12.02.13

Einkommen

Reallöhne in Deutschland niedriger als im Jahr 2000

Arbeitnehmer waren die Verlierer der letzten Dekade. Nach Abzug der Inflation gingen die Löhne zurück. Deutlich zugelegt haben Einkommen aus Unternehmensgewinnen und Vermögen.

Foto: dpa

Tarifmitarbeiter sind oft noch besser gestellt: Demonstration des Deutschen Gewerkschaftsbundes am 1. Mai in Berlin
Tarifmitarbeiter sind oft noch besser gestellt: Demonstration des Deutschen Gewerkschaftsbundes am 1. Mai in Berlin

Trotz des jüngsten Anstiegs liegen die Reallöhne in Deutschland immer noch unter dem Niveau der Jahrtausendwende. "Nach Abzug der Preissteigerung sind die durchschnittlichen Bruttolöhne je Beschäftigtem zwischen 2000 und 2012 um rund 1,8 Prozent gesunken", erklärte das gewerkschaftsnahe WSI-Institut am Dienstag.

Auch der Zuwachs in den vergangenen drei Jahren habe die vorherige Entwicklung nicht ausgleichen können. 2012 hatten die Arbeitnehmer nach Abzug der Inflation von 2,0 Prozent noch ein Plus von 0,6 Prozent in der Tasche.

Eine schwache Konjunktur und die Deregulierung am Arbeitsmarkt hätten dazu beigetragen, dass sich die Einkommen seit der Jahrtausendwende insgesamt schwach entwickelten, erklärten die Düsseldorfer Forscher. So hätten die Hartz-Reformen den Druck auf die Verdienste verstärkt, und der Niedriglohnsektor sei gewachsen.

Deutlich besser lief es dem WSI zufolge bei den Tariflöhnen und -gehältern. "Sie waren 2012 real um 6,9 Prozent höher als 2000." In den meisten Jahren dieses Zeitraums blieben die Bruttoeinkommen, in die unter anderem auch die Löhne der nicht nach Tarif bezahlten Arbeitnehmer einfließen, aber hinter den Tarifeinkommen zurück.

"Das zeigt, dass das Tarifsystem in der vergangenen Dekade mehr denn je das Rückgrat der Lohnentwicklung in Deutschland war", sagte der Leiter des WSI-Tarifarchivs, Reinhard Bispinck. Da jedoch die Tarifbindung sank und Firmen mit wirtschaftlichen Problemen Öffnungsklauseln nutzten, schlugen Steigerungen bei den Tariflöhnen nur zum Teil auf die Bruttoverdienste durch.

Einkommen aus Gewinnen und Vermögen legen stark zu

Anders als die Löhne haben die Einkommen aus Unternehmensgewinnen und Vermögen in diesem Zeitraum die Arbeitseinkommen klar hinter sich gelassen, wie das WSI berechnet hat. Diese erhöhten sich trotz Wirtschaftskrise zwischen 2000 und 2012 nominal um 50 Prozent, während die nominalen Arbeitnehmerentgelte nur um 24 Prozent wuchsen.

Für die anlaufenden Tarifrunden haben die Gewerkschaften für verschiedene Branchen 5,0 bis 6,6 Prozent mehr Lohn und Gehalt gefordert. Auch einige Ökonomen wie der Wirtschaftsweise Peter Bofinger plädieren zur Ankurbelung der Binnennachfrage und zur Stabilisierung der Euro-Krise für starke Lohnerhöhungen. Andere Experten wie Bundesbank-Chef Jens Weidmann lehnen dies ab und sorgen sich um die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Wirtschaft.

Quelle: Reuters/dpa/dma
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