04.02.13

Luftfahrt

Air Berlin verschärft erneut den Sparkurs

Bei Deutschlands zweitgrößter Fluggesellschaft Air Berlin geht es jetzt ans Eingemachte. Der neue Chef Wolfgang Prock-Schauer will die Kosten um weitere 50 Millionen Euro senken. Alle sollen verzichten.

Foto: dapd

 Die angeschlagene Fluglinie Air Berlin leidet unter zunehmendem Passagierschwund. Im Dezember 2012 beförderte die zweitgroesste deutsche Airline gut 1,8 Millionen Passagiere und damit 8,5 Prozent weniger als im Vorjahresmonat
Die angeschlagene Fluglinie Air Berlin leidet unter zunehmendem Passagierschwund. Im Dezember 2012 beförderte die zweitgroesste deutsche Airline gut 1,8 Millionen Passagiere und damit 8,5 Prozent weniger als im Vorjahresmonat

Zwei Wochen nach Vorstellung des jüngsten Sparprogramms zieht Air Berlin die Kostenschraube nochmals an. Bis Ende 2014 werde nun angepeilt, die Kosten im Unternehmen um 450 Millionen Euro zu senken, heißt es in der Mitarbeiterzeitung der zweitgrößten deutschen Fluglinie.

Mitte Januar hatte das Management um den neuen Vorstandschef Wolfgang Prock-Schauer noch erklärt, mit Hilfe des Sanierungsplans "Turbine" die Ausgaben um 400 Millionen Euro verringern zu wollen.

Der Umbau geht wie angekündigt nicht an den Mitarbeitern vorbei: Rund 900 der insgesamt 9300 Arbeitsplätze fallen weg. Die Gespräche mit den Arbeitnehmervertretern über den Abbau haben bereits begonnen.

Auch Management verzichtet auf Gehalt

Auch die Manager leisteten einen Beitrag. Der Vorstand habe die eigenen Bezüge um zehn Prozent gekürzt, und mehr als 90 Prozent der Führungskräfte hätten einem Gehaltsminus von fünf Prozent zugestimmt.

Die restlichen Beschäftigten sollten nun einmalig auf ihr 13. Monatsgehalt verzichten, um einen Beitrag zur Sanierung zu leisten, hieß es. "85 Prozent der Einsparungen wollen wir durch Verhandlungen mit Flughäfen, Lieferanten und aus Verbesserungen im operativen Bereich erzielen", wird Prock-Schauer in der Mitarbeiterzeitung der Airline zitiert.

"Konstruktive Gespräche mit allen unseren Partnern spielen daher für den Erfolg von Turbine eine zentrale Rolle, um unsere Kosten zu senken." Ganz oben auf der Liste der externen Gespräche stehen in früheren Zeiten geschlossene Verträge, Gespräche mit Leasinggebern, Reiseveranstaltern und Flughäfen.

Zudem sollen in den kommenden Wochen Crew- und Wartungsstandorte der Air Berlin zusammengelegt werden, um die Produktivität weiter zu erhöhen, Komplexität und Kosten zu senken und vor allem bei unvorhergesehenen Änderungen schneller reagieren zu können.

Creweinsatz soll besser geplant werden

"Wir wollen den Flugplan so aufstellen, dass Crew und Flugzeug möglichst abends zu ihrer Base zurückkehren", erklärte Prock-Schauer. Das spart Übernachtungskoten "Gleichzeitig streben wir eine effektivere Einsatzplanung für die Crews an."

Nach einer übereilten Expansion und hohen Verlusten befindet sich Air Berlin schon seit einiger Zeit in einer harten Sanierung. Sparen steht dabei im Mittelpunkt: Allein im vergangenen Jahr sollten mit dem abgelaufenen Sparprogramm die Kosten um 230 Millionen Euro gesenkt werden.

Zuletzt hatte die Airline 2007 einen Jahresüberschuss eingeflogen. Um über die Runden zu kommen, holte Air Berlin Ende 2011 die kapitalkräftige Etihad Airways an Bord – das Unternehmen aus dem Golf-Emirat Abu Dhabi stieg mit knapp 30 Prozent bei Air Berlin ein und half seitdem mit mehr oder weniger direkten Finanzspritzen aus.

Zuletzt flossen der Air Berlin über einen Teilverkauf des Kundenbindungsprogramms "Top Bonus" rund 185 Millionen Euro an liquiden Mitteln zu. Diese Kapitalspritze wurde aber wesentlich durch einen Kredit an die neue "Top-Bonus-Gesellschaft" finanziert, für den mehrheitlich die arabische Airline bürgt.

Etihad fliegt mit Gewinn

Diese fliegt unterdessen in ihrem Kerngeschäft mit zunehmenden Erfolg. So verkündete deren Chef James Hogan zum zweiten Mal eine Gewinn.

Der Jahresüberschuss lag 2012 bei 42 Millionen Dollar (knapp 31 Millionen Euro) und damit um 200 Prozent höher als im Vorjahr, wie das Unternehmen in Abu Dhabi mitteilte. Die 2003 gegründete Fluggesellschaft hatte 2011 erstmals schwarze Zahlen geschrieben und einen Gewinn von 14 Millionen Dollar verbucht.

Ende 2012 beschäftigte die Fluggesellschaft mehr als 10.600 Mitarbeiter. Der Umsatz erhöhte sich demnach um 17 Prozent auf 4,8 Milliarden Dollar. Damit liegt die Gewinnmarge bei rund einem Prozent und damit höher als bei den meisten europäischen Wettbewerbern. Verantwortlich für das gute Ergebnis seien vor allem Verbesserungen beim Umsatz, bei Passagierzahlen und Kostenkontrolle.

Die Zahl der Passagiere schnellte um 23 Prozent auf 10,3 Millionen in die Höhe, wofür vor allem die Partnerschaften mit anderen Fluggesellschaften verantwortlich waren. Die arabische Airline ist zu 100 Prozent im Besitz des Golf-Emirats Abu Dhabi.

Quelle: eag./Reuters
Quelle: Reuters
07.01.13 1:49 min.
Mehdorn tritt mit sofortiger Wirkung als Vorstandschef zurück. Zuletzt hatte Air Berlin unter anderem die immer wieder hinausgeschobene Eröffnung des Berliner Großflughafens zu schaffen gemacht.
© Berliner Morgenpost 2014 - Alle Rechte vorbehalten
P.S.: Sind Sie bei Facebook? Dann werden Sie Fan von der Berliner Morgenpost.
Die Favoriten unseres Homepage-Teams

Multimedia
Vielflieger

Wer sind eigentlich die Flugbegleiter?

Themen
Top-Thema
title
Die besten Berlin-Videos

Das sind die Youtube-Favoriten der Redaktion.

Video Nachrichten mehr
Mexiko Ist diese Frau der älteste Mensch der Geschichte?
Mexiko Hunderttausende tote Fische machen Fischern Sorgen
Kampf gegen IS USA fliegen tonnenweise Hilfsgüter in den Nordirak
Erdrutsche Hochwasser in China führt zu acht Toten
Die Welt - Aktuelle News
  1. 1. AuslandErmordeter JournalistSeine Entführer hatten schon auf Sotloff gewartet
  2. 2. KommentareRussland-KriseGegen Putin muss die Nato eine harte Antwort finden
  3. 3. AuslandUkraine-KonfliktDiese Sanktionen könnten auf Russland zukommen
  4. 4. AuslandSicherheitstruppObama schickt 350 weitere Soldaten in den Irak
  5. 5. Panorama"Welt"-Nachtblog++ Polizei erschießt wütende Kuh in München ++
Top Bildershows mehr
Bürgermeister-Karriere

Klaus Wowereit und der Abstieg vom Gipfel

Willkommen in Berlin

Hurra, ich bin da! Das sind Berlins süße Babys

Jeden Tag

Kopfnoten für Politiker, Manager und Prominente

Nina Hagens Tochter

Schauspielerin Cosma Shiva Hagen

In eigener Sache
Weitere Morgenpost Angebote