07.02.13

Zerschlagung

Hochtief-Chef löst Ängste im Baukonzern aus

Noch werden Berichte über die Zerschlagung von Deutschlands größtem Baukonzern dementiert, aber der spanische Mutterkonzern setzt Hochtief gewaltig unter Druck. Die Unruhe im Unternehmen wächst.

Foto: dpa

Eisschollen treiben vor der Baustelle der Elbphilharmonie. Hochtief garantiert die Fertigstellung für 575 Millionen Euro
Eisschollen treiben vor der Baustelle der Elbphilharmonie. Hochtief garantiert die Fertigstellung für 575 Millionen Euro

Marcelino Fernández Verdes lernt derzeit fleißig Deutsch. Schließlich ist der Spanier seit knapp drei Monaten Chef von Deutschlands größtem Baukonzern Hochtief. Erste Erfolge sind bereits verbrieft.

Das Wort "Vorstand" zum Beispiel kann der Manager schon, das hat er unlängst berichtet. Darüber hinaus dürfte mittlerweile auch das Wort "Zerschlagung" zu seinem Sprachschatz gehören. Immerhin wird Hochtief regelmäßig mit entsprechenden Gerüchten konfrontiert seit der spanische Konkurrent ACS vor rund zwei Jahren die Mehrheit am Traditionskonzern aus Essen übernommen hat. Dieser Tage ist es wieder soweit.

Die Zeitungen der WAZ-Gruppe berichten unter Berufung auf Informationen aus dem Unternehmensumfeld über Pläne von Fernández Verdes, einzelne Konzernteile zu verkaufen. Der Spanier, entsandt von Großaktionär ACS, wolle das Projektentwicklungsgeschäft und die Servicesparte von Hochtief Solutions mit zusammen gut 6000 Mitarbeitern abgeben. Hochtief allerdings dementiert.

"Es gibt keine fertigen Pläne und erst recht keine Beschlüsse", sagt ein Sprecher. Das Unternehmen arbeite derzeit an seiner künftigen Strategie und analysiere dazu alle Unternehmensteile. Diese Analyse sei aber noch nicht abgeschlossen. "Verkäufe sind heute kein Thema", versichert der Sprecher.

Details werden erst Ende Februar mitgeteilt

Ob Verkäufe ein Thema in Zukunft werden, will Fernández Verdes, der als harter, aber konzilianter und konstruktiver Verhandlungspartner gilt, auf der Bilanzpressekonferenz von Hochtief Ende Februar erläutern. "Herr Fernández Verdes wird sich dann umfassend zu allen Themen äußern", heißt es aus der Konzernzentrale. Und man werde dieser Präsentation nicht vorgreifen. Klar sei aber, dass die Devise bei Hochtief nicht lauten werde "Alles bleibt wie es ist."

Derlei Aussagen lassen trotz aller Dementis Raum für Spekulationen. Dazu ist noch im Umfeld des Konzerns zuletzt immer wieder von "Portfoliooptimierung" die Rede. Das passiere bei großen Konzernen wie Siemens, RWE und E.on auch regelmäßig. Siemens etwa hat zuletzt die fünf Milliarden Euro schwere Leuchtensparte Osram abgespalten – und niemand habe von Zerschlagung gesprochen.

Für die Hochtief-Mitarbeiter allerdings dürften es allenfalls sprachliche Feinheiten sein, ob der Konzern zerschlagen oder das Portfolio optimiert wird. Zwar sind den aktuellen Gerüchten zufolge nur rund 6000 von weltweit 76.000 Mitarbeitern betroffen.

Und auch die Umsatzgröße der zwei genannten Sparten ist mit 1,5 Milliarden Euro gering, gemessen am Gesamtumsatz von zuletzt fast 26 Milliarden Euro. Sollte es aber tatsächlich zum Verkauf kommen, könnte davon eine Signalwirkung ausgehen. "Zwar bleibt noch viel Hochtief übrig, beim zweiten Mal ist der Skrupel dann aber nicht mehr so groß", sagt ein Branchenkenner. Vielleicht sei als nächstes ein viel größerer Bereich betroffen.

Profitabilität rückt in den Vordergrund

Fest steht, dass Fernández Verdes Hochtief auf Profit trimmen will. "Meine Priorität ist es, die Profitabilität zu erhöhen und das nachhaltige Wachstum von Hochtief fortzusetzen", hatte der Spanier bei seinem Amtsantritt vor knapp drei Monaten gesagt. Dafür müsse der Konzern noch ein "hartes Stück Weg" zurücklegen.

Diese Ankündigung ruft allerdings sämtliche Kritiker auf den Plan. Denn Fernández Verdes, der ursprünglich als Vorstand für das Amerika-Geschäft kam, dann aber schnell an die Konzernspitze gerückt ist, nachdem die Eigentümer Vorgänger Frank Stieler nicht mehr wollten, gilt als enger Vertrauter von ACS-Chef Florentino Perez. Und der braucht dringend Geld. ACS steht mit dem Rücken zur Wand, heißt es in der Branche.

Gebeutelt von der anhaltenden Krise im südeuropäischen Heimatmarkt und einer Fehlspekulation bei der Beteiligung am spanischen Energiekonzern Iberdrola musste der Konzern Mitte 2012 bereits den Großteil seiner Hochtief-Aktien an die spanische Großbank BBVA verpfänden, als Sicherheit für dringend benötigte Kredite. Analysten und Aktionärsschützer rechnen daher damit, dass ACS bei Hochtief Kasse machen will.

Bislang aber gab es keine große Rendite nach der Übernahme. Zum einen blieben erwartete Milliardeneinnahmen aus, weil weder Stieler noch sein langjähriger Vorgänger und ACS-Gegner Herbert Lütkestratkötter die Flughafensparte Concessions und die Immobilientochter Aurelis zu einem angemessenen Preis verkaufen konnten.

Die Dividende ist 2011 ausgefallen

Zum anderen gab es für das Geschäftsjahr 2011 keine Dividende, weil sich Leighton, die australische Ertragsperle von Hochtief, mit zwei Milliardenprojekten verhoben hat und dadurch hohe Abschreibungen wie auch eine Kapitalerhöhung fällig wurden.

Kritiker werten die Berufung von Fernández Verdes daher als Versuch von ACS, mehr Zugriff auf Hochtief zu bekommen. Und die Pläne für die künftige Ausrichtung scheinen deutlich anders zu sein als beim amtierenden Spitzenpersonal in den Tochtergesellschaften.

Dazu passt die Meldung vom Wochenanfang, dass sich Hochtief wegen "unterschiedlicher Auffassungen" von Bernd Romanski getrennt hat, dem Vorstandssprecher von Hochtief Solutions, also derjenigen Konzerntochter, dessen Servicesparte möglicherweise vor dem Verkauf steht.

Romanski ist nicht der erste Manager, der Hochtief verlässt. Seit der Übernahme durch ACS wurde mittlerweile der komplette Vorstand und der Großteil der ersten Führungsriege bei den wichtigsten Divisionen in Europa ausgetauscht.

Foto: picture alliance / HB Verlag

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