08.02.13

Optimierungsprogramm

Stahlkonzern ThyssenKrupp streicht 2000 Stellen

ThyssenKrupp baut seine Stahlsparte komplett um, rund 2000 Mitarbeiter werden ihre Jobs verlieren. Und das könnte noch lange nicht das Ende des sogenannten "Optimierungsprogramms" sein.

Optimierungsprogramm nennt ThyssenKrupp seine aktuellen Pläne für die europäische Stahlsparte. Eine freundliche Formulierung, dahinter allerdings verbergen sich Stellenstreichungen und der mögliche Verkauf von Teilbereichen. Rund 2000 der insgesamt 27.600 Arbeitsplätze sollen bei Steel Europe in den kommenden zwei Jahren wegfallen, meldet der Dax-Konzern.

Darüber hinaus könne sich die Mitarbeiterzahl durch Verkäufe um weitere 1800 reduzieren. In Summe will Deutschlands größter Stahlhersteller dadurch bis zum Geschäftsjahr 2014/2015 rund 500 Millionen Euro einsparen. "Das Programm ist ein erster Schritt, um die Position der europäischen Stahlgeschäfte in einem schwierigen Wettbewerbsumfeld zu verbessern", heißt es zur Begründung.

Tatsächlich steckt die europäische Stahlindustrie in der Krise. 2012 ist die Nachfrage auf dem Kontinent um fast neun Prozent gesunken. Und die Ratingagentur Standard&Poor's rechnet in einer aktuellen Studie auch für 2013 mit einer erneut schwachen Geschäftsentwicklung. Die Analysten drohen daher bereits mit einer Abstufung des Ratings.

Komplettverkauf ist nicht geplant

Zumal ThyssenKrupp im europäischen Stahlgeschäft mit einer Marge von 2,2 Prozent zuletzt nicht mal die Kapitalkosten verdient hat. Ein Komplettverkauf der schwächelnden Konzernsparte ist laut Vorstandschef Heinrich Hiesinger aber nicht geplant. Das hatte er jüngst auf der Hautversammlung Ende Januar deutlich gemacht. "Wir wollen einen Weg finden, um Steel Europe erfolgreich weiterzuführen."

Das erste Ergebnis sind die nun präsentierten Sparpläne. In den kommenden Wochen soll darüber mit den Arbeitnehmervertretern gesprochen werden. Die IG Metall, die bei ThyssenKrupp traditionell großen Einfluss ausübt, hat dafür bereits ihre Forderungen formuliert. "Niemand bei ThyssenKrupp darf arbeitslos werden", sagte Knut Giesler, der nordrhein-westfälische Landeschef der Gewerkschaft. Der Stellenabbau müsse ohne betriebsbedingte Kündigungen vollzogen werden. Gleichzeitig forderte Giesler "Investitionen in eine nachhaltige Stahlstrategie am Standort Deutschland".

Die Stahlsparte könnte nicht der einzige Konzernbereich von ThyssenKrupp sein, in dem Stellen abgebaut werden. Denn der Traditionskonzern aus Essen arbeitet derzeit an einer neuen Organisationsstruktur. In den vergangenen Jahren sei ein Unternehmen entstanden, das nicht bezahlbar sei und an vielen Stellen nicht gut funktioniere, hatte Hiesinger zu Wochenbeginn auf einer Betriebsversammlung gesagt – und Stellenkürzungen nicht ausgeschlossen.

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