13.02.13

Getränkehersteller

Limoproduzent Bionade hat "die Cola neu erfunden"

Der Öko-Getränkehersteller Bionade hat lange an einem neuen Produkt getüftelt. Jetzt ist es da. Ausgerechnet mit einer braunen Brause will der Konzern seinen Absatzeinbruch stoppen.

Von Carsten Dierig
Foto: dpa

Heißt Cola, sieht aus wie Cola, schmeckt aber nicht wie Cola
Heißt Cola, sieht aus wie Cola, schmeckt aber nicht wie Cola

Wenn Christian Schütz über Cola spricht, klingt das ziemlich verächtlich. Viel Zucker sei darin, dazu aggressive Säuren und künstliche Zusatzstoffe, sagt der Geschäftsführer des Öko-Getränkeherstellers Bionade.

"Irgendwie ist Cola das Gegenmodell zu unseren Getränken." Bislang zumindest. Denn ab sofort hat auch Bionade eine Cola im Sortiment.

Zehn Jahre nach ihrem Start erliegt auch die Bio-Kultmarke aus Bayern den Verlockungen des Marktes. Der nämlich ist gigantisch. Stolze 81,3 Liter Limonade hat der Durchschnittsdeutsche im vergangenen Jahr getrunken, meldet die Wirtschaftsvereinigung Alkoholfreie Getränke (WAFG).

Und allein die Hälfte davon waren Cola und Cola-Mischgetränke. Diesen Markt will Bionade künftig nicht mehr kampflos aufgeben. "Wir haben uns lange genug an den herkömmlichen Colas gerieben", sagt Geschäftsführer Schütz.

"Wir haben die Cola neu erfunden"

Doch passt Cola überhaupt ins Sortiment eines Öko-Anbieters, der sich selbst als Weltverbesserer sieht? Diese Frage habe er sich auch gestellt, gesteht Schütz. Und am Ende habe er sie mit "ja" beantworten können. Denn man habe die Cola neu erfunden, sagt Schütz ganz ohne Zurückhaltung. "Wir melden uns mit einem guten Quäntchen Chuzpe zurück."

Das hauseigene Produkt, das Bionade dieser Tage auf der weltgrößten Branchenmesse Biofach in Nürnberg vorstellt, habe keinerlei künstliche Zusätze und enthalte deutlich weniger Zucker, die Rede ist von nicht mal der Hälfte. Dadurch schmecke sie auch nicht wie eine herkömmliche Cola. "Aber das soll sie auch nicht."

Tatsächlich erinnert die braue Brause geschmacklich nicht im entferntesten an die üblichen Colas. Damit allerdings stellt sich die Frage nach der Zielgruppe. Immerhin ist der Geschmack gelernt und beliebt. Branchenführer Coca-Cola kam im vergangenen Jahr auf einen Umsatz von rund 48 Milliarden Dollar, unter dem Strich stand dabei ein Gewinn von stattlichen neun Milliarden Dollar.

Zwar umfassen diese Zahlen auch Wasser und andere Limonadenmarken unter dem Dach des US-Konzerns. Die mittlerweile über 125 Jahre alte Cola allerdings gehört noch immer zu den Hauptumsatzbringern.

Auch in der Nische gibt es viele Gegenspieler

Doch damit will sich Bionade gar nicht messen. Das Unternehmen aus der Rhön, das seit einigen Jahren zum ostwestfälischen Oetker-Konzern gehört und seither viel von seinem einstigen Rebellen-Image eingebüßt hat, misst sich eher mit den vielen anderen Nischenspielern hinter Coca-Cola und dessen größtem Widerpart Pepsico.

Doch auch dann bleiben reichlich Wettbewerber übrig, seien es Sinalco, Afri und Fritz, die frühere DDR-Kultmarke Club-Cola oder die verschiedenen Eigenmarken des Handels. Sogar der Energy Drink-Hersteller Red Bull versucht es mit einer eigenen Cola-Variante. Bio-Sorten bieten zudem der Safthersteller Voelkel mit Bio-Zisch und die Brauerei Neumarkter Lammsbräu mit Now.

Und neben Bionade startet nun auch der bayerische Mineralbrunnen Adelholzener, der zur Kongregation der Barmherzigen Schwestern vom Heiligen Vinzenz von Paul gehört, eine Alpen-Cola. Die allerdings ist vorerst nur in Bayern erhältlich.

Ab Mitte Mai steht die Brause im Regal

Bionade dagegen dreht das große Rad und plant einen bundesweiten Auftritt. Für die ehemalige Kultmarke ist es die Chance, nach langer Innovationspause und teils dramatischen Absatzeinbrüchen im Limonadenmarkt wieder zu wachsen. Der Erfolg des Cola-Vorhabens ist jedoch alles andere als sicher. "Nur wenige der vielen neuen Erfrischungsgetränke setzen sich durch und landen tatsächlich im Supermarktregal", heißt es von Seiten der WAFG.

Bionade allerdings weiß mit der Oetker-Tochter Radeberger einen starken Vertrieb mit entsprechender Marketing-Maschinerie hinter sich. Mitte Mai soll die neue Cola daher flächendeckend im deutschen Handel erhältlich sein.

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