06.02.13

Konjunkturausblick

Aufträge aus Euro-Zone lassen Wirtschaft hoffen

Ökonomen erwarten eine Erholung im Euro-Raum noch im ersten Quartal des Jahres. Positiv überraschen die stark ansteigenden Aufträge aus der Euro-Zone, nur der Binnenmarkt schwächelt.

Von Tobias Kaiser
Foto: dpa

Hochofen des Stahlkonzerns ArcelorMittal: Aus der Branche kommen zuversichtliche Töne
Hochofen des Stahlkonzerns ArcelorMittal: Aus der Branche kommen zuversichtliche Töne

Die Wirtschaft der Euro-Zone nimmt Kurs auf eine Erholung in den kommenden Monaten. Darauf deuten eine Reihe von Signalen aus der Wirtschaft und den Unternehmen hin. Nicht nur Frühindikatoren, die auf Umfragen beruhen, legen zu, sondern wichtige Schlüsselbranchen machen wieder bessere Geschäfte mit den Nachbarn in der Euro-Zone.

Die Aufträge der deutschen Industrie stiegen im Dezember um 0,8 Prozent, nachdem sie im November noch um 1,8 Prozent gefallen waren. "Die Auftragszahlen sind ein klarer Beleg dafür, dass es für die deutsche Industrie wieder nach oben geht", sagt Carsten Brzeski, Leitender Volkswirt bei der belgischen Bank ING.

Tatsächlich schlummern in den Details der Statistik allerdings auch überraschend gute Nachrichten für die Wirtschaft der Euro-Zone. Denn getrieben wurden die guten Zahlen vor allem von den Bestellungen aus dem Ausland, die gegenüber dem Dezember 2011 um 2,4 Prozent stiegen, während die Nachfrage aus dem Inland sogar sank.

Besonders stark stiegen die Bestellungen aus der Euro-Zone: Sie legten um kräftige sieben Prozent zu. Besonders erfreulich: Die Bestellungen für Maschinen, Anlagen und andere Investitionsgüter aus der Euro-Zone stiegen um satte zwölf Prozent.

Großaufträge könnten Statistik verzerren

Das könnte darauf hindeuten, dass die Unternehmen in den Ländern der Währungsunion offenbar ihre Produktionskapazitäten erneuern und weiter ausbauen. Allerdings warnt Andreas Rees, Chefvolkswirt Europa bei der Großbank UniCredit vor allzu viel Euphorie: Zum einen seien die Daten aus der Wirtschaft grundsätzlich sehr volatil. Außerdem könnten die Zahlen durch einen oder mehrere Großaufträge verzerrt worden sein.

Beispielsweise soll ein deutscher Hersteller, der Windenergieanlagen herstellt, einen gewaltigen Anstieg bei den Bestellungen verzeichnet haben. "Man muss vorsichtig sein", sagt Rees. "Aber die Wende nach oben wird im ersten Quartal kommen und könnte sogar positiv überraschen. Mehr und mehr Frühindikatoren sind zuletzt geradezu in die Höhe gesprungen und das signalisiert, dass bessere Zeiten vor uns liegen."

Dazu passen die guten Meldungen aus wichtigen Schlüsselbranchen. Allen voran aus der Stahlindustrie. Die Bestellungen bei den Stahlkochern und -verarbeitern hierzulande stiegen im letzten Quartal um satte sieben Prozent auf 9,3 Millionen Tonnen. Auch hier hatten vor allem Bestellungen aus dem Ausland die überraschend gute Entwicklung getrieben.

Lager werden wieder aufgefüllt

In diesem Jahr erwarten die Branchenvertreter der Wirtschaftsvereinigung Stahl, dass der positive Trend noch eine ganze Weile anhalten soll. Viele Kunden müssten ihre leeren Lager wieder füllen, nachdem sie sich wegen der unsicheren Lage in der Euro-Zone mit Bestellungen zurückgehalten hatten. Die Gesamtproduktion der deutschen Stahlproduzenten soll um ein Prozent auf 43 Millionen Tonnen steigen – diese Prognose stammt allerdings noch aus dem Dezember.

Auch vom Weltmarktführer ArcelorMittal kommen zuversichtlichere Töne. Der Einbruch in Europa verlangsame sich und auf den wichtigen Märkten in China und Brasilien springe der Wachstumsmotor wieder an, erklärte der Konzern. Viele Ökonomen setzen darauf, dass die neue chinesische Regierung das Wachstum in dem Schwellenland stabilisieren und langfristig stärken wird. Für Unternehmen, die bislang Chinas rasantem Wachstum profitiert haben, sind das gute Nachrichten.

Für die Konjunktur ist die bessere Lage der Stahlkocher ein gutes Zeichen; denn die Branche gilt als klassischer Signalgeber: Ihre Entwicklung läuft der Gesamtwirtschaft in der Regel um einige Wochen voraus. In den kommenden Tagen werden die Statistiker hierzulande noch die Daten zur Produktion und den Exporten im Dezember vorlegen; dann werden Ökonomen noch besser beurteilen können, wie es um die deutsche und europäische Wirtschaft steht. Beobachter erwarten allerdings, dass die deutsche Wirtschaft erst in diesen Wochen wieder an Fahrt aufgenommen hat.

Ifo-Indikator steigt wieder an

Auch unter Ökonomen gilt eine Erholung in der Euro-Zone in den kommenden Monaten als wahrscheinlich. Der entsprechende Indikator für das Wirtschaftsklima in der Euro-Zone, der vom Münchener Institut für Wirtschaftsforschung (Ifo) erhoben wird, legte Anfang 2013 nach zwei Rückgängen in Folge erstmals wieder zu.

Der Anstieg fiel überraschend stark aus: von 81,7 Zählern im vierten Quartal auf 95,1 Punkte. "Ein Silberstreif am Horizont ist erkennbar", sagte Ifo-Präsident Hans-Werner Sinn zu der Umfrage unter 281 Experten aus mehreren Ländern.

Zwar beurteilen die Befragten die aktuelle Lage erneut etwas schlechter, sie rechnen allerdings damit, dass sich die Wirtschaft in der Euro-Zone in den kommenden sechs Monaten positiver entwickeln wird. In allen Euro-Ländern bis auf Estland sind die Umfrageteilnehmer deutlich zuversichtlicher.

Stimmung in der Privatwirtschaft verbessert sich

Die Experten sind dabei so optimistisch, wie seit fast zwei Jahren nicht mehr. Insgesamt wird im Euro-Raum in den nächsten sechs Monaten in allen Ländern außer Zypern, Finnland, Portugal und Spanien mit einer Verbesserung der Situation gerechnet.

Am Montag war auch der Sentix-Index für die Wirtschaft in der Euro-Zone das sechste Mal in Folge gestiegen. Die Aussichten für das nächste Halbjahr notierten laut Sentix sogar auf dem höchsten Stand seit Beginn der Finanzkrise vor sechs Jahren. Der Index beruht auf einer Umfrage unter Profi-Anlegern.

Aber auch in der Privatwirtschaft im Währungsraum verbessert sich die Stimmung deutlich. Das vom Markit-Institut erhobene Wirtschaftsklima für die Euro-Zone, das auf einer Umfrage unter 5000 Unternehmen beruht, legte zwischen Dezember und Januar weiter stärker zu als erwartet.

"Angesichts der spürbar abgeschwächten Talfahrt war die Euro-Zone im Januar weiter auf dem Weg der Erholung und näherte sich der Stabilisierung im ersten Quartal 2013 sogar deutlich an", sagte Markit-Chefökonom Chris Williamson.

Quelle: dapd
08.01.13 1:11 min.
Aktuellen Konjunkturdaten zufolge wird die Wirtschaftsleistung im vierten Quartal sinken. Deutsche Unternehmen haben im November weniger Aufträge erzielt als zuvor prognostiziert.
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OECD-BIP-Prognose
  • Euro-Zone

    2012: – 0,4 Prozent

    2013: – 0,1 Prozent

    2014: 1,3 Prozent

  • OECD insgesamt

    2012: 1,4 Prozent

    2013: 1,4 Prozent

    2014: 2,3 Prozent

  • USA

    2012: 2,2 Prozent

    2013: 2,0 Prozent

    2014: 2,8 Prozent

  • Japan

    2012: 1,6 Prozent

    2013: 0,7 Prozent

    2014: 0,8 Prozent

    Bruttoinlandsprodukt real, arbeitstäglich bereinigt, Quelle: dpa

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