05.02.13

Bahnhof

Milliardenprojekt "Stuttgart 21" droht das Aus

Der BER ist in bester Gesellschaft: "Stuttgart 21" könnte sich nicht nur verschieben, sondern scheitern. Ramsauer dementiert aber Zweifel.

Foto: dpa

Der Stuttgarter Hauptbahnhof, aufgenommen aus der Luft: Das Projekt könnte nach Einschätzung der Bundesregierung erst im Jahr 2024 fertig werden, wenn sich die Genehmigungsverfahren weiterhin so in die Länge ziehen wie bisher.

7 Bilder

Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) hat Spekulationen um eine Abkehr des Bundes vom Bahnprojekt "Stuttgart 21" zurückgewiesen. "Das ist Quatsch", sagte Ramsauer laut ZDF am Rande seines Irak-Besuchs. Laut "Stuttgarter Zeitung" sollen Experten Ramsauers Ministerium eine ausreichende Grundlage für die Fortsetzung des umstrittenen Projekts mehr sehen. Die Zeitung beruft sich dabei auf internes Papier des Bundesverkehrsministeriums. In Ministeriumskreisen wurde am Dienstag die Skepsis bestätigt.

Auch Aufsichtsräte der Bahn machten nun deutlich, dass dem Staatsunternehmen wegen der Kostenrisiken in Milliardenhöhe kein grünes Licht für den Weiterbau gegeben werden könne. "Wir geben der Opposition am Ende ein Kampfinstrument in die Hand", sagte ein Aufsichtrat am Dienstag. Wenn an anderen Bahnhöfen der Putz bröckele und in Stuttgart Milliarden verbaut würden, wäre dies dem Wähler nicht zu erklären.

Ein weiterer Aufsichtsrat plädierte dafür, schnell bei einer Sondersitzung des Gremiums ein Stopp des Projekts durchzusetzen. Diese Sitzung ist seit längerem geplant, nachdem bereits im Dezember das Kontrollgremium der Bahn den Weiterbau verweigert hatte. Einen Termin gibt es aber noch nicht. In einem Workshop wollte die Bahn am Dienstag Aufsichtsräten das Projekt weiter erläutern.

Bahn: Kein Kommentar

Der "Stuttgarter Zeitung" zufolge hat das Ministerium sein Dossier anlässlich der am Dienstag stattfindenden Bahn-Aufsichtsratssitzung an. In dem Papier listen Ramsauers Mitarbeiter demnach insgesamt sieben Gründe auf, weshalb "die bisher aufgeführten Argumente" für den Weiterbau von "Stuttgart 21" nicht greifen. Die Bahn wollte sich zu dem Schreiben nicht äußern. "Es handelt sich um ein internes Papier, das die Bahn nicht kommentiert", sagte eine Sprecherin.

Der Umbau des Bahnknotenpunkts "Stuttgart 21" ist hoch umstritten. Im Dezember hatte die Bahn bekannt gegeben, dass sie davon ausgeht, dass sich das zuletzt mit 4,5 Milliarden Euro veranschlagte Projekt auf mindestens 5,6 Milliarden Euro verteuern wird. Der Logistik-Konzern rechnet zudem mit weiteren möglichen Kosten von bis zu 1,2 Milliarden Euro, die er gegebenenfalls mit den Projektpartnern – darunter sind die Stadt, das Land und der Bund – teilen will. Diese lehnen das bisher ab.

Auch Merkel wäre in Erklärungsnot

Für die Bahn würde sich das Prokjekt aber auch nicht mehr rentieren, wenn sie dies 1,2 Milliarden Euro komplett selbst tragen müsste. Daher ging auch die FDP, die das Projekt bislang befürwortete, auf Distanz: "Wenn die Eigenwirtschaftlichkeit nicht mehr gegeben ist, muss sofort die Notbremse gezogen werden", sagte FDP-Verkehrsexperte Oliver Luksic.

In Kreisen des Aufsichtsrats hieß es, sowohl bei den Vertretern des Eigentümers Bund als auch auf der Arbeitnehmerseite gebe es erheblich Bedenken. Für den Bund sind Staatssekretäre aus Verkehrs-, Finanz- und Wirtschaftsministerium im Gremium. Ein Aus für "Stuttgart 21" würde allerdings sowohl Bundeskanzlerin Angela Merkel als auch Verkehrminister Peter Ramsauer in Erklärungsnot bringen. Merkel hatte sich stets für das Projekt eingesetzt, obwohl die Kosten bereits in der Vergangenheit stiegen. Ramsauer hatte noch im Dezember gesagt: "Es gibt hier kein Zurück mehr." Das Verkehrsministerium war für einen Stellungnahme nicht zu erreichen.

Bahnhof wäre wohl erst 2024 fertig

Während die Parteien die Wahl im Herbst im Auge haben, ist eine Zustimmung auch für die Arbeitnehmerseite schwierig. Derzeit laufen Tarifverhandlungen mit dem Unternehmen. Das Verständnis für moderate Lohnerhöhungen wäre unter den Mitglieder vor dem Hintergrund der immer weiter steigenden Kosten für "Stuttgart 2"1 gering, sagte ein Gewerkschaftsvertreter.

Dem Zeitungsbericht zufolge wird der Bahnhof zudem frühestens im Jahr 2024 fertig, falls sich die Genehmigungsverfahren so in die Länge zögen wie bisher. Eigentlich sollten schon im Jahr 2020 Züge durch den unterirdischen Bahnhof fahren.

Quelle: Reuters/AFP/ap
© Berliner Morgenpost 2013 - Alle Rechte vorbehalten
Die Favoriten unseres Homepage-Teams

Mit dem Männergefängnis am Heidering leistet sich das klamme Berlin ein neues Gefängnis
12:18Technische Mängel
Verlegung von Insassen in neues Gefängnis erneut geplatzt

Berlin hat eine Baustelle mehr. Neben den andauernden Problemen am BER, hat nun das neue Männergefängnis am Heidering mit der Technik zu kämpfen. Die geplanten Verlegungen müssen verschoben werden. mehr...


Die 13.000 BVG-Beschäftigten können sich über ein Lohnplus von knapp 4,8 Prozent in zwei Jahren freuen
07:16Kommentar
Die BVG ist einen bemerkenswerten Kompromiss eingegangen

Die Berliner Verkehrsbetriebe und die Gewerkschaften haben sich rasch auf einen neuen Tarifabschluss geeinigt. Nun ist die Landespolitik gefordert, die sich klar zu ihrer BVG bekennen muss. mehr...


Der vermeintliche Täter Roy B., soll einen Suizidversuch unternommen haben. Ein Rettungsarzt hatte den Mann gerettet. Zuvor hatte das Mädchen Sharlyn die Kripo-Beamten zu der Wohnung geführt
12:14Kidnapper
Mutmaßlicher Entführer von Sharlyn in Psychiatrie eingewiesen

Der vermeintliche Entführer der 8-jährigen Sharlyn ist nun in eine psychiatrische Anstalt eingeliefert worden. Er hatte am Pfingstmontag das Mädchen von einem Spielplatz zu sich nach Hause gelockt. mehr...


Mehr Obst und Gemüse: Viele Schulen wünschen sich gesünderes Essen für ihre Schüler
11:00Schulessen
Schulessen in Berlin wird um 60 Prozent teurer

Die Reform des Schulessens wird am Donnerstag im Bildungsausschuss des Abgeordnetenhauses abgestimmt. Eltern sollen künftig 37 Euro statt 23 Euro zahlen. Sie hoffen jetzt auf eine soziale Staffelung. mehr...

Leser-Kommentare Kommentare
Leserkommentare sind ausgeblendet.
Kommentare einblenden
Die Technik der Kommentarfunktion "DISQUS" wird von einem externen Unternehmen, der Big Head Labs, Inc., San Francisco/USA., zur Verfügung gestellt. Weitere Informationen, insbesondere darüber, ob und wie personenbezogene Daten erhoben und verarbeitet werden, finden Sie in unseren Datenschutzbestimmungen

Die Moderation der Kommentare liegt allein bei MORGENPOST ONLINE.
Allgemein gilt: Kritische Kommentare und Diskussionen sind willkommen, Beschimpfungen / Beleidigungen hingegen werden entfernt. Wie wir moderieren, erklären wir in der Netiquette.
blog comments powered by Disqus
 
Top-Thema
title
Start-ups in Berlin

Gründerzeit: Die Serie und das Blog der Berliner Morgenpost.

Video Nachrichten mehr
Queen of Soul Aretha Franklin braucht eine kleine Auszeit
USA Bär spaziert durch Vorort von Los Angeles
London Islamisten töten britischen Soldaten
DW In Norditalien kommt die Erde nicht zur Ruhe
 
tb_airberlin.gif
airberlin - Destination…

airberlin baut die Verbindungen nach Polen aus. Erfahren…mehr

tb_Erste-Adressen.jpg
Berlins Erste Adressen

Eine Initiative der Berliner Kaufleute und der Berliner…mehr

Top Bildershows mehr
Jeden Tag

Kopfnoten für Politiker, Manager und Prominente

Willkommen in Berlin

Hurra, ich bin da! Das sind Berlins süße Babys

Fotogalerie

Das sind die Berliner Bilder des Tages

Bilder von oben

Das zerstörte Oklahoma City aus der Luft

 
In eigener Sache
Weitere Morgenpost Angebote