08.02.13

Kartellamt

Gebühren am Bankautomat noch immer zu hoch

Sparkassen verlangen bei Fremdabhebungen 4,26 Euro, Genossenschaftsbanken 3,90 Euro. Bei einigen Girokonten können Verbraucher per Kreditkarte an allen Automaten ohne Aufschlag Geld ziehen.

Foto: Infografik Die Welt

Verteilung der Geldautomaten in Deutschland
Verteilung der Geldautomaten in Deutschland

Wer bei einer anderen Bank als seiner eigenen Geld zieht, muss mitunter tief in die Tasche greifen. Nach einer aktuellen Auswertung des Bundeskartellamtes verlangen Sparkassen von Fremdkunden im Durchschnitt 4,26 Euro pro Abhebung, bei Genossenschaftsbanken sind es durchschnittlich 3,90 Euro.

Private Institute, wie Deutsche Bank und Commerzbank, berechnen bereits seit zwei Jahren Kunden anderer Institute einheitlich 1,95 Euro.

Die Zahlen stammen aus der Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage der SPD-Fraktion. Darin macht sie deutlich, dass die Gebühren weiter sinken müssen. "Aus Sicht der Bundesregierung zeigt die von den privaten Banken eingeführte Obergrenze von 1,95 Euro, dass es in einer Vielzahl der institutsfremden Bargeldabhebungen möglich ist, wesentlich geringere Entgelte zu erheben", heißt es in der Drucksache.

Eine gesetzliche Obergrenze, wie sie nun von der SPD wieder ins Spiel gebracht wird, lehnt die Regierung allerdings ab.

Mondpreise finden sich nicht mehr

Dabei wird darauf verwiesen, dass es in den vergangenen zwei Jahren bereits viel Bewegung bei den Automatengebühren gab. Mondpreise von zehn Euro und mehr, die einige Häuser noch Anfang 2011 verlangten, sind nicht mehr zu finden. Heute gehören schon Gebühren von rund sechs Euro, wie sie vor allem von einigen Sparkassen noch verlangt werden, zu den Spitzenwerten.

Seit dem 15. Januar 2011 erfährt der Kunde nicht erst auf seinem Kontoauszug, sondern direkt am Automaten die Höhe der Gebühr. Er kann selbst entscheiden, ob er zahlen will oder den Vorgang abbricht und zu einem anderen Automaten geht. Stimmt er zu, wird ihm der Betrag direkt abgebucht. In der Vergangenheit wurden die Gebühren zunächst zwischen den Banken verrechnet.

Umstritten ist, ob die neuen Transparenzvorschriften oder nicht doch eher der Druck des Bundeskartellamtes für den Sinneswandel bei einigen Häusern gesorgt hat. Seit die Bonner Behörde bereits im April 2011 genauere Untersuchungen ankündigte, purzelten die Abhebegebühren. Wobei der Abwärtstrend zuletzt zum Erliegen kam, wie eine Mitte Januar vorgestellte Untersuchung des Datenanbieters Biallo zeigt.

Regierung gegen gesetzliche Obergrenze

Auch wenn die Bundesregierung eine gesetzliche Obergrenze ablehnt, können die Banken das Thema Automatengebühren noch nicht abhaken. "Ob bezüglich der Fremdabhebung an Geldautomaten Kartellrechtsverstöße vorliegen, wird derzeit noch vom Bundeskartellamt geprüft", heißt es in der Antwort der Bundesregierung.

So muss geprüft werden, ob einzelne Häuser oder eine Gruppe von Instituten eine marktbeherrschende Stellung ausnutzen und die Preise am Automaten quasi diktieren. Dies ist seit langem ein Vorwurf der Kritiker: Gerade in ländlichen Regionen hätten Kunden oft keine Ausweichmöglichkeit und müssten dann die überhöhten Gebühren zahlen.

Bei den Sparkassen wehrt man sich gegen diesen Vorwurf. "Es gibt kein Gesetz in Deutschland, das es anderen verbietet, Geldautomaten aufzustellen", heißt es beim Deutschen Sparkassen- und Giroverband (DSGV). Die privaten Banken, die in der Fläche häufig unterrepräsentiert sind, seien aufgefordert, ihre Infrastruktur zu verbessern.

Genossenschaftsbanken wehren sich gegen Vorwürfe

Bei den Genossenschaftsbanken, die das zweitgrößte Automatennetz unterhalten, argumentiert man ähnlich. "Eine flächendeckendes Geldautomatennetz zu betreiben, zu warten und sogar weiter auszubauen, ist mit beträchtlichen Kosten verbunden", so der Bundesverband der Volks- und Raiffeisenbanken (BVR).

Daher hält man dort auch eine andere Zahl des Bundeskartellamtes, die nun bekannt wurde, für wenig aussagekräftig: Die Bundesregierung verweist darauf, dass Sparkassen und Genossenschaftsbanken innerhalb eines Jahres durch Fremdabhebungen 389 Millionen Euro kassiert hätten. "Wer hier von Einnahmen spricht, blendet die immensen Kosten, die hinter dem Automatennetz stecken, komplett aus", so der BVR.

Allerdings ist umstritten, welcher Anteil der Kosten auf die eigenen Kunden und welcher auf die Fremdkunden umgelegt wird - und wie hoch die Kosten überhaupt sind. Weder Sparkassen noch Genossenschaftsbanken haben dazu bislang eine Kalkulation vorgelegt.

Online-Banken weichen auf Kreditkarten aus

Vertreter privater Banken gehen von 60 bis 80 Cent pro Transaktion aus. Der DSGV hält die genannten Erträge von 389 Millionen Euro grundsätzlich für falsch. Dies würde rechnerisch ein viel zu hohes Durchschnittsentgelt von 14 Euro pro Transaktion bedeuten, so der Verband.

Einige Direktbanken versuchen, den Streit um die Gebühren für ihr eigenes Geschäft zu nutzen. Sie bieten mit ihren Girokonten bereits seit längerem all jenen Kunden einen Ausweg, die sich nicht immer wieder die Frage stellen wollen, wo der nächste Automat aus dem eigenen Netzwerk steht und wo sie damit um Extra-Gebühren herum kommen.

Das Angebot der Online-Banken: Per Kreditkarte können sich Verbraucher bundesweit an fast allen Geräten ohne Zuschlag bedienen. Wobei je nach Institut für das Konto ein Mindestgehaltseingang erforderlich sein kann, zudem berechnen einige Häuser eine Jahresgebühr für die Kreditkarte. Mit der DAB Bank und ihrem neuen Girokonto hat sich das Feld der Null-Euro-Anbieter in dieser Woche erweitert.

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