06.02.13

Global Trust Report

Diesen Institutionen vertrauen die Deutschen

Polizei und Justiz stehen in der Gunst der Deutschen ganz oben, während die Parteien das geringste Vertrauen genießen. Die Koalition kann jedoch zulegen – Forscher vermuten einen bestimmten Grund.

Foto: Infografik Die Welt

So hat sich das Vertrauen der Deutschen in verschiedene Institutionen entwickelt
So hat sich das Vertrauen der Deutschen in verschiedene Institutionen entwickelt

Es ist Wahljahr, im Herbst wird je nach Votum der Bevölkerung der Bundestag neu bestückt und darüber entschieden, wer das Land künftig regiert – um so leidenschaftlicher nutzen die Parteien die verbleibenden Monate bis zum Urnengang, um besonders intensiv für sich zu werben.

Naturgemäß lassen dabei gerade die Politiker, die fast vier Jahre Oppositionsarbeit hinter sich haben, keine Gelegenheit aus, um der gegenwärtigen Regierungsmannschaft möglichst öffentlichkeitswirksam ihre Defizite unter die Nase zu reiben.

Egal ob Energiewende, Familienpolitik oder Bankenaufsicht – die Regierung habe versagt, werden Oppositionspolitiker nicht müde zu betonen. In Kreisen der Bevölkerung zumindest scheint man nicht flächendeckend dieser Meinung zu sein.

Wie der "Global Trust Report" ergibt – eine weltweite Vertrauensstudie, die das Non-Profit-Marktforschungsunternehmen GfK Verein einmal im Jahr durchführt – hat das Vertrauen der Deutschen in alle großen, gesellschaftlichen Institutionen wie die Justiz, die Verwaltung oder die Kirche im Vergleich zum Vorjahr gelitten.

Allein die deutsche Regierung konnte in der Gunst der Menschen zulegen – was Raimund Wildner, Geschäftsführer des GfK Vereins, allem voran auf die positive Wahrnehmung des Euro-Krisenmanagements von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) zurückführt.

Militär und Kirche genießen weltweit höchstes Vertrauen

Zwar rangiert die schwarz-gelbe Koalition mit einem Zuspruch von 34 Prozent auch derzeit nur im hinteren Drittel des Rankings. Im Vergleich zum Vorjahr jedoch konnte sie fünf Prozentpunkte hinzugewinnen.

Schon zum zweiten Mal ist der GfK Verein, Mehrheitsaktionär des Marktforschungsinstituts GfK, der Frage nachgegangen, wie es um das Vertrauen der Menschen in die wichtigsten Institutionen und Wirtschaftsbranchen bestellt ist.

Grundlage der Untersuchung sind Interviews mit 28.000 Verbrauchern in insgesamt 25 Ländern. Während über alle Staaten hinweg das Militär und die Armee (79 Prozent) und die Kirche (66 Prozent) das größte Vertrauen in der Bevölkerung genießen, sind beide Institutionen hierzulande nur im Mittelfeld zu finden.

57 Prozent der Deutschen sprechen der Bundeswehr ihr Vertrauen aus (Platz 5). Bei der Kirche sind es gerade mal vier von zehn Befragten (Platz 7) – wobei sich der Zuspruch im Vorjahresvergleich von 40 auf 39 Prozent verringert hat.

Konzerne und Parteien rangieren am Ende der Rangliste

Skandale wie die Abweisung eines mutmaßlichen Vergewaltigungsopfers seitens einer katholischen Klinik dürften dabei nicht eben dazu dienen, das Image wieder aufzumöbeln. Mit Vertrauenswerten von 81 Prozent und 65 Prozent rangieren in der hiesigen Bevölkerung die Polizei und die Justiz auf den vordersten Plätzen.

Am schlechtesten ist es um das Ansehen der politischen Parteien bestellt (16 Prozent); auch der Wirtschaft, repräsentiert durch die großen Konzerne, würden gerade mal 26 Prozent der Deutschen ihr Vertrauen aussprechen. Dem Internet – immer wieder Anlass für Debatten über die Sicherheit der persönlichen Daten – vertrauen nur 34 Prozent.

Was die Branchen betrifft, liegt – wie im Vorjahr – ausgerechnet der älteste Wirtschaftszweig in der Gunst der Deutschen ganz weit vorn. 87 Prozent der hiesigen Bevölkerung gibt an, dem Handwerk "voll und ganz" zu vertrauen.

Auf Rang zwei finden sich die Unterhaltungselektronik- und Haushaltsgerätehersteller wieder (78 Prozent). Erst auf Platz drei findet sich schließlich die Automobilindustrie (71 Prozent), was angesichts der oft kolportierten Liebe der Deutschen zu ihren Autos überraschend ist.

Banken und Versicherungen stürzen weiter ab

Zu erwarten war denn auch, dass die vor allem im Zuge der weltweiten Finanz- und Wirtschaftskrise stark unter öffentlichen Beschuss geratenen Banken und Versicherungen in der Gunst der hiesigen Bevölkerung am schlechtesten wegkommen.

Tatsächlich büßten die Unternehmen der Finanz- und Versicherungsbranche im Vergleich zum Vorjahr nochmals um sieben Prozentpunkte ein und kommen nun auf einen Vertrauenswert von 29 Prozent.

"Nicht einmal mehr jeder dritte Bundesbürger vertraut dieser Branche", resümiert GfK-Geschäftsführer Wildner – und mutmaßt, dass sich hier "die Skandale der letzten Zeit auswirken, von Zinsmanipulationen bis zu Razzien wegen der Verdachts der Beihilfe zur Steuerhinterziehung".

Image verloren haben zudem die Energie- und Wasserversorger. Aktuell spricht nur noch jeder zweite Deutsche diesen Konzernen sein Vertrauen aus, ein Jahr zuvor waren es 56 Prozent. Grund könnten den Studienautoren zufolge steigende Strompreise sein.

Handwerk im Ausland nicht so beliebt wie hierzulande

Im Mittelfeld rangieren Arzneimittelhersteller (58 Prozent), der Handel (69 Prozent) und die Fluggesellschaften mit einem Vertrauenswert von derzeit ebenfalls 69 Prozent – nach 73 Prozent im Jahr zuvor.

In der Bewertung der Branchen sind sich die Menschen weltweit dabei mehr einig als bei der Bewertung der relevanten, gesellschaftlichen Institutionen: Auch über alle Länder hinweg haben die Unterhaltungselektronik- und Haushaltsgerätehersteller sowie das Handwerk in der Gunst der Verbraucher die Nase vorn.

Auch das Misstrauen in die Finanzbranche eint die Verbraucher weltweit: Banken und Versicherungen belegen jedoch nur den drittletzten Platz des Rankings – wobei der Vertrauenswert mit 62 Prozent mehr als doppelt so hoch wie hierzulande ist. Telekom- und Internetanbieter sowie die Fluggesellschaften schneiden mit Zuspruchswerten von 60 Prozent noch schlechter ab.

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  • In der Euro-Zone

    Vor dem Hintergrund der europäischen Schuldenkrise hat der GfK Verein erstmals den Zuspruch in die europäische Gemeinschaftswährung abgefragt: Im wirtschaftlich stärksten Euro-Staat Deutschland vertrauen nur 38,4 Prozent dem Euro; in Krisenstaaten wie Spanien oder Italien ist die Vertrauensquote noch geringer.

  • Außerhalb der Euro-Zone

    Zum Vergleich: In allen Ländern außerhalb der Euro-Zone ist das Vertrauen in die Landeswährung deutlich größer. Briten und Amerikaner setzen je zu 74,4 Prozent auf ihre Währung. Bei den Schweden steht sie mit einem Zuspruch von 87,1 Prozent, bei den Schweizern mit 90,1 Prozent noch höher im Kurs.

  • Gründe

    In den niedrigen Werten innerhalb der Euro-Zone dürfte sich die Krise spiegeln. Inzwischen werden die Reform- und Sparbemühungen in Spanien oder Portugal spürbar, zudem erstarkt die europäische Währung seit Jahresbeginn gegenüber dem Dollar. Schreitet die Entwicklung voran, könnte dies ein Indiz dafür sein, dass die Menschen hierzulande im Laufe des Jahres wieder stärkeres Vertrauen in den Euro fassen.

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