15.02.13

Uhren

Warum die Zeit reif ist für die iWatch von Apple

2007 kam das iPhone, 2010 das iPad – 2013 könnte das Jahr der iWatch werden. Laut Berichten arbeitet Apple an einem neuen Mobil-Computer. Der Zeitpunkt für eine solche Uhr wäre genau der richtige.

Foto: AFP

Verlängerung des iPods oder des iPhones am Handgelenk? Apple soll laut Berichten an einem neuen Mobil-Computer, der als Uhr getragen wird, arbeiten
Verlängerung des iPods oder des iPhones am Handgelenk? Apple soll laut Berichten an einem neuen Mobil-Computer, der als Uhr getragen wird, arbeiten

Nachdem Apple-Beobachter monatelang über die Entwicklung eines neuen Fernsehers mit Apfel-Logo orakelten, versucht sich die Szene seit Ende Dezember 2012 an einer neuen Prophezeiung: Die Apple-Uhr iWatch soll noch dieses Jahr auf den Markt kommen und als Verlängerung des iPods oder des iPhones am Handgelenk dienen.

Ein Entwicklerteam von 100 Ingenieuren soll laut New York Times bei Apple in Kalifornien bereits an dem smarten Zeitmesser werkeln. Angeblich laufen bereits erste Produktionstests beim Auftragsfertiger Foxconn. Apple selbst kommentiert – wie üblich – nicht.

Doch Apple-Chef Tim Cook wäre fahrlässig, hätte er kein solches Team im Einsatz. Wearable Computing, der Einzug der Mikroelektronik in Uhren, Brillen oder Armbänder, ist im US-Markt der aktuell heißeste Hightech-Hype für Verbraucher.

Warum Apple diesen Trend nicht verpassen darf

1. Die Nachfrage ist längst da. Schon vor einem Jahr sammelte das Entwickler-Team um den Smartwatch-Spezialisten Eric Migicovsky überraschend zehn Millionen Dollar auf der Crowdfunding-Plattform Kickstarter ein.

Migicovskys Produktidee: Die Pebble-Smartwatch, eine Uhr, die das iPhone-Prinzip auf das Handgelenk überträgt. Die Uhr soll mit eigenen Apps beliebig konfigurierbar sein, sowie Daten, Anrufe, Nachrichten vom per Bluetooth-Funk angebundenen Smartphone anzeigen.

Micogowsky hatte mit 1000 Bestellungen gerechnet – doch er wurde überrannt: 80.000 Vorbesteller unterstützten die Entwicklung des Geräts, warteten nach Vorauszahlung geduldig über ein Jahr auf die Fertigstellung ihrer Uhr. Die Zahlen zeigen das Potenzial des Marktes für künftige Uhren. Inzwischen tragen die ersten Kunden die Pebble am Handgelenk.

2. Der Zeitpunkt ist genau der richtige, um in einer weiteren Markt-Sparte Apples Erfolgsrezept umzusetzen: Smartphones, Tablets, MP3-Spieler – alle gab es bereits von anderen Herstellern, bevor Apple im jeweiligen Segment Technologie- und Marktführer wurde. Doch erst Apple schaffte es, die Produkte mit der richtigen Mischung aus Design und ausgereifter Technik zur Massenware zu machen.

Die aktuellen Smartwatches von Pebble und Co. sind gut, aber nicht ausgereift: Akkulaufzeiten von teils nur zwei Tagen, Plastikgussteile anstatt Design, umständliche Bedienung per Tasten. 2007 kam das iPhone, 2010 das iPad – 2013 wäre der richtige Zeitpunkt für eine neue Produktlinie.

Apple könnte mit einem Designstück aus Glas und Metall, mit Touch-Farbbildschirm und perfekter Integration in Apples Ökosystem einen neuen Standard setzen. Die Technik dazu – etwa ein Verfahren für die Herstellung gekrümmter Glasoberflächen – ist im Konzern bereits vorhanden. Foxconn lieferte zwischenzeitlich sogar ein Armband, um den iPod-Nano-MP3-Spieler in eine Uhr umzubauen.

3. Der aktuell größte Technik-Trend ist Big Data: Die Vermessung unseres Alltag per Sensoren – und die Auswertung dieser Daten in Echtzeit. Fitness-Armbänder wie das Jawbone Up sind technischer Ausdruck dieses Mega-Trends.

Sie überwachen den Alltag ihrer Nutzer genau: Schon wieder zwei Stunden im Bürosessel gefläzt? Die Geräte messen 24 Stunden – und warnen bei zu viel ungesunder Faulheit per Smartphone.

Eine Uhr könnte die Sensorik der Armbänder übernehmen, zum Sensor für den Alltagsrhythmus der Nutzer werden. Bislang arbeitet Apple in diesem Bereich mit Nike zusammen, und bindet deren "Fuel"-Produkte an das iPhone. Doch Apple benötigt eigene Technik, um hier dabei zu sein.

4. Die wichtigste Konkurrenz ist schon da: Um die Auswertung und Darstellung der Datenmasse aus dem Netz nahtlos in den mobilen Alltag der Verbraucher zu integrieren, ist das Smartphone zu klobig – Nutzer müssen es aus der Tasche ziehen, die Nutzung in Gesellschaft gilt mittlerweile gar oft als unhöflich.

Google versucht sich aktuell daran, seine Daten-Angebote wie Maps über eine Datenbrille darzustellen: Das "Project Glass" getaufte Designerstück ist mittlerweile immerhin als 1500 Dollar teure Entwicklerversion in Kleinserie erhältlich.

Apple muss auf die Herausforderung der Konkurrenz reagieren. Doch mit Glass geht Google einen Schritt zu weit. Für den Alltag der meisten Nutzer dürfte ein unauffälliger Blick auf die Uhr viel praktikabler sein als die Brille. Zudem ist eine Uhr viel günstiger herstellbar.

Als Designerstück ließe sie sich nahtlos in Apples Ökosystem aus iCloud, iPhone und iTunes integrieren. Apple könnte einmal mehr ein Nischenprodukt zum Massenphänomen machen. Ob Tim Cooks Mannschaft um Chefdesigner Johny Ive tatsächlich noch in diesem Jahr eine iWatch zeigt, wird wie immer bis kurz vor der Präsentation Apples Geheimnis bleiben. Doch die Analyse zeigt: Der Zeitpunkt wäre genau der richtige.

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