 Prozent Pferdefleisch enthalten, berichten die Lebensmittelkontrolleure.

  • 7. Februar:

    Die Supermarktkette Aldi berichtet, aus ihren Märkten in Großbritannien zwei Angebote aus dem Verkehr gezogen zu haben. Es handele sich um eine Rindfleisch-Lasagne sowie ein Spaghetti-Bolognese-Gericht. Beide stammten ebenfalls vom französischen Lieferanten Comigel.

  • 9. Februar:

    Die französische Regierung teilt mit, anfängliche Ermittlungen bei Comigel deuteten auf eine komplexe Lieferkette für das betreffende Fleisch hin. Sie führe von der Luxemburger Verarbeitungsanlage der Firma, in der Tiefkühlkost hergestellt werde, zu rumänischen Schlachthöfen. Dazwischengeschaltet seien niederländische und zyprische Nahrungsmittelhändler und ein weiterer französischer Anbieter.

  • 10. Februar:

    Sieben Einzelhandelsunternehmen, darunter Ketten wie Carrefour, Groupe Casino und Auchan Groupe, rufen einige Tiefkühlfertiggerichte zurück, die von Findus und Comigel stammen. Es handelt sich um Lasagne, Spaghetti Bolognaise und Moussaka.

  • 11. Februar:

    Die britische Regierung erklärt, es scheine sich um „kriminelle Machenschaften“ zu handeln. Offensichtlich werde „versucht, die Verbraucher zu betrügen“. Der rumänische Ministerpräsident reagiert verärgert auf Andeutungen, die Schuldigen seien in seinem Land zu suchen. In Rumänien sei es zu keinen Betrugsfällen mit falsch deklariertem Fleisch gekommen.

  • 13. Februar:

    Dem nordrhein-westfälischen Verbraucherschutzministerium liegt eine Liste vor, wonach die falsch gekennzeichnete Lasagne auch nach Deutschland geliefert worden sein soll.

  • 14. Februar:

    In Großbritannien werden drei Verdächtige in zwei verschiedenen Fleischbetrieben festgenommen. Zuvor hatte es dort Razzien gegeben.

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