11.02.13

Pferdefleisch-Skandal

Kaiser's nimmt Lasagne vorsorglich aus den Regalen

Im Skandal um falsch etikettiertes Pferdefleisch reagiert Kaiser's Tengelmann: Die Supermarktkette lässt vorsorglich Tiefkühlprodukte der Eigenmarke "A&P" auf ihren Inhalt untersuchen.

Foto: picture alliance

Supermarkt von Kaiser’s am Potsdamer Platz. Vorsorglich lässt die Kette Tiefkühl-Lasagne auf ihren Inhalt überprüfen
Supermarkt von Kaiser's am Potsdamer Platz. Vorsorglich lässt die Kette Tiefkühl-Lasagne auf ihren Inhalt überprüfen

Im Skandal um falsch etikettiertes Pferdefleisch müssen sich die Verbraucher in Deutschland offenbar keine Sorgen machen: Es gebe derzeit "keine Hinweise", dass solche Produkte auch hierzulande auf den Markt gekommen seien, teilte das Verbraucherschutzministerium mit.

Die Lebensmittelüberwachungs- und Veterinärbehörden der Bundesländer seien zur Wachsamkeit aufgerufen. In Großbritannien und Irland war in Fertiggerichten als Rindfleisch deklariertes Fleisch von Pferden in den Handel bekommen.

Dennoch hat hierzulande die Supermarktkette Kaiser's Tengelmann vorsorglich ihre Tiefkühl-Lasagne der Eigenmarke A&P aus dem Verkauf genommen. Der Inhalt wird nun untersucht, wie eine Sprecherin des Unternehmens gegenüber "Spiegel Online" bestätigte.

Kein Nachweis auf Pferdefleisch

Demnach wurde die Lasagne bereits am Mittwoch vergangener Woche aus dem Handel genommen, und zwar laut Sprecherin "aus Gründen des vorsorgenden Verbraucherschutzes". Bislang liege kein Nachweis vor, dass Pferdefleisch verarbeitet sein könnte.

Der Discounter Aldi, der in Großbritannien angegeben hatte, zwei Fertigprodukte eines französischen Herstellers hätten zu 30 bis 100 Prozent aus Pferdefleisch bestanden, versicherte nach Angaben des NRW-Verbraucherschutzministeriums, dass solche Produkte nicht nach Deutschland importiert worden sind.

Derweil wird europaweit nach den Verantwortlichen im sogenannten Pferdefleisch-Skandal gesucht. Mehrere Unternehmen und Länder weisen sich gegenseitig die Schuld zu. Behörden in Frankreich und anderen EU-Staaten wissen bisher nicht, seit wann und in welchem Umfang der Betrug mit Pferdefleisch läuft. Rumänien fühlt sich an den Pranger gestellt.

Erste Spuren führen nach Frankreich

Der britische Umweltminister Owen Paterson sprach von einer "weitreichenden kriminellen Verschwörung". Der Skandal scheine weite Teile Europas einzuschließen. Vor rund einem Monat wurden Pferdefleisch-Spuren in Hamburgern gefunden, die in Großbritannien und Irland in Supermärkten verkauft wurden.

Vergangene Woche zeigten Tests, dass auch Rindfleisch-Lasagne bis zu 100 Prozent Pferdefleisch enthielt. Erste Spuren führten zu französischen Produzenten, die Fleisch unter anderem aus Rumänien beziehen.

Frankreichs Präsident François Hollande kündigte Sanktionen gegen möglicherweise betrügerisch arbeitende Firmen an. Es könne auch strafrechtliche Konsequenzen geben, sagte er. Ermittler kontrollierten die Firmen Comigel in Metz und Spanghero in Castelnaudary.

Der Hersteller Comigel, der auch Fleisch aus Rumänien bezieht, prüft rechtliche Schritte gegen Lieferanten. Beide Firmen sehen sich als Opfer des Skandals.

Rumänien sieht sich an den Pranger gestellt

Rumäniens Ministerpräsident Victor Ponta sagte, sein Land dürfe "nicht als Verdächtiger vom Dienst behandelt werden" und "an den Pranger gestellt werden", weil jemand in Frankreich die Daten über die Herkunft verändert habe. Tests hätten ergeben, dass keine rumänische Firma und auch keine ausländische auf rumänischem Gebiet EU-Regeln gebrochen habe.

Der Leiter der luxemburgischen Veterinärinspektion, Felix Wildschütz, sagte, die Firma Tavola aus Capellen (Luxemburg) habe das Pferdefleisch verarbeitet. Nach ersten Feststellungen seiner Behörden kämen etwa 20 Tonnen infrage. Tavola sei jedoch Opfer eines Betruges geworden: "Das Unternehmen hat Rindfleisch bestellt. Und es hat gefrorene Fleischblöcke erhalten, die als Rindfleisch gekennzeichnet waren."

Das Unternehmen stellte mit dem Fleisch unter anderem Lasagne- und Moussaka-Fertiggerichte her, die unter dem Namen großer Marken in den Handel kamen. Tavola produzierte im Auftrag von Comigel. Diese Firma wiederum habe das Fleisch bei dem Importeur Spanghero gekauft.

Greenpeace kritisiert Warenströme

Spanghero erklärte, man habe in Rumänien tiefgefrorenes Rindfleisch bestellt und die so deklarierte Ware ohne Veränderungen an Tavola geliefert. Wildschütz sagte, das Fleisch sei offenbar über zyprische Zwischenhändler in Rumänien bestellt und über einen Zwischenhändler in den Niederlanden an Spanghero geliefert worden.

Die rumänische Polizei leitete Ermittlungen zu einem möglichen Etikettenschwindel ein. Verdächtig sind zwei Schlachthöfe nahe der nordostrumänischen Stadt Suceava. Beide Betriebe haben Genehmigungen zum Schlachten von Pferden.

Einer von ihnen exportierte offiziell Pferdefleisch nach Italien und Bulgarien. Der zweite Betrieb habe keine Pferde geschlachtet, obwohl die Genehmigung dazu vorlag.

Die Organisation Greenpeace teilte mit, der Skandal zeige, "wie unübersichtlich die europäischen Warenströme für Lebensmittel inzwischen sind". Damit Produkte auch enthielten, was auf der Verpackung stehe, müsse es "klare Herkunftsangaben" geben.

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