08.02.13

Autohersteller

Jetzt soll der französische Staat Peugeot retten

Der französische Autohersteller PSA Peugeot Citroën muss Milliarden abschreiben. Eine Staatsbeteiligung stehe nicht auf der Tagesordnung, sagt Paris – doch nur, weil PSA noch nicht darum gebeten habe.

Foto: AFP

Proteste gegen Stellenabbau bei Peugeot in der Nähe von Paris
Proteste gegen Stellenabbau bei Peugeot in der Nähe von Paris

Nach der Bekanntgabe von milliardenschweren Abschreibungen gibt es neue Spekulationen über die Zukunft des angeschlagenen französischen Autobauer PSA Peugeot Citroën. Zusätzlich angeheizt wurden sie durch widersprüchliche Aussagen der französischen Regierung über einen möglichen Einstieg des Staates bei dem Konzern.

Haushaltsminister Jérôme Cahuzac hatte im Radio zunächst erklärt, eine Staatsbeteiligung sei möglich. Später dementierte erst das Wirtschaftsministerium, dann Premierminister Jean-Marc Ayrault. "Eine Beteiligung am Kapital dieses Unternehmens steht nicht auf der Tagesordnung, weil PSA nicht darum gebeten hat", sagte er. Aber es müsse alles getan werden, um den Konzern zu retten, fügte Ayrault an.

Der kriselnde Autobauer hatte kurz zuvor verkündet, er müsse Abschreibungen in Höhe von insgesamt 4,1 Milliarden Euro vornehmen. Neue Bilanzierungsregeln und die schwindende Aussicht auf eine baldige Erholung des europäischen Automobilmarktes hätten das Unternehmen veranlasst, den Buchwert seiner Werke und anderer Anlagen um ein Drittel zu reduzieren. Die Wertberichtigungen hätten jedoch keinerlei Auswirkungen auf die Stabilität und Zahlungsfähigkeit des Unternehmens, betonte PSA.

Schuldenkrise trifft Peugeot hart

Doch die Abschreibungen müssen auf das Nettoergebnis angerechnet werden, so dass der Automobilkonzern bei der Vorlage seiner Jahresbilanz am kommenden Mittwoch einen Rekordverlust von rund fünf Milliarden Euro bekannt geben dürfte. Branchenexperten waren bisher davon ausgegangen, dass PSA 2012 einen Verlust von 1,4 bis 1,5 Milliarden Euro verbucht hat.

Die Schuldenkrise in Europa hat den nach Volkswagen zweitgrößten Autobauer Europas stark getroffen, da er im Gegensatz zu seinem heimischen Konkurrenten Renault international weniger gut aufgestellt ist. So macht PSA noch immer 62 Prozent seines Umsatzes in Europa und ist stark in südeuropäischen Krisenländern vertreten.

Der weltweite Absatz von PSA brach 2012 um 16,5 Prozent auf 2,97 Millionen Fahrzeuge ein. Der Konzern will 8000 Stellen in Frankreich streichen und 2014 ein Werk bei Paris schließen.

Probleme bei der Finanzierung

Nach Bekanntwerden der Abschreibungen berichtete die linksliberale Tageszeitung "Libération", die französische Regierung denke darüber nach, PSA zu Hilfe zu eilen. Dagegen hält er 15 Prozent an dessen Wettbewerber Renault. Doch die Regierung musste PSA bereits Ende letzten Jahres beispringen und Garantien für die konzerneigene Autobank Banque PSA Finance übernehmen.

Nachdem Ratingagenturen die Kreditwürdigkeitsnote des Autobauers gesenkt hatten, wurde es für die Finanzsparte von PSA immer schwieriger, sich an den Märkten zu finanzieren, da sie keine Einlagen sammelt.

Im Gegenzug für die Garantien hatte sich der Staat mehr Einflussrechte bei PSA gesichert. Er gründete ein Kontrollgremium, das Situation und Perspektiven des von der Familie Peugeot kontrollierten Konzerns und ihres Finanzarms beobachten soll. Das Gremium soll jede wichtige Entscheidung absegnen.

© Berliner Morgenpost 2013 - Alle Rechte vorbehalten
Die Favoriten unseres Homepage-Teams

BVG-Tarifverhandlungen stehen vor einer kritischen Runde
13:43Kritische Tarifrunde
Bei der BVG laufen bereits Vorbereitungen für einen Streik

In Berlin drohen neue Streiks im Nahverkehr. Am Dienstag treffen sich die Gewerkschaft und die BVG-Arbeitgeberseite, um über noch einmal über den Tarifvertrag zu beraten, Streikvorbereitungen laufen. mehr...


Der BER war vor allem wegen Mängeln beim Brandschutz nicht gestartet - die zuständige Behörde hatte die Genehmigung der Anlage verweigert
13:07Brandschutzanlage
Am BER startet das erste Umbauprojekt seit Mehdorns Antritt

Wann der BER eröffnet, ist noch immer völlig unklar. Nun soll zumindest ein großes Manko beseitigt werden: Die Sprinkleranlage wird umgebaut, statt einer zentralen soll es drei separate Anlagen geben. mehr...


Kupferklau an Bahnschienen: Die Polizei kontrolliert einen Abschnitt in Marzahn
15:55Kriminalität
Metalldiebstahl – Kampf gegen die Wilderer der Großstadt

Erdungskabel, Grabplaketten: Vor Metalldieben ist nichts sicher. Die Deutsche Bahn registrierte 2012 Schäden von 17 Millionen Euro. Die Polizei fahndet mit modernster Technik. Wir haben sie begleitet. mehr...


2011 hatten sich noch alle lieb - Berlins Piraten nach ihrem Einzug ins Abgeordnetenhaus
14:29Abgeordnetenhaus
Neuer Krach bringt Berliner Piraten vor eine Zerreißprobe

Fraktionschef Lauer beschuldigt Parteifreunde, Gerüchte gegen ihn zu streuen. Er droht dem oder der Schuldigen mit Rauswurf. Susanne Graf, die einzige Frau der Fraktion, wirft ihm "Angstmache" vor. mehr...

Leser-Kommentare Kommentare
Leserkommentare sind ausgeblendet.
Kommentare einblenden
Die Technik der Kommentarfunktion "DISQUS" wird von einem externen Unternehmen, der Big Head Labs, Inc., San Francisco/USA., zur Verfügung gestellt. Weitere Informationen, insbesondere darüber, ob und wie personenbezogene Daten erhoben und verarbeitet werden, finden Sie in unseren Datenschutzbestimmungen

Die Moderation der Kommentare liegt allein bei MORGENPOST ONLINE.
Allgemein gilt: Kritische Kommentare und Diskussionen sind willkommen, Beschimpfungen / Beleidigungen hingegen werden entfernt. Wie wir moderieren, erklären wir in der Netiquette.
blog comments powered by Disqus
 
Deutsche und französische Wirtschaft
  • WETTBEWERBSFÄHIGKEIT

    Frankreich: In Sachen Wettbewerbsfähigkeit rutschte Frankreich 2012 im Standortvergleich des World Economic Forum um drei Ränge auf den 21. Platz ab. Die kleineren Nachbarn Niederlande (5.) und Belgien (17.) liegen noch vor der „Grande Nation“. Zwar gehört die Infrastruktur in Frankreich weiter zu den besten der Welt. Aber der Arbeitsmarkt wird als zu starr empfunden, das Steuersystem als zu wirtschaftsfeindlich: Hier belegt Frankreich nur die Ränge 111 und 128.

    Deutschland: Trotz der Euro-Krise hat Deutschland in dem globalen Standortvergleich seinen sechsten Platz behauptet und damit erstmals die USA überholt. Als Pluspunkte gelten die ausgezeichnete Infrastruktur und innovative Unternehmen, die alle Stufen der Wertschöpfung leisten können – von der Produktion bis hin zu Marketing und Vertrieb. Minuspunkte gab es dagegen für den Arbeitsmarkt, der als zu starr gilt. Kritisiert wird vor allem die mangelnde „Flexibilität der Lohnfindung“: Hier landet Deutschland auf Platz 139 von 144.

  • INDUSTRIE

    Frankreich: Zwar kann das Nachbarland mit großen Unternehmen wie den Autobauern Renault und Peugeot Citroen oder dem Atomkonzern Areva aufwarten. Allerdings fehlt es an einem breiten und exportstarken Mittelstand, der die Absatzkrise in der Euro-Zone durch wachsende Geschäfte in Asien und anderen Boomregionen ausgleichen kann. Die Industrie ist deshalb auf dem Rückzug: Sie trägt nur noch 12,6 Prozent zur Bruttowertschöpfung bei.

    Deutschland: Hierzulande haben viele „hidden champions“ ihre Heimat – also unbekannte mittelständische Unternehmen, die Nischen besetzt haben und mit ihren Produkten zu den Weltmarktführern gehören. Die Industrie erlebt in Deutschland eine Renaissance, weil diese Firmen in den Boomregionen aktiv sind. Ihr Anteil an der Bruttowertschöpfung kletterte 2011 auf 26,2 Prozent, während er zwischen 2000 und 2010 im Schnitt nur 25,1 Prozent betrug.

  • RATING

    Frankreich: Mit Fitch stuft nur noch eine der drei großen Ratingagenturen die Bonität mit der Bestnote AAA ein. Standard & Poor's entzog Frankreich das Spitzenrating vor einem Jahr und droht mit einer weiteren Herabstufung. Moody's zog im November nach.

    Deutschland: Von allen großen Ratingagenturen wird Deutschland mit AAA bewertet. Der Staatshaushalt wies 2012 trotz Konjunkturflaute erstmals seit fünf Jahren wieder einen Überschuss aus.

  • WACHSTUM

    Frankreich: Die Wirtschaft wächst nicht mehr. Von Reuters befragte Ökonomen sagen der zweitgrößten Volkswirtschaft der Euro-Zone in diesem Jahr eine Stagnation voraus. Grund dafür ist der Konsum: Er dürfte sowohl in diesem als auch im kommenden Jahr angesichts der hohen Arbeitslosigkeit stagnieren. 2014 soll ein Wirtschaftswachstum von 0,9 Prozent folgen.

    Deutschland: 0,6 Prozent Wachstum sagen die Ökonomen für 2013 voraus. Garant dafür ist der private Konsum. Er soll wegen der Rekordbeschäftigung und spürbarer Lohnzuwächse kräftiger wachsen als 2012. Für das kommende Jahr rechnen die Experten mit einem Wirtschaftswachstum von 1,7 Prozent.

  • SCHULDEN

    Frankreich: Frühestens 2015 wird Frankreich nach Einschätzung der EU-Kommission die EU-Grenze für die Neuverschuldung von drei Prozent des Bruttoinlandsproduktes wieder einhalten. Demnach wird das Defizit 2013 und 2014 bei jeweils 3,5 Prozent liegen. Der Schuldenberg soll in diesem Jahr auf 93,8 Prozent der Wirtschaftsleistung anschwellen.

    Deutschland: Bereits 2012 wurde ein Überschuss von 0,1 Prozent der Wirtschaftsleistung erzielt – dank des Steuerbooms und der Rekordbeschäftigung. Bis 2014 soll der Schuldenstand nach Prognose der EU-Kommission auf 78,4 Prozent des Bruttoinlandsproduktes fallen.

    Quellen: Thomson Reuters, Statistisches Bundesamt, EU-Kommission, Institut der deutschen Wirtschaft Köln

  • ARBEITSKOSTEN

    Frankreich: 34,20 Euro kostete 2011 eine Arbeitsstunde in der französischen Privatwirtschaft im Schnitt, in der Industrie sind es sogar 35,91 Euro. Damit ist in der EU Arbeit nur in Belgien, Schweden und Dänemark noch teurer.

    Deutschland: Im Schnitt kostete im Referenzjahr eine Stunde Arbeit in der deutschen Privatwirtschaft 30,10 Euro – das ist der siebthöchste Wert der 27 EU-Mitglieder. Der Euro-Zonen-Schnitt liegt bei 27,70 Euro. In der im internationalen Wettbewerb stehenden Industrie liegen die Arbeitskosten bei 35,66 Euro pro Stunde.

Top-Thema
title
Start-ups in Berlin

Gründerzeit: Die Serie und das Blog der Berliner Morgenpost.

Video Nachrichten mehr
Umzug Karneval der Kulturen 2013 - Berlin ist bunt
Unwetter Starke Tornados verwüsten vier US-Bundesstaaten
Der Futiklub Absolutely Ferguson
Zeit für Neues Beckham beendet seine aktive Fußballkarriere
Die Welt - Aktuelle News
  1. 1. GeldanlageEdelmetalleDeal in Asien löst Silber-Crash aus
  2. 2. Wirtschaft1:12-InitiativeManager-Höchstlohn würde die Schweiz arm machen
  3. 3. WirtschaftFrankreichReiche zahlen mehr Steuern als sie verdienen
  4. 4. DeutschlandStraßengebührPkw-Maut könnte eine halbe Milliarde Euro einbringen
  5. 5. AuslandStreit um NachlassTöchter verklagen schwer kranken Nelson Mandela
 
tb_airberlin.gif
airberlin - Destination…

airberlin baut die Verbindungen nach Polen aus. Erfahren…mehr

tb_Erste-Adressen.jpg
Berlins Erste Adressen

Eine Initiative der Berliner Kaufleute und der Berliner…mehr

Top Bildershows mehr
Jeden Tag

Kopfnoten für Politiker, Manager und Prominente

Willkommen in Berlin

Hurra, ich bin da! Das sind Berlins süße Babys

Fotogalerie

Das sind die Berliner Bilder des Tages

Zweite Liga

Die Aufstiegsfeier von Hertha

 
In eigener Sache
Weitere Morgenpost Angebote