06.02.13

Luftfahrtkonzern

Ex-Thales-Chef soll EADS-Oberaufseher werden

Der französische Manager Denis Ranque hat große Chancen auf den Verwaltungsratsvorsitz des Luftfahrtkonzerns EADS. Er versteht sich mit dem deutschen Chef Tom Enders und unterstützt dessen Ziele.

Von Andre Tauber, Gesche Wüpper
Foto: picture-alliance/ dpa

Denis Ranque
Denis Ranque werden gute Chancen auf den Aufsichtsratsposten bei EADS eingeräumt

In die Frage, wer den prestigeträchtigen Verwaltungsratsvorsitz des Luftfahrt- und Rüstungskonzerns EADS übernehmen soll, kommt Bewegung. Nachdem in den vergangenen Tagen Ex-Areva-Chefin Anne Lauvergeon für den Posten im Gespräch war, gilt nun Denis Ranque, der frühere Chef des französischen Rüstungselektronikkonzerns Thales, als chancenreichster Kandidat.

Aus informierten Kreisen ist zu hören, dass sich das EADS-Nominierungskomitee für den 61-Jährigen ausgesprochen habe. Wie es heißt, soll die Regierung in Berlin mit der Personalie grundsätzlich einverstanden sein. Dem Posten kommt eine hohe symbolische Bedeutung zuteil.

Hintergrund ist, dass EADS-Konzernchef Tom Enders energisch dafür kämpft, das Unternehmen vom staatlichen Einfluss zu befreien. Er würde es deswegen gerne sehen, wenn ein regierungsunabhängiger Kandidat den Posten erhält. Das wäre mit Ranque der Fall. Dass der Posten mit einem Franzosen besetzt wird, gilt indes als ausgemacht.

Zitterpartie bis Ende März

Dass sich das Nominierungskomitee von EADS für Ranque ausgesprochen hat, ist ein Schlag für die französische Regierung. Die hatte in den vergangenen Tagen deutliche Signale gesendet, dass sie an der Spitze lieber Ex-Areva-Chefin Anne Lauvergeon sehen würde – sie ist eine von zwei Kandidaten, die mit Pariser Zustimmung in den Verwaltungsrat einziehen sollen.

So wurde an die französische Presse jüngst die Information gestreut, dass sich Frankreichs Staatspräsident François Hollande bereits mit Bundeskanzlerin Angela Merkel auf die Person Lauvergeon verständigt habe. Wirtschaftsminister Pierre Moscovici sprach sich sogar öffentlich für Lauvergeons Berufung aus. Sie habe "alle Qualitäten, um eine bedeutende Rolle bei EADS zu spielen", sagte er.

Wer tatsächlich den Posten erhält, wird sich allerdings erst Ende März zeigen. Dann werden die EADS-Aktionäre in einer außerordentlichen Hauptversammlung über die Neubesetzung des Verwaltungsrats abstimmen. Im Anschluss daran wird das neue Kontrollgremium einen neuen Vorsitzenden aus seiner Mitte wählen. Die Aufseher sind dabei nicht an die Empfehlung des EADS-Nominierungsausschusses gebunden.

Aus informierten Kreisen heißt es allerdings, Paris sei bereit, die Ernennung von Ranque zu akzeptieren. "Es dürfte auf Ranque hinauslaufen", heißt es. Offiziell bestätigt ist das allerdings nicht.

Berlin und Paris dürfen mitreden

Die Neuordnung ist eine Folge der künftigen Eigentümerstruktur, auf die sich Deutschland und Frankreich im Dezember nach der gescheiterten Fusion von EADS mit BAE Systems geeinigt haben. Deutschland und Frankreich sollen künftig je zwölf Prozent des Kapitals halten. Gleichzeitig wollen die bisherigen französischen und deutschen Großaktionäre Lagardère und Daimler ihre Anteile verkaufen.

Den Regierungen wird ein Mindesteinfluss auf den Verwaltungsrat von EADS garantiert. So haben die Regierungen in Berlin und Paris das Recht, bei der Nominierung von jeweils zwei Verwaltungsratsmitgliedern mitzureden. Die Mitglieder sind allerdings später nicht an die Weisungen der Regierungen gebunden.

Frankreich hat bereits Ex-EZB-Chef Jean-Claude Trichet (70) sowie der Ex-Areva-Chefin Anne Lauvergeon (53) das Plazet erteilt. Daimler-Aufsichtsratschef Manfred Bischoff (70) und Ex-BDI-Präsident Hans-Peter Keitel (65) sollen mit Berliner Zustimmung in den Verwaltungsrat einziehen.

Ranque gilt fachlich als am besten geeigneter Kandidat. Der in Marseille geborene Ingenieur, der in seiner Freizeit segelt und Mitglied des Verwaltungsrates von Saint-Gobain ist, kennt die Luftfahrt- und Verteidigungsbranche sehr gut.

Frohe Kunde während der Weltumsegelung

Nach dem Studium an der renommierten Ecole Polytéchnique begann er seine berufliche Karriere im Industrieministerium, bevor er 17 Jahre lang an der Spitze des französischen Rüstungselektronikkonzerns Thales stand. Thales ist im Rüstungsbereich ein Wettbewerber von EADS, kooperiert bei vielen Projekten aber auch mit dem Konzern.

Das Verhältnis von Ranque und Enders gilt als gut. Zwar soll sich der Franzose seinerzeit gegen den Versuch von EADS ausgesprochen haben, bei Thales einzusteigen, trotzdem aber schätzen sich die beiden Männer. Die Mitteilung, dass das Nominierungskomitee ihn für den Posten des Verwaltungsratsvorsitzenden vorschlägt, erreichte Ranque auf seinem Segelboot mitten auf dem Atlantik. Er beendet gerade eine Weltumsegelung.

Wer in den Verwaltungsrat einziehen wird, ist weitgehend sicher. Am Dienstag präsentierte EADS die Liste mit den Kandidaten, die auf der Hauptversammlung zu Wahl gestellt werden.

Neben Enders, Lauvergeon, Trichet, Bischoff und Keitel steht der Amerikaner Ralph D. Crosby (65) zur Wahl. Vorgeschlagen werden auch BNP Paribas-Ehrenpräsident Michel Pébéreau (71), Arcelor Mittal-Chef Lakshmi Mittal (61), Anglo-American-Aufsichtsratschef Sir John Parker (70), der frühere Deutsche-Bank-Vorstand Hermann-Josef Lamberti (57) sowie Josep Piqué i Camps (57).

Foto: Cassidian/EADS

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Die EADS-Gruppe
  • Mitarbeiter

    Die EADS-Gruppe ist mit mehr als 133.000 Mitarbeitern an weltweit über 170 Standorten Marktführer in den Bereichen Luft- und Raumfahrt sowie Verteidigung. Der Konzern ging im Jahr 2000 aus dem Zusammenschluss der deutschen Dasa, der französischen Aerospatiale-Matra und der spanischen Casa hervor.

  • Töchter

    Zu EADS gehören vor allem vier Töchter: Airbus, Astrium, Cassidian und Eurocopter. Die wichtigste Tochter Airbus ist neben Boeing einer der beiden großen Flugzeugbauer weltweit. Die Palette umfasst auch militärische Tank-, Transport- und Einsatzflugzeuge. Wichtigstes Produkt ist der Airbus A320.

  • Astrium

    ist mit der Ariane-Rakete europäischer Marktführer bei Raumfahrtprogrammen und das weltweit drittgrößte Raumfahrtunternehmen. Astrium deckt den gesamten Raumfahrtbereich bis hin zu Satellitendiensten ab.

  • Cassidian

    ist laut EADS weltweiter Marktführer „bei modernsten Lösungen für Streitkräfte und zivile Sicherheit“. Wichtigstes Produkt ist das Eurofighter-Kampfflugzeug.

  • Eurocopter

    gilt als global führender Hersteller von Helikoptern im zivilen Bereich. Das Unternehmen bietet auch militärische Hubschrauber an. dapd

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