11.02.13

Lebensmittelskandal

Warum Pferdefleisch gefährlich sein kann

Ob in Lasagne oder Hamburgern: Der Skandal um als Rind deklariertes Pferdefleisch weitet sich immer mehr aus. Tausende Menschen haben das Fleisch ahnungslos gegessen – das birgt eine gewisse Gefahr.

Foto: pa/dpa/Maxppp

Nach Angaben der britischen Lebensmittelaufsicht FSA enthielten Lasagne-Packungen und andere Fertiggerichte der Firma Findus bis zu 100 Prozent Pferdefleisch. Wie viele Menschen die Produkte konsumiert haben, ist unklar – es dürften aber Tausende sein
Nach Angaben der britischen Lebensmittelaufsicht FSA enthielten Lasagne-Packungen und andere Fertiggerichte der Firma Findus bis zu 100 Prozent Pferdefleisch. Wie viele Menschen die Produkte konsumiert haben, ist unklar – es dürften aber Tausende sein

Pferdefleisch in Tiefkühlgerichten hat in der vergangenen Woche für Aufregung gesorgt. In Lasagne, Hamburgern und anderen Fertigprodukten war statt Rindfleisch Pferdefleisch gefunden worden. Zum Teil war sogar nur Pferdefleisch im Burger. Bislang sind solche "Pferdeburger" zwar noch nicht in Deutschland aufgetaucht, dafür aber in Großbritannien, Spanien und Schweden. Doch warum die Aufregung? Nur, weil das Pferd – nach dem Hund – des Menschen zweitbester Freund ist?

Vielleicht. Doch die Gesundheitsbehörden sind erfahrungsgemäß weniger sentimental. Sie sorgen sich, weil von Pferdefleisch, zumal, wenn es nicht als solches etikettiert in den Handel gelangt, eine gewisse Gefahr ausgeht.

Denn viele Tiere dürfen mit Medikamenten behandelt werden, mit denen Menschen nicht behandelt werden. Im Fall der Pferde ist das zum Beispiel der Wirkstoff Phenylbutazon. Er sollte, nach den Richtlinien der internationalen Dachorganisation für den Pferdesport (International Federation of Equestrian Sports, FEI), bei Pferden nur auf Rezept verschrieben werden.

Es hilft gegen Schmerzen und Fieber – und wird entsprechend häufig bei Hochleistungspferden im Rennsport häufig eingesetzt. Zudem hat es allerdings auch den Ruf eines Dopingmittels. Sein Einsatz im Pferdesport sollte bereits verboten werden – doch die Entscheidung über ein solches Verbot wurde vertagt.

Wirkstoff kann schwere Nebenwirkungen hervorrufen

Bei Menschen ist der Wirkstoff nur in Ausnahmefällen in der EU zugelassen, um schwere Schmerzen zu behandeln, etwa bei Morbus Bechterew oder Chronische Arthritis. Doch es kann schwere Nebenwirkungen hervorrufen: Magenentzündungen oder sogar –blutungen. In sehr seltenen Fällen kann es sogar eine Aplastische Anämie auslösen, die tödlich verlaufen kann.

Phenylbutazon aber hat die unangenehme Eigenschaft, dass es sich im Körper anreichern kann. Und, dass es zwar in der EU bei Pferden, die für die Fleischproduktion vorgesehen sind, verboten ist – dass dies aber nicht für andere Länder gilt. Aus den USA, aus Kanada und Mexiko werden jährlich tausende Tonnen Pferdefleisch in die EU importiert.

Normalerweise müssen alle Fleischlieferungen genaue Nachweise darüber führen, dass die geschlachteten Pferde niemals mit Phenylbutazon behandelt wurden. Jedes Pferd – und damit auch sein Fleisch - bekommt einen "Medikamentenpass".

Rennpferde werden oft mit Medikamenten behandelt

Aber in anderen Ländern landen auch Pferde, die ursprünglich im Reitsport aktiv waren, also nicht von vorneherein als Fleischlieferanten gehalten wurden, beim Metzger. Und nun sieht so aus, dass manche Pferde zu "Rindfleisch" verarbeitet wurden. Ob es Pferde aus dem Spitzensport waren oder nicht, ist bislang völlig unklar.

Klar ist aber, dass nicht jedes Kilogramm Fleisch, das über die Grenzen in die EU kommt, ohne einen besonderen Verdacht getestet werden kann. Vergangenes Jahr hatte sich die EU darüber besorgt gezeigt, dass die Medikamentenpässe bei Pferdefleisch aus Mexiko nicht immer einwandfrei seien.

Wer Pferdefleisch isst, sollte sich der möglichen Belastung des Fleisches mit Phenylbutazon also bewusst sein. Wenn nun aber auch Pferdefleisch als "Rindfleisch" auf dem Markt kommt (und in den Proben in Großbritannien bestanden manche "Rindfleischprodukte" zu bis zu 100 Prozent aus Pferd), so kann sich der Verbraucher nicht schützen.

Das Gute im Schlechten des aktuellen Pferdefleischskandals ist, das in Deutschland kaum jemand Pferdefleisch isst. Im Schnitt sind es 50 Gramm pro Jahr und Person – und die meisten Menschen werden nicht einmal auf diese 50 Gramm kommen. In anderen Ländern aber ist dies anders.

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