15.02.13

Ernst von Freyberg

Papst macht deutschen Ritter zum Vatikanbank-Chef

Die Vatikanbank war zuletzt wegen dubioser Finanzgeschäfte in Verruf geraten. Nun bekommt sie einen neuen Chef: Ernst Freiherr von Freyberg ist Finanzberater – und Mitglied des Malteser Ritterordens.

Jedes Jahr organisiert Freiherr Ernst von Freyberg Wallfahrten für Kranke und Behinderte in den französischen Ort Lourdes. Das Engagement bei den Deutschen Maltesern ist dem 54-jährigen Rechtsanwalt aus dem schwäbischen Allmendingen ein ganz persönliches Anliegen.

Der gläubige Katholik ist seit 20 Jahren in der Kirche aktiv, als Schatzmeister des Malteserordens und Mitglied der Lourdes-Krankenwallfahrten. Von Freybergs Wirken hat sich bis in den Vatikan herumgesprochen.

Bevor Papst Benedikt XVI. sein Pontifikat abgibt, hat er noch eine wichtige Personalentscheidung getroffen: Von Freyberg wird Chef der Vatikanbank, des Instituts für die religiösen Werke (IOR). Das Geldhaus ist seit fast neun Monaten führungslos.

Im Mai 2012 war Ettore Gotti Tedeschi geschasst worden. Von Freyberg, der Aufsichtsratspräsident der Hamburger Werft Blohm+Voss ist, setzte sich gegen rund 40 andere Kandidaten durch.

Die Bank hat eine dunkle Vergangenheit

Auf den adligen Deutschen wartet eine gewaltige Aufgabe. Seit ihrer Gründung im Jahr 1942 ist die Vatikanbank in diverse Skandale verstrickt. Berühmt ist die Affäre um Roberto Calvi.

Als Chef der Banco Ambrosiano verschob er dank seiner guten Beziehungen zum Heiligen Stuhl Gelder für die Vatikanbank – und wurde 1982 unter einer Londoner Brücke erhängt aufgefunden. Der Fall ist bis heute ungelöst.

Papst Benedikt XVI. kämpfte gegen den schlechten Ruf an. Ende 2010 gab der Pontifex bekannt, die internationalen Regeln gegen Geldwäsche einhalten zu wollen. Sie traten erstmals im April 2011 in Kraft, im Januar 2012 wurden sie überarbeitet.

Im Sommer 2012 präsentierte die Anti-Geldwäsche-Einheit Moneyval des Europarats ihren ersten Untersuchungsbericht zur IOR – und stellte der Bank ein gemischtes Zeugnis aus. Der Neuanfang ist nicht einfach. In der jüngsten Vergangenheit sorgte die Bank immer wieder für Schlagzeilen.

Von Freyberg gründete eine M&A-Firma

Wegen des Verdachts auf Geldwäsche froren italienische Ermittler im Jahr 2010 rund 23 Millionen Euro der Vatikanbank ein, die sich auf Konten anderer Kreditinstitute befanden. Im Juni 2011 wurden sie wieder freigegeben. Ex-Chef Ettore Gotti Tedeschi musste wegen verdächtiger Geldtransfers in Millionenhöhe seinen Posten räumen.

Investmentbank kaufte seine Firma

Das Rüstzeug für seinen Auftrag im Vatikan bringt von Freyberg mit. Der Jurist, der als Referendar am Landgericht Ulm arbeitete, hat eine Karriere im Finanzwesen hinter sich. Er gründete 1991 die Firma Freyberg Hambros und beriet Mittelständler bei Fusionen und Übernahmen.

Das machte er so gut, dass er der Londoner Investmentbank Close Brothers auffiel, die Briten sicherten sich die Mehrheit. 2010 folgte der nächste Schritt.

Nachdem Close Brothers und die japanische Bank Daiwa ihr Beratungsgeschäft in Europa und Asien zusammengeführt hatten, gab von Freyberg Namen und Anteile an Close Brothers ab und machte mit den Partnern aus Fernost gemeinsame Sache.

Es entstand die Gesellschaft DC Advisory Partners. "Wir freuen uns, unseren Kunden nun auch einen exzellenten Zugang zu Japan und Asien bieten zu können", sagte von Freyberg damals. Ende 2012 zog er sich aus dem Tagesgeschäft zurück und war von damals an frei für eine neue Aufgabe.

Die Aufsicht muss neu gestaltet werden

"Es ist klar, dass der Auswahlprozess beispielhaft und nach strengen Kriterien erfolgen musste. Entschieden haben kompetente Personen, ohne Einflussnahme von außen", sagte Vatikansprecher Federico Lombardi nach der Verkündung der Personalie.

"Das ist ein Signal für die Strenge, die Objektivität und die Transparenz, der der Heilige Stuhl verpflichtet ist." Von Freyberg erfülle die Voraussetzungen. Vier Sprachen spreche er. "Er ist in der kirchlichen Welt bestens bekannt. Er ist sehr aktiv", sagte Lombardi.

Zeit für Hobbys in Deutschland

Zu den dringlichsten Problemen, die der Heilige Stuhl bei IOR angehen muss, gehört das Personal und die Kompetenz der neuen Aufsicht. Die Geldwäsche-Experten von Moneyval mahnten an, strengere Maßstäbe bei der Personalauswahl anzulegen und die Unabhängigkeit der Kontrollinstanz zu stärken. Von den wichtigen 16 Moneyval-Kriterien erfüllte IOR neun, bei sieben erhielt sie eine negative Bewertung.

Von Freyberg werde künftig drei Tage in der Woche im Vatikan verbringen, sagte Vatikansprecher Lombardi. Deutschland bleibt der Adlige allerdings weiterhin eng verbunden.

Der Freiherr ist verheiratet und lebt am Wochenende auf dem Schloss seiner Familie im württembergischen Allmendingen. Dort kümmert sich der begeisterte Jäger um seinen Waldbesitz. Es ist jedoch gut möglich, dass er dafür bald weit weniger Zeit haben wird.

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