05.02.13

Futterhersteller

Der Trend geht zum gut genährten Mini-Haustier

Die Deutschen neigen inzwischen dazu, sich eher kleine Tiere zuzulegen. Die fressen zwar weniger – trotzdem boomt das Geschäft der Tierfutter-Anbieter. Das hat einen einfachen Grund.

Von Hagen Seidel
Foto: gms

Kleine Hunde, große Hunde – beim Futter geben viele Deutsche nur das Beste
Kleine Hunde, große Hunde – beim Futter geben viele Deutsche nur das Beste

Wenn die Deutschen irgendwo ihre Ausgaben drosseln sollten, tun sie das auf keinen Fall bei ihren Haustieren: Noch nie setzte Deutschlands größte Kette für Heimtierbedarf, Fressnapf, mehr um als im vergangenen Jahr. Fast eine Milliarden Euro ließen die Besitzer von Katze, Hund, Nager oder Sittich bei der Krefelder Kette – rund sechs Prozent mehr als im Vorjahr.

Europaweit legte Fressnapf mit seinen 1200 Läden um sieben Prozent auf 1,46 Milliarden Euro zu. "Wir hatten beim Umsatz und Ergebnis ein sehr gutes Jahr, wir sind sehr zufrieden", meint Chef Torsten Toeller.

Und: "Online haben wir uns fast verdoppelt, wenngleich die Zahlen noch nicht schwarz sind". Den Online-Umsatz verriet der Gründer nicht. Bei anderen läuft es sogar noch besser: Insbesondere kleinere Anbieter, die hochwertiges, die teures Futter über das Internet vertreiben, melden sogar Zuwächse im hohen zweistelligen Prozentbereich.

Und sie sind sicher, dass der Boom der Dackelkonjunktur weiter gehen wird. Bald bekommen die Tierbesitzer sogar noch mehr für ihr Geld: Wenn des harten Wettbewerbs rechnet Toeller damit, dass die Preise zwischen fünf und zehn Prozent sinken werden.

Auch in der Krise kriegen Tiere gutes Futter

Fressnapf will auch in diesem Jahr wachsen wie schon 2012. Toeller rechnet mit einem Gesamtumsatz von 1,56 Milliarden Euro – 1,03 Milliarden davon in Deutschland. "Der Zuwachs der nächsten Jahre wird vor allem aus dem Ausland und dem Onlinegeschäft kommen", meint er.

Derzeit läuft ein 50 Millionen-Investitionsprogramm für eine neue IT, die die elektronische Infrastruktur der Läden und der Onlineshops verbinden soll. Nach 46 neuen Läden 2012 will die Kette in diesem Jahr mindestens 59 neue Geschäfte eröffnen, die meisten davon im Ausland.

"Wir haben ein recht krisensicheres Geschäft. Die Leute sparen in schwierigen Zeiten nicht zuerst an ihren Tieren", sagt Hundehalter Toeller. Fressnapf wuchs beim Hundefutterumsatz um fünf Prozent, beim Zubehör dagegen um zwei Prozent.

"Das Geschäft um die Katze wächst am stärksten, Hund wächst, Nager und Vögel stagnieren, Aquaristik geht zurück", erklärt Toeller im schönsten Branchenslang. Die Hunde der Deutschen werden laut Toeller zwar immer kleiner und fressen weniger.

Für Fressnapf und die Branche ist das aber offenbar kein Problem – denn Herrchen und Frauchen kaufen für ihre Tiere gleichzeitig teureres Futter. Und das erhält den Händlern ihre Gewinnmargen.

"Merci-Schokolade für die Katze"

Und auch bei den Katzen profitiert die Branche vom Trend zur Schlemmerei: Beim Premium-Katzenfutter werden die Töpfchen immer kleiner, aber die Preise immer größer: Seine neue Top-Eigenmarke "Moments", intern als "Merci-Schokolade für die Katze" gehandelt, bietet Fressnapf ab April für 1,19 Euro pro 85-Gramm-Packung an.

Beim Discounter findet man die gleiche Menge schon mal für ein Drittel des Preises. Dafür ist bei Fressnapf dann aber auch Thunfisch und Garnele drin. Die zunehmende Bedeutung des Onlinehandels wird nach Toellers Ansicht beim Großteil der Produkte zu sinkenden Preisen führen.

Denn im Laden dürfe das Hundefutter nicht teurer sein als im Netz, sonst gehe der Kunde zur Konkurrenz. Toeller gibt den Kampfhund: "Wenn ein nennenswerter Konkurrent die Preise senkt, dann gehe ich noch darunter. Die sollen mal kommen!"

Künftig will sein Unternehmen verstärkt Dienstleistungen wie Tierarztservice, Hundefriseur oder Hunde-Kita im Fressnapf-Laden wachsen. Offizielle Zahlen über die Umsätze der Branchen 2012 will der Fachverband IVH erst im April veröffentlichen.

Umfrage: Anbieter werden weiter wachsen

Im Jahr zuvor war der Umsatz der Branche mit Tiernahrung und Tierbedarf um 0,2 Prozent auf rund vier Milliarden Euro. Die Nahrung allein macht davon rund 2,9 Milliarden Euro aus.

Die kleinen Anbieter allerdings verlieren zugunsten der großen oder der spezialisierten Online-Unternehmen, die ihre Umsätze regelmäßig um zweistellige Prozentpunkte steigern. Stichproben der "Welt" bei einigen Herstellern und Händlern von Tierbedarf bestätigen den Trend, dass die Deutschen weiterhin bereit sind, immer mehr Geld für ihr Tier auszugeben.

Zooplus etwa – nach eigenen Angaben "Europas führender Internethändler für Heimtierprodukte" – steigerte seine Gesamtleistung im vergangenen Jahr um rund 30 Prozent auf 334 Millionen Euro. Damit übertraf das Börsen notierte Unternehmen seine eigenen Prognosen.

Nach den vorläufigen Zahlen erreichte Zooplus im vierten Quartal 2012 auch ein positives Ebitda-Ergebnis "im niedrigen sechsstelligen Bereiche". Die endgültigen Zahlen präsentiert Vorstandschef Cornelius Patt erst Ende März: "Wir können schon jetzt sagen, dass wir mit Blick auf unsere Wachstums- und Ergebnisziele auch für das Jahr 2013 und darüber hinaus sehr positiv eingestellt sind".

Nicht jeder will in Online-Vertrieb einsteigen

Die Futterhaus-Gruppe, die in Deutschland und Österreich 270 Läden betreibt, kam im vergangenen Jahr auf ein Plus von zwölf Prozent und setzte 244 Millionen Euro um – vor allem getragen durch gute Geschäfte in den Aktionswochen zum 25-jährigen Bestehen der Kette.

Im laufenden Jahr sollen weitere Standorte hinzu kommen, mindestens 18 neue Märkte seien bereits "gesichert". Mittelfristig will Futterhaus 500 Geschäfte betreiben, 2013 soll der Umsatz abermals im zweistelligen Prozentbereich steigen.

Anders als die meisten Konkurrenten will Futterhaus vom Onlinevertrieb weiterhin nichts wissen – er ist den Chefs schlicht noch zu riskant. "Den Weg ins Onlinegeschäft werden wir erst dann gehen, wenn wir garantiert damit Geld verdienen können", sagte Geschäftsführer Herwig Eggerstedt, "es gibt derzeit in unserer Branche mehr als genug defizitäre Online-Shops".

Ob er damit auch Wunschfutter.de meinte? Die junge Firma aus Dortmund mischt hochwertiges Trockenfutter nach Kundenwunsch zusammen und verschickt es anschließend per Post. Umsatzzahlen verrät Geschäftsführer Tobias Heitmann noch nicht, er will die nächste Finanzierungsrunde mit den Geldgebern abwarten, die gerade läuft.

Interesse an deutschem Futter bis nach China

"Wir kratzen an der Gewinnschwelle" sagte er der "Welt", "Mitte des Jahres werden wir sie erreicht haben". Einige Zahlen allerdings verrät er dann doch: Die Stammkunden orderten bei jedem Einkauf Ware für mehr als 60 Euro. Die Quote des Zahlungsausfalls liege nur bei 2,3 Prozent.

Und die Conversion Rate – also die Quote der Webseiten-Besucher, die tatsächlich etwas bestellen – liege mit 3,5 Prozent besonders hoch. "Fressnapf wird sich warm anziehen müssen", zeigt sich Heitmann angriffslustig.

Online verkauft auch Terra Canis-Gründerin Birgitta Ornau den Großteil ihres bei einem Münchner Metzger hergestellten Futter in "100 Prozent Lebensmittelqualität". Per Website und über Ketten wie Futterhaus und Zoo&Co konnte sie im vergangenen Jahr ihrem Umsatz um 50 Prozent, steigern, 2013 erwartet sie rund neun Millionen Euro.

Inzwischen zeigen auch Importeure aus Frankreich den Benelux-Ländern, Polen und der Schweiz Interesse an ihrem Futter. Anfragen gebe es sogar auch China, wo die wachsende Oberschicht auch ihren Haustieren deutsche Edelmarken gönnen will.

Bei der Whiskas-Mutter läuft es eher mau

Produkte von Ornau sind auch bei Pets Premium vertreten: Der Händler, der im Herbst 2011 online ging, will mit seinen 100 teuren Marken in diesem Jahr erstmals die Schwelle zum zweistelligen Millionenumsatz überschreiten. Inzwischen hat pets Premium auch einen Laden in München eröffnet, weitere sollen folgen.

Branchenriese Mars Petcare – dazu gehören bekannte Marken wie Pedegree, Whiskas, Sheba, Kittekat, Loyal oder Trill – spricht beim ersten Rückblick auf das vergangene Jahr bisher nur von einem "zufriedenstellenden Ergebnis mit Umsatz-Zuwachs in 2012".

Das Plus sei auch hier vor allem durch das Premium-Segment begünstigt worden. Dies sei "eine Entwicklung, die wir auch für 2013 erwarten", heißt es bei Mars Petcare.

Quelle: dapd
15.10.12 1:38 min.
GPS-Ortungssysteme werden für Autos, Lkws oder auch Schiffe verwendet. Doch inzwischen kann auch der Hundebesitzer seinen besten Freund darüber suchen lassen.
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Ausgaben für Haustiere
  • Umsatz

    In Deutschland leben rund zwölf Millionen Katzen, über sieben Millionen Hunde und ähnlich viele Kleinnager. Und das ist ein riesiges Geschäft: 2011 – neuere Zahlen gibt es noch nicht – machten die Firmen der Heimtierzubehör-Branche knapp vier Milliarden Euro Umsatz. Für Futter allein betrug er 2,86 Milliarden Euro.

  • Anbieter

    Große Sprünge dürfte es auch 2012 laut Experten nicht gegeben haben. Allerdings verschieben sich die Umsätze von den kleinen Zoohandlungen hin zu jungen Nischenanbietern, die im Internet hochwertiges und teures Futter anbieten. sl

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