15.02.13

Geldanlagen

Anleger stürzen sich auf Aktien des Mittelstands

Das deutsche Wirtschaftswunder zieht Investoren aus Übersee an. Übernahme- und Restrukturierungsfantasien treiben die Kurse zusätzlich. Der SDax sprengt alle Erwartungen – eine Chance für Anleger.

Foto: Infografik Die Welt

Mit diesen Fonds können Anleger auf den Mittelstands-Boom setzen
Mit diesen Fonds können Anleger auf den Mittelstands-Boom setzen

Nach der "German Autobahn" erobert der "German Mittelstand" den englischen Sprachraum. Mit einer Mischung aus Bewunderung und Neid schaut das Ausland auf das Rückgrat der deutschen Wirtschaft. Und beim Schauen bleibt es nicht. Insbesondere angelsächsische Investoren stürzen sich derzeit regelrecht auf die kleinen und mittelgroßen Unternehmen an der deutschen Börse.

Sichtbar wird das am SDax. Der kleinste Index in der Dax-Familie, in dem sich jene 50 Titel wiederfinden, die gemessen am Börsenwert hinter den 30 Konzernen im Dax und den 50 MDax-Gesellschaften kommen, hat seit Jahresanfang 13,5 Prozent gewonnen. Damit hat er sowohl den MDax der mittelgroßen Firmen als auch den Blue-Chip-Index Dax klar abgehängt. Einzelne Aktien haben seit Januar sogar mehr als ein Drittel zugelegt. Mit Ausnahme von vier Aktien befinden sich alle SDax-Mitglieder in diesem Jahr im Plus. Und selbst das Schlusslicht liegt gerade mal 2,6 Prozent im Minus.

Und es sind nicht allein die Aktien der kleinen und mittelgroßen Firmen, die laufen. Auch Mittelstandsanleihen erfreuen sich großer Beliebtheit. Der Bondm-Index der Börse Stuttgart, in dem sich 25 Schuldtitel deutscher Mittelständler finden, hat fast vier Prozent seit Anfang Januar gewonnen. Das mag im Vergleich zur Wertentwicklung des Aktienindex SDax wenig klingen, für Anleihen ist dies jedoch eine bemerkenswerte Performance.

Mittelstand steht für Qualität und Solidität

"Der 'German Mittelstand' ist im Ausland sehr wohl ein Begriff", sagt Frank Elze, Fondsmanager bei der UBS. "Das Segment genießt eine Wertschätzung und auch Bewunderung, weil es für Begriffe wie Qualität, Solidität und Innovation steht."

Selbst der routinierte Profi beobachtet mit einer gewissen Faszination den SDax, der sich "wie von Sinnen" nach oben bewege. "Im vergangenen Jahr ist der Kleinwerteindex klar hinter Dax und MDax zurückgeblieben. Nun wird die dritte Reihe in Deutschland entdeckt", sagt Elze.

Mehrere Faktoren stecken hinter der Hausse. Da ist zum einen der Nachholeffekt für die kleinen Titel. Denn nicht nur im vergangenen Jahr ist der SDax deutlich hinter den großen Brüdern Dax und MDax zurückgeblieben. Auch im langfristigen Vergleich liegt der Kleinstwerteindex zurück. Ablesen lässt sich das am Punktestand. Der Indexbetreiber Deutsche Börse hat die drei Indizes bis ins Jahr 1987 zurückgerechnet und bei 1000 Punkten indexiert.

Weltmarktführer in einer attraktiven Nische

Bei einem aktuellen Stand von knapp 6000 Zählern handelt der SDax deutlich unter dem Dax, der bei knapp 7600 Punkten notiert. Noch markanter fällt die Differenz zum MDax aus, der mit 13.000 Punkten in den vergangenen 25 Jahren mehr als doppelt so viel zugelegt hat. Dieser Rückstand wird nun teilweise aufgeholt.

"Das Kleinstwertesegment enthält viele Unternehmen, die sich in einer attraktiven Nische zum Weltmarktführer entwickelt haben. Das beginnt sich nun auch in den Kursen niederzuschlagen", sagt Volker Kurr, Managing Partner beim beim Beratungshaus für Asset Manager Klimek Advisors in Frankfurt. Er sieht auch attraktive Restrukturierungsgeschichten in der dritten Reihe.

Ein Beispiel sei Heidelberg Druck. Zwar werde die Branche von einer strukturellen Krise durchgeschüttelt. Doch am Ende des Ausleseprozesses könnte Heidelberg Druck einer der wenigen überlebenden Player sein und als Oligopolist gutes Geld verdienen. Schließlich werde es trotz Internet langfristig weiterhin Druckmaschinen geben.

Bei Mittelstandsanleihen gab es schon Pleiten

Heidelberg Druck gehört in diesem Jahr zu den besten Aktien im SDax. Daneben gibt es mit Praktiker oder Air Berlin weitere Restrukturierungsfälle, die den Index insgesamt treiben. Den Unternehmen kommt das insgesamt niedrige Zinsniveau zugute, das selbst finanziell angeschlagenen Firmen wieder Luft zum Atmen gibt.

Das zeigt sich auch bei den Mittelstandsanleihen. Auch hier wird die Spitze von wackeligeren Firmen angeführt. Das offenbart jedoch, dass die Anleger Mittelstand nicht unbedingt mit Solidität gleichsetzen können. Bei den Mittelstandsbonds gab es schon etliche Pleiten, weshalb Investoren ihr Risiko auch über mehrere Anleihen oder Aktien streuen sollten. Auch gibt es inzwischen zahlreiche Aktien- und Anleihefonds, die sich dem Mittelstand verschrieben haben.

Experten rechnen damit, dass der Boom noch eine ganze Zeit anhalten wird. Fondsmanager Elze erwartet im Jahresverlauf vielleicht ein paar Rücksetzer aber keinen wirklichen Einbruch. Denn der Markt sei noch nicht wirklich teuer. Tatsächlich werden die 30 SDax-Unternehmen im Durchschnitt mit dem Elffachen ihrer Gewinne bewertet und damit deutlich unter dem langfristigen Kurs/Gewinn-Verhältnis von 14. Auch die durchschnittliche Dividendenrendite von deutlich über drei Prozent kann sich sehen lassen.

Großkonzerne werfen Auge auf die zweite Reihe

Nicht nur die Bewertungen stimmen die Profis zuversichtlich. Zusätzliche Fantasie wecken mögliche Fusionen und Übernahmen. So haben viele Großkonzerne auf der Suche nach Wachstum ein Auge auf die zweite und dritte Reihe in Deutschland geworfen. Beispielsweise soll Vodafone ein Interesse am MDax-Wert Kabel Deutschland haben. Allein diese Spekulationen reichte aus, um die Aktie in die Top10 der MDax-Titel in diesem Jahr zu katapultieren.

Fondsmanager Elze hält die Börsenzwerge insgesamt für attraktiv und er erwartet auch weiterhin langfristig Renditen im unteren zweistelligen Bereich im Segment. Allerdings würden sich die Titel der dritten Reihe nur als Beimischung eignen.

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