13.02.13

Flugunternehmen

Lufthansa wirft Vielflieger aus der Business Lounge

Germanwings übernimmt künftig die meisten Inlandsflüge. Die Billigairline will zwar ihren Service verbessern, dennoch ist die Empörung groß.

Foto: dpa

Die sogenannten „Frequent Traveller“ müssen bald auf viele Privilegien verzichten
Die sogenannten "Frequent Traveller" müssen bald auf viele Privilegien verzichten

Die Nachricht, dass Lufthansa sich aus dem Flächengeschäft in Deutschland verabschieden wird, ist nicht ganz neu. Allerdings lässt erst jetzt ein wichtiges Detail vor allem Vielflieger aufhorchen. Denn auf den meisten Kurz- und Mittelstrecken geht zukünftig wohl nicht nur die Beinfreiheit verloren. Beim Lufthansa-Vielfliegerprogramm "Miles & More" müssen sogenannte "Frequent Traveller" – also vornehmlich Geschäftsleute auf innerdeutschen Dienstreisen – demnächst auf Privilegien verzichten.

Bereit Ende vergangenen Jahres kündigte die deutsche Fluglinie mit dem Kranich im Logo an, ab Juli 2013 den Flugverkehr auf allen Flügen innerhalb Europas und Deutschlands, die nicht von oder nach Frankfurt oder München gehen, an die "neue" Germanwings abzugeben. Dort gibt es keine Vorzugsbehandlung, wie beim Mutterkonzern Lufthansa üblich.

Bisher genossen die Stammkunden mit ihrer silbernen Karte auf deutschen Flughäfen einigen Luxus. Darunter die Benutzung der "Business Lounge" und beim Check-in eine bevorzugte Behandlung. Doch ohne Lufthansa-Flugzeuge auf deutschen Flughäfen entfallen auch die Vorteile. Wer als "Frequent Traveller" zukünftig seine Geschäftsreise von Berlin nach Stuttgart antritt, muss sich als Lufthansa-Kunde in die lange Check-in-Schlange von Germanwings anstellen und darf die Business Lounge nur von außen durch das Milchglas betrachten.

500. 000 Kunden sind betroffen

Unangetastet bleiben die Privilegien der zwei höchsten Statusstufen des "Miles & More"-Programms "Senator" und "Hon Circle Member", die jedoch erst ab 100.000 beziehungsweise 600.000 Flugmeilen zu haben sind. Die rund 500.000 "Frequent Traveller", die immerhin 35.000 Meilen für ihre silberne Karte sammeln mussten, sind spürbar verärgert.

Auf der Facebook-Seite von Lufthansa machen die Vielflieger ihrem Ärger Luft: "Ab Nürnberg kann ich wegen Germanwings, obwohl ich Vielflieger bin, nicht mehr in die Lounge. Das ist unfassbar. Wenn diese Art der Kundenbehandlung so weiter geht, dann erreicht Lufthansa mit dem Sparprogramm das Gegenteil, es werden noch mehr unzufriedene Gäste", schreibt ein User. "Lufthansa buchen und dann drittklassige Germanwings fliegen?", lautet ein anderer Kommentar.

"Neues Germanwings" mit besserem Service

Laut Lufthansa soll die "neue Germanwings" in Zukunft allerdings alles andere als "drittklassig" sein. Nicht nur, dass etwa 30 Original-Lufthansa-Maschinen zu Germanwings wechseln werden, auch der neue Preis-Tarif sieht eine Art "Business Class" vor. In der höchsten Preiskategorie, dem "Best"-Tarif, sitzt man auf geräumigeren Plätzen, isst à la carte und hat Lounge-Zugang. "Das wird eine völlig neue Germanwings, nicht zu vergleichen mit der Billigfluglinie von heute", sagt Wolfgang Weber, Lufthansa-Sprecher.

Wer als "Frequent Traveller" nicht auf die Business-Lounge verzichten will, hat laut Germanwings aber die Möglichkeit, "am Tag vor Abflug den Zugang zu den Business Lounges zum Preis von 25 Euro zu erwerben". Fraglich ist jedoch, ob verärgerte Vielflieger diesen Obolus entrichten wollen.

Mit der Stärkung seiner Tochter Germanwings will die Lufthansa der harten Preiskonkurrenz von Billigfliegern wie Easyjet und Ryanair begegnen. Mit Flügen innerhalb Deutschlands und auch Europas verdient die größte Airline des Landes so gut wie kein Geld. Deshalb wurde die konzerneigene Billigtochter gestärkt – gegen erhebliche Widerstände beim Personal. Berlin hatte sich in diesem Zusammenhang Hoffnungen gemacht, Standort der neuen Germanwings zu werden. Das Unternehmen entschied sich jedoch für den Flughafen Köln-Bonn – wohl auch wegen der mehrfachen Terminverschiebung für die Eröffnung des neuen Hauptstadtflughafens BER.

Bonusmeilen-Streit beigelegt

Indes hat die Lufthansa zumindest einen anderen langwierigen Streit um das Bonusmeilensystem außergerichtlich klären können. Die Lufthansa wird Änderungen ihres Bonusmeilensystems künftig mit einem Vorlauf von drei Monaten ankündigen. Das sieht eine außergerichtliche Einigung der Fluggesellschaft mit dem klagenden Vielflieger Tobias Eggendorfer vor. Wenn es der Wunsch vieler Kunden sei, Änderungen früher bekannt zu geben, dann werde man das künftig gerne so handhaben, sagte ein Lufthansa-Sprecher. Im Gegenzug verzichtet der Kläger auf den Gang vor den Bundesgerichtshof.

"Nachdem das nun für alle Kunden verbindlich geregelt wird, habe ich mein Ziel erreicht", sagte Eggendorfer. "Wir haben eine vernünftige Lösung gefunden. Das war das, wofür ich gekämpft habe." Bei der Lufthansa hieß es, dass man inzwischen auch mit anderen Kunden, die geklagt hatten, zu einer Einigung gelangt sei. Wichtig für die Lufthansa sei es gewesen, in dem Fall Rechtssicherheit zu bekommen, und das sei geschehen. Eggendorfer hatte Bonusmeilen der Lufthansa gesammelt, um sie als Rabatt für neue Flüge einzulösen.

Anfang 2011 hatte die Lufthansa die Bedingungen dafür verändert, wodurch Eggendorfer 15 bis 20 Prozent mehr Bonusmeilen für Business- und First-Class-Flüge einlösen musste als vorher. Dieses Vorgehen hielt der junge Professor für rechtswidrig und klagte. In erster Instanz gewann er, in zweiter Instanz verlor er. Das Oberlandesgericht Köln entschied zuletzt, dass man Eggendorfers Fall nicht isoliert betrachten dürfe, da er mit ungefähr 900.000 angesammelten Bonusmeilen ein ausgesprochener Vielflieger sei. Für den Durchschnittskunden sei das neue System dagegen keineswegs immer von Nachteil.

Eggendorfer hatte auch kritisiert, dass die Umstellung schon einen Monat nach der ersten Ankündigung in Kraft getreten sei. Das Oberlandesgericht hatte darin aber kein Problem gesehen. Die Lufthansa sichert ihren Kunden nun auf freiwilliger Basis eine längere Vorwarnzeit zu. Das Unternehmen wollte unbedingt verhindert, dass Eggendorfer bis zur letzten Instanz klagt. Hätte er dort gewonnen, wäre es für die Airline mit Entschädigungszahlungen richtig teuer geworden.

Quelle: (mit dpa)
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