05.02.13

Vorstandsbezüge

Regierungsberater fordern Gehaltsgrenze für Manager

Die Millionengehälter von Wirtschaftschefs werden in breiten Teilen der Bevölkerung zunehmend als ungerecht empfunden. Nun hat sich erstmals eine Regierungskommission des pikanten Themas angenommen.

Foto: picture alliance /

Klaus-Peter Müller, der Chef der Regierungskommission geht das Thema Gehaltsobergrenzen an, wenn auch nur vorsichtig
Klaus-Peter Müller, der Chef der Regierungskommission geht das Thema Gehaltsobergrenzen an, wenn auch nur vorsichtig

Noch bei der letzten Jahreskonferenz der Regierungskommission für gute Unternehmensführung (Corporate Governance) hatte Bundestagspräsident Norbert Lammert genüsslich das Reizthema Managergehälter aufgegriffen – und den anwesenden Wirtschaftsvertretern gehörig ins Gewissen geredet: Wenn es "keinen sichtbaren Zusammenhang mehr gibt zwischen Leistung und Bezahlung", sei dies für eine Gesellschaft sehr problematisch, hatte der CDU-Politiker im vergangenen Sommer in Berlin gemahnt.

Mit Verweis auf Umfragen, denen zufolge 70 Prozent der Deutschen die hiesige Einkommensverteilung als "zutiefst ungerecht" empfänden, appellierte er an die Kommission, sich des Themas anzunehmen. Oftmals mahlen die Mühlen recht langsam im Kommissionsgeschäft, doch die Expertengruppe um den Vorsitzenden Klaus-Peter Müller (Aufsichtsratschef Commerzbank) ist das pikante Sujet nun tatsächlich angegangen.

Als Müller am Dienstagmorgen wie immer zu Beginn des Jahres über die geplanten Änderungen am Corporate-Governance-Kodex informierte, wagte er sich erstmals auch auf das seitens der Wirtschaft heftig umstrittene Feld der Obergrenzen für Gehälter vor. Zwar betonte das Kommissionsmitglied und Ex-Finanzvorstand von Daimler, Manfred Gentz, man wolle explizit nicht in die "Vergütungssysteme der Unternehmen eingreifen" oder gar konkrete Vorgaben zur Angemessenheit der Vorstandsbezüge machen.

Konzerne sollen Obergrenzen festlegen

Geht es nach Müller und seinem Expertengremium, sollen börsennotierte Unternehmen hierzulande künftig aber dennoch individuelle Obergrenzen für die Gehälter und Boni ihrer Vorstände festlegen – und auch veröffentlichen.

Pünktlich zum Bundestagswahljahr ist damit nun auch die Regierungskommission das Gerechtigkeitsthema angegangen, auf das allem voran auch SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück große Hoffnungen setzt. Vor allem die weltweite Finanz- und Wirtschaftskrise hatte ein Schlaglicht auf die teils exorbitanten Bezüge von Teilen der Wirtschaftselite geworfen – die nun nachweislich nicht in allen Fällen durch großartige Managementleistungen gerechtfertigt waren.

Managergehälter in zweistelliger Millionenhöhe, wie sie etwa von VW-Konzernchef Martin Winterkorn bekannt wurden, sorgen ohnehin in verlässlicher Regelmäßigkeit für öffentliche Kritik – und das allem voran in wirtschaftlich schwierigen Zeiten, in denen Belegschaften Nullrunden oder gar Einschnitte beim Gehalt abverlangt werden.

Nicht umsonst forderte etwa die Bundesbank-Vizepräsidentin Sabine Lautenschläger erst Anfang dieser Woche, Boni für Banker notfalls per Gesetz begrenzen. "Die Finanzindustrie muss weltweit dafür sorgen, dass beim Wettkampf um die besten Köpfe keine absurden Bonusvereinbarungen angeboten werden", sagte die Bankenaufseherin dem "Handelsblatt". Auf die Frage, ob der Gesetzgeber die Gehälter bei Banken deckeln sollte, antwortete Lautenschläger: "Ja, auch wenn dies ein schwieriges Unterfangen ist."

Einkommensschere hat sich weit geöffnet

Statt auf neue Gesetze setzt die Kommission dagegen getreu ihrer Bestimmung eher auf wohlmeinende Appelle an die Wirtschaftsvertreter und deren freiwillige Selbstverpflichtung. Immerhin verwandte auch Kommissionsmitglied Gentz erstmals in aller Deutlichkeit den Begriff der "Einkommensschere" zwischen Management und Belegschaft, die sich in Teilen der Gesellschaft "sehr weit" geöffnet habe. Die Aufsichtsräte, die die Vorstandsgehälter festlegen, sollen nach dem Willen der Kommission daher künftig darauf achten, dass die Gehälter für Vorstände nicht zu weit von denen der zweiten Führungsebene und von denen der Gesamtbelegschaft abweichen.

"Die Zuwächse bei den Vorständen waren zuletzt höher als in den Belegschaften", kritisierte Gentz. Man wolle die Kontrollgremien zwar sicher nicht bevormunden, aber "der Aufsichtsrat sollte zumindest darüber nachdenken", präzisierte er. Forderungen aus der Politik, die Vorstandsvergütungen auf ein Vielfaches des Durchschnittsgehalts zu beschränken, erteilte Kommissionschef Müller dennoch explizit eine Absage.

Stattdessen setzt das Expertengremium, das 2001 von der Regierung mit der Erarbeitung eines Leitfadens für eine gute und ethische Unternehmensführung beauftragt wurde, auf einheitliche Standards bei den Angaben zur Vergütung in den Geschäftsberichten – um so eine größere Vergleichbarkeit herzustellen.

Größtes Ziel: Mehr Transparenz

"Wir haben deutliche Klagen über mangelnde Transparenz und Vergleichbarkeit", sagte Müller. Die Experten hätten daher Mustertabellen entwickelt, in denen die Konzerne von 2014 an die Vorstandsgehälter aufschlüsseln sollen. Diese sind allerdings nur eine "Anregung" der Kommission, verwendet werden müssen sie nicht – zum Missfallen der Anlegerschützer von der DSW.

"Das hätte den Druck nochmals deutlich erhöht", sagte DSW-Hauptgeschäftsführer Marc Tüngler. Er forderte die Firmen auf, die Angaben schon in diesem Jahr zu veröffentlichen. "Die notwendigen Daten und Zahlen liegen vor."

Neben den Vorschlägen zur Vergütungsdebatte hat die Regierungskommission sich im vergangenen Jahr mit der Entschlackung des Kodex beschäftigt, der im Laufe der Jahre von ehedem 70 auf heute stattliche 98 Empfehlungen (und sieben Anregungen) angewachsen ist. Alle Vorschläge des Gremiums werden bis zum 15. März zur Diskussion gestellt, bevor sie dann womöglich wirklich in den Kodex einfließen.

© Berliner Morgenpost 2013 - Alle Rechte vorbehalten
Die Favoriten unseres Homepage-Teams
Kristall Sauna Therme   Ludwigsfelde in Brandenburg bei Berlin   das grov¸e Angebot fv r Baden Wellness und Sauna vor. FKK und Sportbad.
23.05.13Ludwigsfelde
Freizeitbad vor den Toren Berlins warnt vor Sextätern

Die Kristall Saunatherme in Ludwigsfelde geht nach sexuellen Übergriffen in dem FKK-Bad in die Offensive: In Zusammenarbeit mit der Polizei installierten die Verantwortlichen Videokameras. mehr...


Rammstein-Frontman Till Lindemann auf der Bühne in Moskau
23.05.13Terminvorschau
Das bringt der Tag in Berlin am Freitag

Berlin hat jeden Tag Neues zu bieten. Politische Termine, Demonstrationen, Prozesse, Theater, Konzerte. Hier finden Sie eine Auswahl der Berliner Morgenpost für Freitag, den 24. Mai. mehr...


In Häusern aus der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts blieben die Mietpreise relativ stabil. Im Durchschnitt stiegen die Mieten in Berlin um mehr als sechs Prozent
23.05.13Kommentar
Warum Berlin die hohen Mieten nicht hinnehmen darf

Die Berliner Durchschnittsmiete ist im Mietspiegel um mehr als sechs Prozent gestiegen. Vor allem Normalverdiener leiden darunter. Noch können und sollten wir aber gegensteuern, findet Jachim Fahrun. mehr...


Im Olympiastadion steht ein weiteres Sporthighlight bevor: das Champions-League-Finale 2015
23.05.13Fußball
Finale 2015 der Champions League im Olympiastadion

Dieses Jahr bekommt Berlin die Fanmeile zum Champions-League-Finale – in zwei Jahren wird das Spiel hier im Olympiastadion stattfinden. Berlins Fußball-Präsident verspricht: "Wir können Fußball". mehr...

Leser-Kommentare Kommentare
Leserkommentare sind ausgeblendet.
Kommentare einblenden
Die Technik der Kommentarfunktion "DISQUS" wird von einem externen Unternehmen, der Big Head Labs, Inc., San Francisco/USA., zur Verfügung gestellt. Weitere Informationen, insbesondere darüber, ob und wie personenbezogene Daten erhoben und verarbeitet werden, finden Sie in unseren Datenschutzbestimmungen

Die Moderation der Kommentare liegt allein bei MORGENPOST ONLINE.
Allgemein gilt: Kritische Kommentare und Diskussionen sind willkommen, Beschimpfungen / Beleidigungen hingegen werden entfernt. Wie wir moderieren, erklären wir in der Netiquette.
blog comments powered by Disqus
 
Top-Thema
title
Start-ups in Berlin

Gründerzeit: Die Serie und das Blog der Berliner Morgenpost.

Video Nachrichten mehr
Queen of Soul Aretha Franklin braucht eine kleine Auszeit
USA Bär spaziert durch Vorort von Los Angeles
London Islamisten töten britischen Soldaten
Deutsche Welle In Norditalien kommt die Erde nicht zur Ruhe
Die Welt - Aktuelle News
  1. 1. WirtschaftZuwanderungskonzeptMit der Schwarz-Rot-Gold-Karte nach Deutschland
  2. 2. DeutschlandGrüne unter Druck„Ein Aufruf zum Boykott israelischer Produkte“
  3. 3. AuslandBürgerkriegDer Iran übernimmt in Syrien das Kommando
  4. 4. DeutschlandSkandinavienDie überkochende Wut junger Migranten in Schweden
  5. 5. AuslandTerrorattacke„Was wollt Ihr?“ – „Krieg führen in London“
 
tb_airberlin.gif
airberlin - Destination…

airberlin baut die Verbindungen nach Polen aus. Erfahren…mehr

tb_Erste-Adressen.jpg
Berlins Erste Adressen

Eine Initiative der Berliner Kaufleute und der Berliner…mehr

Top Bildershows mehr
Jeden Tag

Kopfnoten für Politiker, Manager und Prominente

Willkommen in Berlin

Hurra, ich bin da! Das sind Berlins süße Babys

Fotogalerie

Das sind die Berliner Bilder des Tages

Bilder von oben

Das zerstörte Oklahoma City aus der Luft

 
In eigener Sache
Weitere Morgenpost Angebote