12.02.13

Konjunkturprognose

Wie Berlins Wirtschaft Brandenburg abhängt

Aufschwung in Berlin, Tristesse in Brandenburg: Laut IHK-Umfrage bekommt Berlins Nachbarland in Sachen Wirtschaftskraft zunehmend Probleme.

Von Hans Evert
Foto: BM-Infografik

Zunehmende Beschäftigung.

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Das Thema Länderfusion Berlin-Brandenburg ist weiter weg als ein verbindliches Eröffnungsdatum für den neuen Hauptstadtflughafen BER in Schönefeld. Vor allem Brandenburger verspüren wenig Lust darauf, die Verbindlichkeiten des deutschen Schuldenmeisters Berlin mitzutragen. Das ist seit Jahren Mehrheitsmeinung im Berliner Nachbarland. Es ist eine Haltung, die sich absehbar rächen könnte. Denn wirtschaftlich geht die Schere zwischen der Hauptstadt und ihrem Umland immer weiter auseinander. Während Berlin an Bevölkerung und Wirtschaftskraft zulegt, darben viele Brandenburger Landkreise infolge von Abwanderung und Überalterung.

Berlin als Sieger

Der gegenläufige Trend wird Jahr für Jahr deutlicher, so auch bei der gemeinsamen Konjunkturumfrage der Industrie- und Handelskammern (IHK) aus Berlin sowie Potsdam, Cottbus und Frankfurt/Oder. Jan Eder, Hauptgeschäftsführer der Hauptstadt-Kammer, erwartet 2013 in Berlin 1,4 Prozent Wachstum. "Wir werden Sieger im Vergleich der Bundesländer", ist Eder überzeugt. Skeptischer klingt da Kammerkollege Gundolf Schülke, der die IHK Ostbrandenburg in Frankfurt/Oder führt. "Brandenburg wird wohl weniger stark wachsen als der Bundesdurchschnitt", prophezeit Schülke.

Die Prognosen für Deutschland insgesamt liegen für dieses Jahr zwischen 0,4 Prozent Wachstum (Bundesbank) und 0,9 Prozent (DIW Berlin). Vergangenes Jahr legte die Produktion von Waren und Dienstleistungen in Deutschland um 0,7 Prozent zu. Auswertungen für die Bundesländer liegen noch nicht vor. Doch wird allgemein erwartet, dass sich Berlin mit einem Wachstum von deutlich über einem Prozent 2012 am dynamischsten entwickelt hat.

Zuwanderung nach Berlin

Diesen Pfad dürfte die Hauptstadt auch in den nächsten Jahren beschreiten. Es sind jenseits weltkonjunktureller Schwankungen langfristig wirkende Kräfte, die Berlins Wirtschaft stärken. Wichtigstes Momentum: Die Bevölkerung der Hauptstadt wächst. Es strömen immer mehr Konsumenten und mehr Arbeitskräfte in die Stadt. Absatzmärkte für alle möglichen Waren und Dienstleistungen vergrößern sich.

Gleichzeitig finden Unternehmen hier leichter gut ausgebildete Menschen. Der erhöht die Neigung, in Berlin zu investieren. Bis 2030 werden einer Prognose der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung rund 250.000 mehr Menschen in Berlin wohnen. Mit anderen Worten: Es kommt ein ganzer Stadtbezirk hinzu. Dazu sorgen junge Technologieunternehmen für weiteren Schub. Touristen lassen Geld in Geschäften, Hotels und Restaurants und sorgen so für Umsätze und Arbeitsplätze.

Von einer solchen Situation können sie vor allem in jenen Landkreise, die fern von Berlin liegen, nur träumen. "Wir kommen dort absehbar in eine schwierige Situation", sagte Wolfgang Krüger, Cottbuser IHK-Hauptgeschäftsführer. In Elbe-Elster beispielsweise seien Überalterung und Abwanderung schon ein großes Problem für dort ansässige Unternehmen, so Krüger.

Umfrage unter 1500 Firmen

Schon heute schlägt sich diese Entwicklung in aktuellen Konjunkturumfragen nieder. "In Brandenburg laufen die Geschäfte gut, und in Berlin ist alles noch ein Stück dynamischer", sagte Eder. Konkret sieht es so aus, dass Berliner Unternehmer in fast allen Feldern zuversichtlicher sind. Das ist das Ergebnis der Umfrage unter rund 1500 Firmen in der Hauptstadt und Brandenburg.

So bezeichneten 52 Prozent der Berliner Unternehmen ihre aktuelle Lage als "gut", aber nur 28 Prozent der Brandenburger. Bei den Erwartungen gibt es eine ähnliche Diskrepanz. 32 Prozent der Berliner gehen von besseren Geschäften in naher Zukunft aus – in Brandenburg sind es 16 Prozent. 32 Prozent der Berliner Betriebe wollen ihre Belegschaft aufstocken, lediglich 14 Prozent die Mitarbeiterzahl verringern.

Berliner wollen einstellen

In Brandenburg ist der Trend genau umgekehrt: Nur elf Prozent wollen einstellen, 21 Prozent hingegen abbauen. Und während beispielsweise die Berliner Einzelhändler der Umfrage zufolge in so guter Stimmung wie noch nie sind, ist die Stimmung in Brandenburg deutlich verhaltener.

Schaut man auf den Konjunkturklimaindex für Berlin und Brandenburg, sorgen die optimistischen Hauptstädter für ein insgesamt gutes Bild der Region. Aktuell hat der Index einen Wert von 118 Punkten, etwas weniger als zu Beginn des Jahres 2012 (123 Punkte). Jeder Wert über 100 signalisiert dabei Wachstum.

Trotz der wachsenden Stärke Berlins wollen immer weniger Brandenburger Unternehmer eine Länderfusion. Aktuell sind es 44 Prozent, im Jahr 2010 waren es noch 56 Prozent. Und auch in Berliner Firmenzentralen ebbt die Begeisterung für ein größeres Bundesland ab. Vor drei Jahren waren Berliner Unternehmen mit einer Zustimmung von 70 Prozent regelrechte Fusions-Euphoriker. In diesem Jahr sprachen sich nur noch 53 Prozent für ein Zusammengehen der Länder aus. Auch das kann man als Zeichen der wachsenden Berliner Stärke deuten.

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