04.02.13

Karosserievariante

Auch mit Stufenheck kann Opels Astra glänzen

Kompakte Autos mit separatem Kofferraum gelten hierzulande als Rentnermobile. Doch der Stufenheck-Astra zeigt Größe und bietet flotte Formen. So könnte er dem größeren Insignia gefährlich werden.

Foto: Opel

Flotte Form – Opel ist es gelungen, die Stufenheck-Karosserie wie aus einem Guss erscheinen zu lassen.

6 Bilder

Mit Stufenhecks ist das so eine Sache. Eine Luxuslimousine ist immer eine, na klar, Limousine. Auch bis in die Mittelklasse hinein ist man mit einem klassischen Kofferabteil hinter dem Fahrgastraum immer gut angezogen. Doch je weiter man hinunter geht, desto schlechter wird das Image der Limousine: Langweiler-Auto, Opa-Mobil – kleine und kompakte Stufenhecks liegen nicht wirklich im Trend.

Allerdings gibt es auch Länder, in denen man das anders sieht, zum Beispiel im Süden und Osten Europas. Deshalb gibt es zum Beispiel den Opel Astra auch als Limousine. Und weil es ihn gibt, kann man ihn nun auch in Deutschland kaufen.

Die Form ist gestreckt und absolut nicht kastig oder klobig, optisch wirkt der Astra ein wenig wie ein verkleinerter Insignia. Dank der mittelklasse-verdächtigen Länge von 4,65 Metern leiden auch die Proportionen nicht unter dem Karosserie-Fortsatz.

Mehr Kofferraum als im Schrägheck

Wie auch bei den anderen Astra-Derivaten finden sich die großzügigen Außenabmessungen im Innenraum jedoch nur bedingt wieder. Vorne sitzt es sich aber recht kommod, vor allem dank der sehr guten Bestuhlung. Hinten geht es zwar etwas enger zu, außer 1,90-Meter-Plus-Passagieren muss sich aber niemand eingeschränkt fühlen.

Der Kofferraum fasst mit 460 Litern deutlich mehr Gepäck als beim Schrägheck-Astra – zumindest dann, wenn dessen Rückbank nicht umgeworfen wird. Und wer die Rücksitze beim Stufenheck umklappt, der kann auch lange Gegenstände laden. Die Ladekante liegt zwar etwas zu hoch, dafür ist die Öffnung so großzügig bemessen, dass auch sperrige Güter in den Kofferraum finden.

Nervig ist allerdings, dass der Kofferraumgriff fehlt. Die Klappe lässt sich nur über den Funk-Schlüssel oder einen Schalter im Cockpit öffnen – das sorgt für vermeidbare Rundläufe ums Auto, wenn gerade jemand anders den Schlüssel hat. Dafür schwingt die Klappe dank kräftiger Gasdruckdämpfer selbstständig auf – fast so als wäre ein Elektromotor an Bord.

Etwas komfortabler abgestimmt

Generell ist der Wagen vor allem auf Komfort abgestimmt. Das Fahrwerk wirkt etwas weicher als bei Fünf- und Dreitürer, die Lenkung ist auf unspektakuläre Art präzise, das macht sich gut auf der Landstraße. Zum reisetauglichen Charakter passt auch der Motor des Testwagens, der mittlere der drei angebotenen Diesel. Der 110 PS starke 1,7-Liter-Vierzylinder ist zwar etwas brummig und nagelt beim Kaltstart kräftig – dafür bietet er aber 280 Newtonmeter Drehmoment, das sind ausreichend Kraftreserven für die täglichen Anforderungen.

Überholen will allerdings gut geplant sein, die Spurtzeit liegt bei über zwölf Sekunden. Wer vorausschauend herunterschaltet ist klar im Vorteil, sechs manuell wählbare Gänge stehen zur Verfügung.

Ist der Astra aber erst einmal auf Reisegeschwindigkeit, schwimmt es sich im Autoverkehr auch auf den beiden linken Spuren gut mit. Weniger überzeugend ist aber der Verbrauch: Rund 6,2 Liter genehmigt sich die Limousine, fast zweieinhalb mehr als im Datenblatt versprochen. Und das, obwohl es sich um die besonders sparsame Ecoflex-Variante handelt.

500 Euro Stufenheck-Aufpreis

Von den Abmessungen her ist der Stufenheck-Astra fast schon Mittelklasse, was den Preis angeht, bleibt er Kompakt. Exakt 22.375 Euro kostet die Variante mit dem 110-PS-Diesel – 500 Euro mehr als der Fünftürer mit Schrägheck, 600 Euro weniger als der Kombi.

Wer eine ordentliche Ausstattung will, sollte allerdings mindestens das Modell "Edition" wählen, das 1315 Euro Aufpreis kostet. Auch dann kommt man immerhin noch deutlich billiger weg als beim Kauf des größeren Insignia, der mit dem gleichen Motor für 25.450 Euro zu haben ist. Der bietet zwar deutlich mehr Kofferraum und etwas bessere Beinfreiheit im Fond, aber dafür stoßen dort Großgewachsene schneller mit dem Kopf ans abfallende Dach.

Aus der Nische wird der Stufenheck-Astra hierzulande wohl trotz allem nicht herausfahren. In anderen Regionen schätzt man allerdings seine Vorteile – nicht zuletzt den, dass Diebe schlechter an den Kofferraum kommen als das bei Kompakten oder Kombis der Fall ist. Für wen das ein Argument ist, der kann über die Variante nachdenken.

Im Vergleich mit der drei- und fünftürigen sowie der Kombi-Version des Astra dürfte das Stufenheckmodell zumindest hierzulande ein Nischendasein führen. Wer aber ein kompaktes Reiseauto sucht, wird hier fündig. Denn grade dafür kann der abgeschlossene Kofferraum ein Argument sein, bietet er doch deutlich mehr Schutz gegen Diebstahl als eine Heckklappe. Nicht zuletzt deshalb sind derartige Autos auch in vielen anderen Ländern besonders gefragt.

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