08.02.13

Arbeitsklima

Mit Humor und Witzen ist im Büro nicht zu spaßen

Humor im Büro sorgt für gute Stimmung. Doch wenn Mitarbeiter ständig Witze reißen, verscherzen sie es sich auch leicht mit den Kollegen. Manche Witze verkneifen sie sich am besten von Anfang an.

Von Kai Kürpick
Foto: Getty Images/the Agency Collection
Nicht alle Kollegen finden alles komisch. Humor ist oft auch Geschmackssache
Nicht alle Kollegen finden alles komisch. Humor ist oft auch Geschmackssache

"Wer lacht, hat noch Reserven." Jedes Mal, wenn der Chef diesen Witz reißt, dürften die meisten Mitarbeiter nur noch müde lächeln. Denn was beim ersten Mal noch lustig war, nervt irgendwann nur noch. Doch von mäßigen Boss-Witzen abgesehen – Humor im Büro kann auch funktionieren. Im besten Fall fördert er die Kreativität im Team, baut Stress ab und löst angespannte Situationen auf.

Humor funktioniert in erster Linie über Perspektivwechsel, sagt Katrin Hansmeier vom Deutschen Institut für Humor. Dinge einmal anders tun als gewohnt, unlogisch denken und damit überraschen – das bringt uns zum Lachen. Gelingt das, kann es ein Team durchaus inspirieren. Und noch mehr: Wer miteinander lachen kann, der harmoniert.

Doch nicht jeder Witz kommt gleich gut an. Humor im Job sollte immer empathisch eingesetzt werden, sagt Hansmeier. Eine Grundregel sei: "Lasse dein Gegenüber gut dastehen." Wenn ein guter Draht besteht, könne auch mal eine Situation oder ein Verhalten des Kollegen liebevoll überhöht werden.

Manche finden es etwa lustig, den anderen dann als "Held der Arbeit" oder "mein Ritter" zu bezeichnen. "Wenn ich auf einer Wellenlänge mit meinem Gegenüber bin, funktioniert das wunderbar."

Vorsicht vor Sprüchen und Zoten

Die Gefahr, dass Humor überhaupt nicht funktioniert, bestehe dagegen bei Sprüchen oder Zoten. Das gilt zumindest, wenn sich die Kollegen noch nicht gut kennen. Dann sollten Mitarbeiter genau überlegen, was der andere mag und was ihn zum Lachen bringt. Im Zweifel sei es dabei besser, sich auf die Zunge zu beißen, sagt Karriereberater René Gabriel. Denn sonst sei im Büro schnell dicke Luft.

Späße über persönliche Merkmale der Kollegen wie rote Haare oder Übergewicht gehen gar nicht. Denn Büro-Fieslinge wie der Serienstar Stromberg seien zwar im Fernsehen lustig, sagt Gabriel. In der Realität kann es jedoch die Hölle sein, mit solchen Sprücheklopfern zusammenzuarbeiten.

Mit abwertenden Sprüchen landen Berufstätige schnell im Fettnapf, glaubt auch Humor-Expertin Hansmeier. Sie empfiehlt, mit Sarkasmus, Spott und Zynismus sparsam umzugehen. Völlig tabu sind Anzüglichkeiten, warnt Humorcoach Margit Hertlein.

Bei Scherzen sollte immer spürbar sein, dass der Humor von einer freundlichen Grundhaltung getragen ist und nicht unter die Gürtellinie geht, sagt Werner Schienle von CCC Creative Communication Consult in Stuttgart.

Mancher ist schnell beleidigt

Soweit also die Theorie: Doch was macht ein Mitarbeiter, wenn der Kollege sich zum wiederholten Mal über ihn lustig macht? Am besten ist es, den Büronachbarn darauf hinzuweisen, sagt Schienle. Denn wer schweigt, laufe Gefahr, bald wieder zur Zielscheibe des Spotts zu werden. Und wenn man sich selbst einen Spruch lieber einmal verkniffen hätte? Dann sei es am besten, sich kurz beim Gegenüber zu entschuldigen.

Ansonsten gilt: Im Geschäftsalltag ist es oft besser, von Zeit zu Zeit lieber auf einen Witz zu verzichten. "Lustige Bilder in wichtigen Präsentationen wirken im Zweifel eher unseriös", sagt Margit Hertlein. Spaß-E-Mails seien zwar nett gemeint, aber oft ein Zeitkiller und nervig für den Arbeitsablauf. Dasselbe gilt Gabriel zufolge für E-Mail-Links auf lustige Videos im Web.

Klingt total nach Spaßbremse und langweiligem Alltag? Bei Humor kommt es eben vor allem auf den Kontext an. Das gilt etwa für den Spruch "Hast du heute einen halben Tag Urlaub?", wenn jemand unter der Woche einmal früher in den Feierabend geht.

Dem einen friert die Miene ein und er ist beleidigt, weil er es als Kritik oder indirekten Hinweis für Faulheit versteht, sagt Schienle. Der andere fängt an zu lachen und winkt dem Kollegen zum Abschied fröhlich zu. Ein- und derselbe Scherz kommt eben oft völlig anders an.

Quelle: dapd
26.01.13 0:45 min.
Lachen ist gesund - und das stimmt wirklich. Es lockert die Muskeln, befreit Gefühle und setzt Glückshormone frei. Ärzte haben in Studien herausgefunden, dass Lachen auch die Immunabwehr stärkt.
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  • Evolutionsbiologie

    Weltweit untersuchen rund 200 Gelotologen, was beim Lachen passiert. Lachen sei eine soziale Interaktion, eine intensive, häufig unbewusste Form der Kommunikation. Evolutionsbiologen gehen davon aus, dass das Lachen, das im Gehirn im sehr alten limbischen System verankert ist, für den Urmenschen überlebensnotwendig war. Vor allem die Mimik und das Lachgeräusch sind Gegenstand der Forschung.

  • Vielschichtige Prozesse

    Mehr als 100 Muskeln sind beim Lachen beteiligt: „Von der Gesichts-, Hals-, Atemmuskulatur bis zur Zwischenrippenmuskulatur“, so der Humanbiologe Prof. Carsten Niemitz von der Freien Universität Berlin. Allein im Gesicht steuern 40 Muskeln die Mimik. Je intensiver das Lachen, desto mehr Muskeln werden von oben nach unten bewegt. Niemitz fand heraus, dass ein Lächeln die Atmung, die Stimmmelodie und den Sprachrhythmus ändert. Das erklärt, dass Telefonierende intuitiv erfassen, ob ihr Gesprächspartner lächelt. Lachen kann nach einer Studie möglicherweise vor Schmerzen schützen. Das Lachen könnte Endorphine freisetzen und die Reizschwelle erhöhen.

  • Literatur-Tipps

    Erfolg lacht. Humor als Erfolgsstrategie von Jumi Vogler: Gabal-Verlag, 19,90 Euro.

    Erst der Spaß, dann das Vergnügen. Mit einem Lachen zum Erfolg von Roman Szeliga: Kösel-Verlag, 17,90 Euro.

    Die Humor-Strategie – Auf verblüffende Art Konflikte lösen vom Autorenteam Michael Titze und Inge Patsch: Kösel, 15,95 Euro

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