12.02.13

Riesiger Pick-up

In diesem Auto fühlt sich jeder wie ein Cowboy

Der Deutsche liebt seinen Golf, der Amerikaner seinen Pick-up. Daran hat auch die Wirtschaftskrise nichts geändert. Wer im Ram 1500 sitzt, fühlt sich wie ein König. Nun macht der Riese sogar auf öko.

Von Thomas Geiger
Foto: RAM

Mann, ist der groß! Der Ram 1500 ist 5,80 Meter lang, über zwei Meter breit und zwei Meter hoch.

7 Bilder

Dieses Auto ist wie eine Burg auf Rädern: Wer einmal einen Pick-up wie den RAM 1500 gefahren hat, dem kommt selbst eine Mercedes S-Klasse oder ein BMW X5 klein und zierlich vor. Denn das Dickschiff aus Detroit ist so groß und gewaltig, dass es schon beim Einsteigen auf das Selbstbewusstsein abfärbt und sich selbst ein Bürohengst plötzlich fühlt wie ein Asphalt-Cowboy.

Das liegt nicht allein am Format des robusten Riesen, sondern auch an der Aura, die Pick-ups wie ihn umgibt: Sie sind die modernen Nachfahren jener Pritschenwagen, mit denen die Amerikaner ihr Land besiedelt hatten. Deshalb ist ihm kein Weg zu weit, keine Wildnis zuwider und keine Ladung zu schwer.

Und natürlich gehört man als Fahrer eines solchen Ungetüms automatisch zu jenen kräftigen Typen, die richtig zupacken und die Welt retten können. Kein Wunder also, dass die Pick-ups seit jeher die amerikanische Zulassungsstatistk dominieren und das Trio aus Ford F-150, Chevrolet Silverado und RAM 1500 beim Durchschnittsamerikaner so populär ist wie bei uns VW Golf, Opel Astra und Ford Focus.

Zwar schütteln wir Europäer dabei gerne den Kopf über die vermeintlichen Dinosaurier unter den Autos. Denn die bei den Amerikanern so beliebten Fahrzeuge sind groß, schwer und vor allem durstig. Aber so ganz langsam tut sich was, und die gigantischen Pritschenwagen bekommen reichlich Spritspartechnik. Beim RAM 1500 aus der Chrysler-Gruppe kommt das so gut an, dass er gerade "Truck of the Year" wurde.

Sogar eine Start-Stopp-Automatik ist an Bord

Ja, natürlich gibt es für den RAM 1500 auch einen V8 mit 5,7 Litern Hubraum. Aber es gibt eben auch einen neuen Sechszylinder samt Achtgang-Automatik, der mit seinen 3,6 Litern unter der Haube fast ein bisschen verloren wirkt. Doch 305 PS und 364 Nm sind mehr als genug.

So wie VW seine Blue-Motion-Modelle, verkauft Chrysler den RAM auch als "High Fuel Efficiency". Dann gibt es nicht nur Jalousien im Kühler und für den cw-Wert eine Luftfederung zum Absenken der Fuhre, sondern sogar eine Start-Stopp-Automatik. So sinkt der Verbrauch um 20 Prozent. Auf dem Highway reichen deshalb deutlich unter zehn Liter.

Natürlich ist das immer noch viel Sprit, und jeder Diesel wäre sparsamer. Aber der RAM ist eben auch ein extrem großes Gefährt: Zum Einsteigen brauch man fast eine Leiter, drinnen könnte man zu sechst einen Cocktail nehmen, und auf die Pritsche passt locker ein Kleinwagen. Dabei sieht das Dickschiff mit seinem hohen Grill tatsächlich so bullig aus wie der Widder mit den gesenkten Hörnern, den RAM im Logo hat.

Hinter dem Lenkrad hat man Platz ohne Ende, in die Ablagen und Becherhalter passt mehr Proviant, als man für eine Tour auf der Route 66 braucht. Knapp zwei Meter über dem Boden fühlt man sich wie der "King oft the Road" – so könnte die Fahrt ewig dauern. Zumindest wenn man in einer Luxusversionen mit Lack und Leder und mehr Elektronik als in einem Jeep unterwegs ist.

Es gibt den RAM aber auch als ein echtes Arbeitstier. Der hat nicht nur äußerst wenig Extras, sondern zeigt sich innen vor allem mit grauem Hartplastik. Aber das hat auch etwas Gutes: Diesen Pick-up könnte man wohl sogar von innen mit dem Kärcher reinigen.

Sechs Meter lang, zwei Tonnen schwer

Wer mit dem Auto unterwegs ist, braucht angesichts der Größe aber nicht nur ein geschultes Auge, sondern auch die Gelassenheit eines Cowboys. In der Ruhe liegt die Kraft in einem RAM: Zum Rasen taugt der Wagen nämlich nicht.

Zwar braucht er auch nur rund acht Sekunden, um auf Tempo 100 zu kommen und schafft fast 180 Sachen. Aber bei diesem Format ist das mit der Fahrdynamik so eine Sache. Dafür fühlt man sich mit dem Dickschiff schier unverwundbar, lacht selbst über knöcheltiefe Schlaglöcher und wühlt sich mit den Allradvarianten auch durch den dicksten Dreck.

Fast sechs Meter lang und mehr als zwei Tonnen schwer, verkauft RAM den1500er in Amerika schon für umgerechnet weniger als 20.000 Euro. So viel Auto fürs Geld gibt es sonst nirgends. Das sieht bei uns ein bisschen anders aus.

Die wenigen Importeure, die den Ami über den Atlantik holen, haben meist nur die teuren Modelle und bitten die Fans ordentlich zur Kasse: Unter 45.000 Euro geht deshalb kaum etwas. Da muss man schon mit Leib und Seele Cowboy sein, um das zu genießen.

Quelle: dapd
14.01.13 1:17 min.
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