04.02.2013, 11:36

Zuwanderung OECD kritisiert deutschen "Anwerbestopp"


Tschechischer Ingenieur beim Ventilatoren- und Motorenhersteller Ziehl-Abegg: Im Vergleich zu anderen Ländern wagen sich vergleichsweise wenige Fachkräfte auf den deutschen Arbeitsmarkt, vor allem aus dem EU-Ausland

Foto: Cira Moro

Schlechtes Zeugnis: Laut OECD hinkt Deutschland bei der Zuwanderung von hoch qualifizierten Fachkräften deutlich hinterher. Das deutsche System werde im Ausland als „restriktiv“ wahrgenommen.

Deutschland hinkt bei der Zuwanderung hoch qualifizierter Fachkräfte im internationalen Vergleich deutlich hinterher. Dabei sind die Hürden hierzulande durchweg niedriger als in den anderen Industrienationen.

Das geht aus dem Bericht "Zuwanderung ausländischer Arbeitskräfte: Deutschland" der Internationalen Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) hervor.

Laut Bericht kommen jährlich nur rund 25.000 Arbeitsmigranten aus Ländern außerhalb der EU und der Europäischen Freihandelsregion EFTA nach Deutschland. Das seien etwa 0,02 Prozent der Bevölkerung.

Australien, Dänemark, Kanada und England verzeichneten dagegen fünf bis zehnmal so viele beschäftigungsorientierte Zuwanderer.

Arbeitsmigration sollte grundsätzlich erlaubt werden

Das deutsche Zuwanderungssystem werde "im In- und Ausland als restriktiv und schwer zugänglich wahrgenommen": als "Anwerbestopp mit Ausnahmen". Aus OECD-Sicht sollte Deutschland einen Perspektivwechsel vornehmen und Arbeitsmigration unter klar definierten Voraussetzungen grundsätzlich erlauben.

Die Studie empfiehlt, Online-Anträge möglich zu machen und deren Bearbeitungsstand im Internet einsehen lassen zu können. Mehr Anstrengungen seien zudem bei der Förderung von Deutschunterricht in den Herkunftsländern gut qualifizierter Fachkräfte nötig.

Die Befürchtung, ausländische Fachkräfte könnten nicht gut genug deutsch, ist der am dritthäufigsten angegebene Grund von Unternehmen, die zurückhaltend bei der Anwerbung sind.

Angesichts der demografischen Entwicklung mit absehbar starkem Rückgang erwerbsfähiger Personen gilt der Zuzug von Fachkräften als Schlüssel zur Sicherung der Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands. Es fehlen vor allem Mathematiker, Naturwissenschaftler und IT-Fachleute.

Im vergangenen Jahr traten Gesetze zur leichteren Anerkennung ausländischer Berufsabschlüsse und geringeren Einkommensgrenzen für Zuwanderer inkraft. Erste Bilanzen zeigten jedoch, dass die gelockerten Regeln zunächst eher zurückhaltend genutzt wurden.

(dpa/epd/lw)
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