15.02.13

Tiefkühl-Lasagne

Pferdefleischskandal – drei Festnahmen in Großbritannien

Im Pferdefleischskandel hat es die ersten Festnahmen gegeben. Inzwischen wurde eine Vielzahl Tiefkühlprodukte positiv getestet.

Quelle: Reuters
15.02.13 1:48 min.
Der Pferdefleisch-Skandal weitet sich aus. Die britische Lebensmittelbehörde teilte mit, dass in Fleischproben Phenylbutazon nachgewiesen wurde. Eine Gefahr ginge von dem Stoff jedoch nicht aus.

Im Pferdefleischskandal hat die britische Polizei drei Personen festgenommen. Genaueres hierzu ist noch nicht bekannt.

Indes wurde bestätigt, dass sich in der A&P-Tiefkühl-Lasagne des Handelskonzerns Kaiser's Tengelmann trotz anderslautender Etikettierung auch Pferdefleisch befindet. Kaiser's Tengelmann habe das Tiefkühl-Produkt von der französischen Comigel bezogen, teilte das Unternehmen mit. Comigel habe seine Kunden nun informiert, dass die von Comigel hergestellten Fertiggerichte "durchgängig Anteile von Pferdefleisch enthalten".

Der Handelsriese aus Mülheim an der Ruhr ist nicht der einzige Konzern in Deutschland, der Tiefkühlgerichte von Comigel bezog und sie dann als Eigenmarke verkaufte: Auch die Metro-Tochter Real hat bereits ihre Lasagne "TiP Lasagne Bolognese" vom Markt genommen – darin befanden sich Spuren von Pferdefleisch. Auch dieses Tiefkühlgericht stellte Comigel her. Der dänische Tulip-Konzern hatte ebenfalls eingeräumt, Produkte von Comigel bezogen zu haben. Tulip hatte dann unter anderem die Kette Rewe mit Lasagne und Cannelloni beliefert – auch diese wurde vom Markt genommen.

Raimund Luig, Sprecher der Geschäftsführung, sagte, es habe viel zu lang gedauert, bis klargeworden sei, dass auch Deutschland von dem Pferdefleisch-Skandal betroffen sei. Kaiser's Tengelmann hatte die A&P-Lasagne am 6. Februar aus den Regalen genommen.

Pferdefleischfund auch bei Lidl Österreich

In Österreich hat eine Bundesbehörde bei der Discounterkette Lidl Anteile von Pferdefleisch in einem Nudelprodukt gefunden. Es handle sich um die "Tortelloni Rindfleisch" der Lidl-Eigenmarke Combino, teilte die Österreichische Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit (AGES) in Wien im Auftrag des österreichischen Gesundheitsministeriums mit. In dem Produkt des Herstellers Gusto GmbH sei "ein nicht deklarierter Anteil an Pferdefleisch" gefunden worden.

Lidl Österreich sei über den Fund informiert worden, teilte die AGES mit. Bisher lägen der Agentur Analysen von zwei Proben vor. In einer der Proben sei aber kein Erbgut von Pferden nachweisbar gewesen.

Wie der Internetseite von Lidl zu entnehmen ist, gehören Tortelloni der Eigenmarke Combino mit Rindfleisch auch zum Sortiment in Deutschland. Lidl Deutschland hat die aktuelle Lage bislang noch nicht kommentiert. Noch am Freitagmorgen hatte das Unternehmen erklärt, vom aktuellen Pferdefleisch-Skandal in Deutschland bislang nicht betroffen zu sein.

Lidl Deutschland habe bislang "keine Ware aus dem Sortiment genommen" wie etwa Tiefkühllasagne, hatte das Unternehmen am Firmensitz Neckarsulm erklärt. Es lägen Lidl Deutschland auch "keine Hinweise von Behörden oder Lieferanten vor", dass Produkte im Sortiment vom Skandal betroffen seien und neben Rindfleisch auch Anteile von Pferdefleisch enthielten.

Proben in Berlin und Brandenburg im Test auf Pferdefleisch

In Berlin hat das zuständige Labor mit der Analyse erster Proben begonnen. "Die Untersuchung läuft schon", sagte Maren Fischer vom Landeslabor Berlin/Brandenburg. Bis die Ergebnisse über die Herkunft des Fleisches vorliegen, dauere es zwei bis drei Tage. Bis zum 20. Februar sollen alle Bezirke je zwei Hackfleisch-Proben abliefern. Es kann aus Tiefkühlessen stammen, aber auch von Buletten, Nudelsoße oder Dönern. Supermarktketten in Deutschland hatten in Stichproben Anteile von Pferdefleisch in Tiefkühl-Lasagne gefunden.

In Brandenburg erhöhte sich die Menge der sichergestellten Packungen mit Tiefkühl-Lasagne auf rund 26.000 erhöht. Es seien nun 3440 Produkte hinzugekommen, teilte das Verbraucherschutzministerium mit. Es gebe weiterhin keine Hinweise, dass entsprechende Ware in den Handel gelangt sei. Drei Warenlager waren in Brandenburg nach bisherigen Erkenntnissen über einen Großhändler mit der Lasagne beliefert worden. Die Ergebnisse amtlicher Proben werden nicht vor Donnerstag nächster Woche erwartet.

Auch die Bundesregierung dringt auf eine zügige Aufklärung des Skandals um falsch deklarierte Produkte mit Pferdefleisch in Europa. "Wir brauchen Klarheit, ob der aktuelle Fall nur ein Einzelfall war oder vielleicht sogar die Spitze eines Eisbergs", sagte ein Sprecher des Bundesverbraucherministeriums.

Dazu sollten auch die angestrebten Tests in allen EU-Staaten beitragen, mit denen in Deutschland nicht bis zum Stichtag 1. März gewartet werden solle. Die Kontrollen sollten feststellen, "in welchem Land in welcher Stelle der Bruch in der Kette war". Der Sprecher betonte, vorerst gehe es nicht um eine Gesundheitsgefahr.

Lebensmittelhandel weist Vorwürfe zurück

Der deutsche Lebensmittelhandel wies Vorwürfe zurück, Supermarktketten hätten ihre Kunden zu spät über mögliches Pferdefleisch in Tiefkühl-Lasagne informiert. Die Firmen hätten angesichts erster Verdachtsfälle die "Produkte vorsorglich aus dem Verkauf genommen", teilte Präsident Friedhelm Dornseifer vom Bundesverband des Deutschen Lebensmittelhandels (BVL), mit. "Umgehend wurde mit der Produktanalyse begonnen. Nachdem positive Testergebnisse vorlagen, haben sie die Öffentlichkeit informiert", sagte er. Der Lebensmittelhandel sei "seiner Sorgfaltspflicht umgehend und über die gesetzlichen Vorgaben hinaus nachgekommen."

BVL-Pressesprecher Christian Böttcher erläuterte: "So lange wir nicht wissen, was los ist, ziehen wir Produkte zurück. Wir informieren aber erst, wenn wir sicher wissen, um was es sich handelt." Erhalte ein Unternehmen einen Hinweis, werde der Verkauf gestoppt. Die Analyse des Produkts dauere dann einige Tage, sagte Böttcher. "Wenn das Ergebnis bekannt ist und Gesundheitsgefahr besteht, müssen die Behörden und die Öffentlichkeit informiert werden. In diesem Fall haben die Unternehmen sogar mehr gemacht als vorgeschrieben, weil keine Gesundheitsgefährdung vorlag und trotzdem sofort informiert wurde."

Der Bundesverband des Deutschen Lebensmittelhandels gehört zum Handelsverband Deutschland (HDE) und vertritt Firmen der Lebensmittelbranche.

Supermarktketten wie Real und Edeka hatten in Stichproben Anteile von Pferdefleisch in Tiefkühl-Lasagne gefunden. Tausende Packungen wurden aus den Regalen genommen. Die Öffentlichkeit erfuhr aber erst mehrere Tage später davon. Bis dahin dürften viele Kunden das Produkt bereits verzehrt haben.

Französische Firma will Unschuld beweisen

Die französische Firma, die im Verdacht steht, ihre Fleischprodukte falsch deklariert zu haben, wehrt sich ebenfalls: "Ich weiß nicht, wer hinter all dem steckt, aber ich kann ihnen versichern, wir sind es nicht", sagte der Chef der zu den Hauptverdächtigen zählenden Firma Spanghero, Barthelemy Aguerre, dem Sender Europe 1. Frankreichs Verbraucherschutzminister Benoit Hamon wirft dem Unternehmen vor, wissentlich Pferdefleisch aus Rumänien verarbeitet und als Rindfleisch deklariert zu haben. Der Spanghero-Chef kündigte dagegen an, die Unschuld seiner Firma zu beweisen. "Ich glaube, die Regierung hat vorschnell gehandelt."

Minister Hamon hatte dagegen erklärt, der Firma könne nicht entgangen sein, dass das aus Rumänien importierte Fleisch viel billiger als Rindfleisch gewesen sei. Zudem gebe es keine Hinweise darauf, dass der rumänische Exporteur das Fleisch falsch deklariert habe.

Quelle: AFP/dpa/Reuters/sh
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Pferdefleischskandal Würden Sie Pferdefleisch essen?

  • 38%

    Ja, natürlich

  • 44%

    Nein, auf keinen Fall

  • 15%

    Ich würde es vielleicht mal versuchen

  • 3%

    Keine Meinung

Abgegebene Stimmen: 136
Pferdefleisch-Skandal
  • 15. Januar 2013:

    Die Lebensmittelaufsicht in Irland teilt mit, Spuren von Pferdefleisch in einigen Rindfleisch-Hamburgern entdeckt zu haben. Sie wurden in britischen Supermärkten wie Tesco angeboten. Die irischen Inspekteure lokalisieren die Quelle in zwei Verarbeitungsanlagen in Irland und in einer Fleischfabrik in England. In einigen Hamburgern wurden zudem DNS-Spuren vom Schwein entdeckt.

  • 16. Januar:

    Die britische Behörde für Lebensmittelsicherheit ordnet Untersuchungen an, wie Spuren von Pferdefleisch und Schweine-DNS in eine Reihe von Rindfleischprodukten gelangen konnten, die in Großbritannien und Irland verkauft werden.

  • 31. Januar:

    Die Fast-Food-Kette Burger King Worldwide berichtet, bei einem Hamburger-Lieferanten Spuren von Pferdefleisch entdeckt zu haben, der Schnellrestaurants der Kette in Großbritannien, Irland und Dänemark bediente. Die kontaminierten Produkte seien zwar in keinem der Burger-King-Restaurants verkauft worden, dennoch habe man den Anbieter gewechselt.

  • 6. Februar:

    Der Tiefkühlkosthersteller Findus meldet den britischen Lebensmittelbehörden, dass in einigen seiner Rindfleisch-Lasagne-Gerichte Pferdefleisch enthalten war. Die Firma hatte die Artikel zurückgezogen, nachdem ihr französischer Zulieferer Comigel wegen des Fleisches in Verdacht geraten war. In den Fertigmenüs waren bis zu 100 Prozent Pferdefleisch enthalten, berichten die Lebensmittelkontrolleure.

  • 7. Februar:

    Die Supermarktkette Aldi berichtet, aus ihren Märkten in Großbritannien zwei Angebote aus dem Verkehr gezogen zu haben. Es handele sich um eine Rindfleisch-Lasagne sowie ein Spaghetti-Bolognese-Gericht. Beide stammten ebenfalls vom französischen Lieferanten Comigel.

  • 9. Februar:

    Die französische Regierung teilt mit, anfängliche Ermittlungen bei Comigel deuteten auf eine komplexe Lieferkette für das betreffende Fleisch hin. Sie führe von der Luxemburger Verarbeitungsanlage der Firma, in der Tiefkühlkost hergestellt werde, zu rumänischen Schlachthöfen. Dazwischengeschaltet seien niederländische und zyprische Nahrungsmittelhändler und ein weiterer französischer Anbieter.

  • 10. Februar:

    Sieben Einzelhandelsunternehmen, darunter Ketten wie Carrefour, Groupe Casino und Auchan Groupe, rufen einige Tiefkühlfertiggerichte zurück, die von Findus und Comigel stammen. Es handelt sich um Lasagne, Spaghetti Bolognaise und Moussaka.

  • 11. Februar:

    Die britische Regierung erklärt, es scheine sich um „kriminelle Machenschaften“ zu handeln. Offensichtlich werde „versucht, die Verbraucher zu betrügen“. Der rumänische Ministerpräsident reagiert verärgert auf Andeutungen, die Schuldigen seien in seinem Land zu suchen. In Rumänien sei es zu keinen Betrugsfällen mit falsch deklariertem Fleisch gekommen.

  • 13. Februar:

    Dem nordrhein-westfälischen Verbraucherschutzministerium liegt eine Liste vor, wonach die falsch gekennzeichnete Lasagne auch nach Deutschland geliefert worden sein soll.

  • 14. Februar:

    In Großbritannien werden drei Verdächtige in zwei verschiedenen Fleischbetrieben festgenommen. Zuvor hatte es dort Razzien gegeben.

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