14.02.13

Letzte Bilanz

Scheidender Puma-Chef Koch spricht von "Foul"

Franz Koch legt bei Puma seine letzte Bilanz vor. Keine zwei Jahre war er an der Spitze des Konzerns. Auf seinen schnellen Abgang angesprochen, reagiert mit einem Beispiel aus dem Sport.

Von Andre Tauber
Foto: dpa

Allein auf weiter Flur: der Vorstandsvorsitzende des Sportartikelherstellers Puma, Franz Koch
Allein auf weiter Flur: der Vorstandsvorsitzende des Sportartikelherstellers Puma, Franz Koch

Franz Koch vermeidet den Eindruck von Wehmut. Viel war darüber spekuliert worden, welche Worte der junge Vorstandschef von Puma für seinen letzten öffentlichen Auftritt wählen würde. Und dann, als er auf sein Gefühl kurz vor dem Abtritt angesprochen wird, wählt er ein Beispiel aus dem Sport. "Im Sport würde man sagen, das war ein Foul", sagt er im Rückblick auf die Umstände, die zur Ankündigung seines Abgang bei Puma führten.

Und ergänzt: "Als Sportler bin ich gewohnt, wieder aufzustehen." Das war's. Damit wird Koch, der frühere Hockey-Bundesligaspieler, in wenigen Wochen seinen Hut nehmen.

Bei Puma endet damit vorerst eine der bemerkenswertesten Führungsepisoden in der deutschen Unternehmenslandschaft. Keine zwei Jahre ist es her, dass der damals erst 32 Jahre alte Nachwuchsmanager Koch zum Nachfolger von Jochen Zeitz gekürt wurde. Niemand hatte ihn damals auf dem Plan. Selbst er war erstaunt, als er zum Mehrheitseigner, dem Pariser Luxusgüterkonzern PPR, geladen wurde. Ende März wird er nun Puma verlassen.

Der Abtritt hängt mit dem mangelnden Vertrauen des Mehrheitseigners zusammen. Das war deutlich geworden, als Verwaltungsratschef Jochen Zeitz im vergangenen Jahr überraschend seinen Rücktritt ankündigte. In Paris kam man zur Überzeugung, man könne Koch nur im Doppelpaket mit Zeitz die Führung anvertrauen. Zumal Zeitz auch in einem Interview zuvor gestichelt hatte, Koch müsse handeln. So kam es, dass PPR Ende vergangenen Jahres den Wechsel an der Vorstandsspitze verkündete.

Wer Koch nachfolgen soll, ist unklar

Das Unternehmen steuert nun vorerst auf ein Führungsvakuum zu. Wer Koch nachfolgen soll, das ist vollkommen unklar. Sicher ist nur, dass Koch spätestens Ende März abtreten wird. Sollte bis dahin kein Nachfolger feststehen, werden Finanzvorstand Michael Lämmermann sowie Vertriebschef Stefano Caroti die Geschäfte einstweilen übernehmen.

Antworten auf die Nachfolgerfrage gibt es in Herzogenaurach in diesen Tagen nicht. Das dürfte auch daran liegen, dass der neue starke Mann bei Puma die Bilanzpressekonferenz meidet: Jean-Francois Palus. Der Manager vertritt den Puma-Mehrheitseigner PPR und führt seit Ende des vergangenen Jahres die PPR-Sparte für Sport und Lifestyle. Dem selbstbewussten Manager wäre es zuzutrauen, dass er selbst die Geschäfte übernimmt. PPR kommentiert eine solche Möglichkeit allerdings nicht

Puma hat eine entschlossene Führung dringend nötig. Das Unternehmen sah sich vergangenes Jahr wegen schlecht laufender Geschäfte gezwungen, ein Effizienzprogramm vorzuziehen und die Kosten zu drücken. Koch rasierte Ländergesellschaften, schloss sie zu größeren Regionaleinheiten zusammen und machte Ladengeschäfte dicht. Darüber hinaus zieht sich Puma aus dem Sponsoring von Rugby und dem Segelsport zurück. Ob Puma die Partnerschaft mit dem Läufer und Olympia-Star Usain Bolt nach 2013 fortsetzt, wollte Koch nicht sagen. Die Entscheidung obliege der künftigen Konzernführung.

Keine Zeit, um sich zu beweisen

An Umbaukosten fielen 2012 125 Millionen Euro an. Diese Kosten lasten schwer auf Puma. Der Jahresgewinn brach um mehr als zwei Drittel auf 70 Millionen Euro ein. Im Schlussquartal rutsche Puma sogar in die Verlustzone. Einen Rekordumsatz von 3,3 Milliarden Euro konnte Puma indes vor allem wegen massiver Preisnachlässe verbuchen. "Wir haben viele Abverkäufe mit Discount und Rabatten gehabt, im vierten Quartal beschleunigt", sagte Koch. Die Aktionäre bekommen das zu spüren. Die Dividende soll um drei Viertel auf 50 Cent gekürzt werden.

Kochs Nachfolger wird kein einfacher Job erwarten. Die Erlöse werden voraussichtlich stagnieren. Wenigstens einen Anstieg des Betriebsgewinns vor Sondereffekten im niedrigen bis mittleren einstelligen Prozentbereich und eine deutliche Verbesserung des Überschusses erwartet Puma. Koch spricht von einem "Übergangsjahr". Und dann bricht doch etwas Wehmut durch.

Dass ihm nicht die Zeit gelassen wurde, sich an der Spitze zu beweisen, scheint ihn zu wurmen. "18 Monate sind nicht genug Zeit, um die Transformation des Unternehmens erfolgreich zu begleiten", sagt er. Was seine Pläne sind, sagt er nicht. Nur das: Er blicke nach vorn.

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