13.02.13

Übernahme

Vodafone prüft Kauf von Kabel Deutschland

Vodafone könnte ein TV-Kabelnetz gut gebrauchen. Sollte nun tatsächlich ein Übernahme-Angebot an Kabel Deutschland kommen, wäre das eine späte Genugtuung für den Ex-Vodafone-Chef Fritz Joussen.

Foto: Bloomberg

Ein Passant vor einem Vodafone-Shop. Nach einem Medienbericht plant Vodafone die Übernahme von Kabel Deutschland
Ein Passant vor einem Vodafone-Shop. Nach einem Medienbericht plant Vodafone die Übernahme von Kabel Deutschland

Der britische Mobilfunkkonzern Vodafone erwägt laut einem Magazinbericht die milliardenschwere Übernahme von Deutschlands größtem Kabelnetzbetreiber Kabel Deutschland (KDG). Der neue Vodafone-Deutschland-Chef Jens Schulte-Bockum habe mit Konzern-Strategievorstand Warren Finegold bereits einen Geschäftsplan für die Akquisition durchgerechnet, berichtete das "Manager Magazin" am Mittwoch ohne Angabe von Quellen.

Der Plan liege zur Abstimmung bei Konzernchef Vittorio Colao, der der Übernahme "zugeneigt sei", heißt es in dem Bericht. Weder Vodafone noch Kabel Deutschland wollten sich auf Anfrage gegenüber der "Welt" dazu äußern.

Der Bericht trieb die Aktie von Kabel Deutschland zwischenzeitlich um bis zu 14 Prozent auf ein Rekordhoch von 72,75 Euro. Der Börsenwert des Unternehmens stieg dadurch um rund 800 Millionen auf gut 6,4 Milliarden Euro. Die Übernahme wäre für Vodafone sinnvoll, sagte ein Händler. "Weg vom margenschwachen Mobilfunkgeschäft und hin zu stabilen Erträgen aus dem Kabelgeschäft. Da könnte durchaus was dran sein."

Es wäre nicht der erste Mal, dass Vodafone ein Auge auf den deutschen Kabel-Marktführer wirft. Schon kurz vor dem Börsengang von Kabel Deutschland vor knapp drei Jahren spielte der damalige Vodafone-Deutschland-Chef Friedrich Joussen ein Übernahmeangebot durch – allerdings wurde er von der Londoner Zentrale zurückgepfiffen.

Spekulationen über einen Weggang von Joussen im Nachgang hatten sich nicht bestätigt. Joussen wechselte erst im vergangenen Herbst zum Reisekonzern Tui und hat am Mittwoch dort den Chefposten übernommen.

Der zweite Versuch wird teuer

Sollte es nun tatsächlich zu einer Übernahme kommen, könnte dies für Joussen zu einer späten Genugtuung werden. Andererseits dürfte der britische Konzern seine damalige Entscheidung bereuen. Denn inzwischen ist Kabel Deutschland deutlich teurer. Im Vergleich zum Ausgabepreis hat KDG seinen Wert mehr als verdreifacht.

Damals waren die Aktien zu 22,50 Euro ausgegeben worden. Insgesamt hat der ehemalige Eigentümer, der Finanzinvestor Providence, 2,75 Milliarden Euro mit dem Verkauf von Kabel-Deutschland-Aktien eingenommen. Vodafone ist an der Börse knapp 107 Milliarden Euro wert.

Ein Banker, der Vodafone in der Vergangenheit beraten hatte, sagte, dass eine Übernahme strategisch durchaus sinnvoll wäre. Zwar verfolge die Vodafone-Spitze eigentlich andere Prioritäten, etwa in Spanien. Doch wenn die Briten dort nicht zum Zuge kämen, könnten sie den Blick auch nach Deutschland richten.

Der größte Rivale auf dem deutschen Markt, der Unitymedia-Kabel-BW-Eigner Liberty Global, ist mit der in der vergangenen Woche verkündeten 16 Milliarden Dollar schweren Übernahme des britischen Kabelbetreibers Virgin Media erst einmal ausgelastet. Kabel Deutschland wäre zudem einem Übernahmeversuch weitgehend schutzlos ausgeliefert – alle Aktien sind im Streubesitz.

Festnetz hilft bei Datenexplosion

Kabel Deutschland versorgt Haushalte in 13 Bundesländern mit Fernsehen, Telefon und Internet. Unitymedia Kabel BW ist in Nordrhein-Westfalen, Hessen und Baden-Württemberg aktiv. Die beiden großen Kabelkonzerne verfügen in ihren Bundesländern über Gebietsmonopole, Konkurrenz machen sie sich nicht. Liberty Global gehört zum Imperium des US-Kabel-Milliardärs John Malone.

Vodafone Deutschland kann ein stärkeres Festnetzgeschäft gut gebrauchen. Die Datenmengen im Mobilfunk steigen wegen des Smartphone-Booms stark an. Mit der neuen und schnelleren Mobilfunktechnik LTE (Long Term Evolution) dürfte die Menge noch einmal deutlich zunehmen. Von den Funk-Basisstationen müssen die Daten ins Festnetz abgeführt werden. Dabei könnte die Infrastruktur von Kabel Deutschland helfen.

Seinen Kunden bietet Vodafone auch über das Festnetz Breitbandanschlüsse an und hat dafür im Jahr 2008 das Festnetz-Unternehmen Arcor übernommen. Für die letzten Meter in die Haushalte mietet Vodafone allerdings die Leitungen von der Deutschen Telekom. Jährlich zahlt das Unternehmen dafür an den Bonner Konzern etwa eine halbe Milliarde Euro.

Die TV-Kabelnetzbetreiber machen den Telekomfirmen zunehmend Konkurrenz, weil sie über ihre Leitungen meist schnellere Internet-Zugänge zu niedrigeren Gebühren anbieten als Vodafone und die Telekom. Nach einer Übernahme von Kabel Deutschland durch Vodafone dürfte der Mobilfunker damit einen Konkurrenten weniger haben – vorausgesetzt, das Kartellamt votiert nicht dagegen.

Quelle: heu/Reuters
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