11.02.13

Marktmanipulation

Staatsanwälte ermitteln gegen Porsche-Aufsichtsräte

Nach der Übernahmeschlacht von Porsche und VW ermittelt die Staatsanwaltschaft nun auch gegen Aufsichtsräte von Porsche. Sie stehen im Verdacht, gegen das Wertpapierhandelsgesetz verstoßen zu haben.

Foto: dpa

Porsche steckt in Schwierigkeiten. Die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen die Aufsichtsräte
Porsche steckt in Schwierigkeiten. Die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen die Aufsichtsräte

Die Staatsanwaltschaft ermittelt wegen der Übernahmeschlacht von Porsche und VW nun auch gegen den kompletten früheren Aufsichtsrat der Porsche-Dachgesellschaft PSE. Das sagte ein Sprecher der Behörde in Stuttgart und bestätigte damit entsprechende Medienberichte. Er nannte den Verdacht der Beihilfe zur Marktmanipulation als Grund.

Dass die Strafverfolger ihre Ermittlungen jetzt ausweiteten, könne damit zusammenhängen, dass mögliche Gesetzesverstöße im März verjährten, berichtete das Magazin auf seiner Internetseite weiter. Gegen den früheren Chef der Porsche Holding, Wendelin Wiedeking, und den früheren Finanzvorstand des Unternehmens, Holger Härter, haben die Stuttgarter Strafverfolger im Dezember 2012 vor dem Landgericht Stuttgart bereits Anklage erhoben, über deren Zulassung aber noch nicht entschieden ist.

Die beiden Topmanager, die in dem jahrelangen Übernahmepoker stets mit Rückendeckung des Porsche-Aufsichtsrates sowie des VW-Aufsichtsratschefs Ferdinand Piech Pläne gehandelt hatten, sollen in öffentlichen Erklärungen des Unternehmens unrichtige Angaben über den Kauf von VW-Anteilen und ihre Beherrschungsinteresse im Jahr 2008 gemacht haben. Die Verteidiger der beiden Angeschuldigten haben die Vorwürfe als unbegründet zurückgewiesen.

Falsche Angaben

Die Strafverfolger glauben bei einer Razzia Hinweise dafür gefunden zu haben, dass Porsche im Frühjahr und Sommer 2008 "in mindestens fünf öffentliche Erklärungen" falsche Angaben zu seinen Beherrschungsabsichten gemacht, damit den Aktienkurs von VW zu seinen Gunsten beeinflusst und Investoren auf die falsche Fährte gelockt hat.

Die anfänglich kleine Beteiligung an VW hatte der mit komplexen Finanzwetten und seinem hochrentablen Sportwagen-Geschäft reich gewordene Stuttgarter Konzern von Herbst 2005 an in Trippelschritten aufgestockt und entsprechende Stimmrechtsmitteilungen veröffentlicht. Anfänglich hatte Porsche noch dementiert, mehr als 30 Prozent am VW-Stammkapital erwerben zu wollen.

Nach dem Überschreiten dieser Schwelle stellte das Management auch die Absicht zur Übernahme von mehr als 50 Prozent der VW-Stimmrechte in Abrede, später ebenso die Absicht zum Abschluss eines Gewinnabführungs- und Beherrschungsvertrages.

Absichtserklärung an die Kapitalmärkte

Letztlich strebten Wiedeking und Härter die Beherrschung an und sicherten sich über stillschweigend gekaufte Optionen den Zugriff auf weitere Aktien: Erst im Herbst 2008 veröffentlichte die Porsche Holding nach Beschlüssen in Vorstand und Aufsichtsrat offiziell eine Absichtserklärung an die Kapitalmärkte, mehr als 75 Prozent der Stimmrechte an VW erwerben und den Konzern damit doch beherrschen zu wollen.

Danach vervielfachte sich der Aktienkurs binnen kurzer Zeit, VW avancierte zum zeitweise teuersten Unternehmen der Welt. Volkswagen-Aktionäre, die in dem Machtpoker und im Vertrauen auf die Porsche-Dementis auf einen fallenden Kurs der VW-Stämme gesetzt hatten, wurden auf dem falschen Fuß erwischt. Für diese Verluste wollen mehrere Dutzend Investoren vor Gerichten Schadenersatz von Porsche in Milliardenhöhe erstreiten.

Letztlich ging der waghalsige Übernahmeversuch inmitten der im Herbst 2008 eskalierenden Finanzkrise schief, da der Porsche Holding das Geld für ihre riskanten Optionsgeschäfte auf VW-Stammaktien und die angehäuften Milliardenschulden ausging.

VW drehte den Spieß um und bewahrte den Angreifer 2009 vor dem finanziellen Ruin, der dafür eine knapp 50-prozentige Beteiligung an seinem Fahrzeuggeschäft an die Wolfsburger abtreten musste.

Weltweit profitabelster Fahrzeughersteller

Das Führungsduo Wiedeking und Härter, das die Anfang der 90er-Jahre noch vor dem Zusammenbruch stehende Automarke Porsche binnen weniger Jahre zum weltweit profitabelsten Fahrzeughersteller aufgebaut hatte, wurde geschasst.

Im Sommer 2012 verleibte sich VW die restlichen Anteile am Porsche-Autogeschäft für knapp 4,5 Milliarden Euro ein – seitdem ist Porsche die zwölfte Marke von VW.

Die von den Familien Porsche und Piech sowie dem Emirat Katar kontrollierte Porsche Holding hält gut die Hälfte der VW-Stimmrechte und ist damit der bestimmende VW-Aktionär.

Quelle: rtr/dpa/fp
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