03.02.13

Fluggeschäft

Bei der spanischen Iberia droht der Ausverkauf

Die angeschlagene Airline Iberia fliegt täglich einen Verlust von 1,7 Millionen Euro ein. Um die Kosten zu senken, sollen 4000 Stellen wegfallen. Doch gegen die Sparpläne regt sich nun Widerstand.

Von Ute Müller
Foto: REUTERS

Trauer tragende Iberia-Angestellte protestieren in Madrid gegen Stellenstreichungen.
Trauer tragende Iberia-Angestellte protestieren in Madrid gegen Stellenstreichungen.

Was hat British Airways (BA) eigentlich mit Iberia vor? Das fragt man sich in Madrid immer öfter. Beide Fluglinien sind seit letztem Jahr unter dem Dach der Holdinggesellschaft IAG vereint, doch während die Briten einen rasanten Expansionskurs steuern, zieht der Juniorpartner Iberia bei der Fusion stets den Kürzeren.

Letzte Woche scheiterten auch noch die Gespräche zwischen den Gewerkschaften und der Iberia-Spitze über ein Sanierungskonzept für die angeschlagene spanische Fluglinie. Die Angst vor einem langen Arbeitskonflikt dürfte fortan viele Kunden vertreiben, schwierige Wochen liegen vor der spanischen Airline. Denn IAG-Chef Willie Walsh ist fest entschlossen, Iberia mit drastischen Einschnitten bis 2015 wieder in die Gewinnzone zurückbringen.

Das Flugangebot soll um 15 Prozent gekürzt werden, etwa 4000 Iberia-Angestellte sollen entlassen werden und die verbleibenden 16.000 Mitarbeiter müssen sich auf Lohnkürzungen von 25-35 Prozent einstellen.

Flüge nach Berlin gestrichen

Doch die spanischen Gewerkschaften wollen nicht klein beigeben. In der zweiten Februarhälfte wird an mindestens fünf Tagen gestreikt, weitere Aktionen sind nicht ausgeschlossen. "Unsere schlimmsten Befürchtungen haben sich bewahrheitet: IAG lag nie etwas an einem Kompromiss mit den Gewerkschaften, sie wollten von Anfang an ihr knallhartes Sanierungskonzept durchziehen", so ein Gewerkschaftssprecher.

Aus ihrer Sicht soll Iberia langfristig zu einer Low-Cost-Tochter von BA degradiert werden und vor allem als Zubringer von Passagieren ans BA-Drehkreuz Heathrow fungieren. Schon jetzt hat Iberia ihre Flüge von Madrid nach Berlin gestrichen, die spanischen Passagiere müssen jetzt den Umweg über London wählen.

Auch einige Lateinamerika-Routen wurden eingemottet, obwohl die Spanier lange Zeit stolz darauf waren, auf diesen Strecken Marktführer zu sein. Zudem trat Iberia einige der lukrativen Slots in Miami und Rio de Janeiro ab, den Zuschlag erhielt natürlich BA.

25 Flugzeuge stillgelegt

"Dramatische Situationen brauchen auch dramatische Lösungen", so Iberia-Chef Rafael Sánchez Lozano. "Wir kämpfen ums Überleben, unsere Fluglinie verliert Geld auf allen Märkten, wir kommen um harte Entscheidungen nicht herum", so der gelernte Banker, der bei seinen Landsleuten als Erfüllungsgehilfe von BA gilt.

"Solche Leute hätten wir früher geteert und gefedert und dann außer Landes gejagt", erregte sich ein Iberia-Kunde in einem Leserbrief an die konservative Tageszeitung "ABC".

In den ersten neun Monaten des letzten Jahres, die ganzjährigen Bilanzzahlen stehen noch aus, hat die spanische Airline täglich einen Verlust von 1,7 Millionen Euro eingeflogen, der Fehlbetrag beläuft sich in den ersten neun Monaten auf 262 Millionen. Das ist fast so viel, wie der Partner British Airways (BA) im gleichen Zeitraum an Gewinn erzielt hat, nämlich 286 Millionen Euro.

Doch damit nicht genug. 25 Flugzeuge, darunter auch fünf Langstreckenflugzeuge werden stillgelegt, das entspricht einem Viertel der Flotte. Insgesamt will Sánchez-Lozano das Betriebsergebnis in den kommenden drei Jahren durch Einsparungen und Zusatzeinnahmen aus Serviceleistungen um 600 Millionen Euro erhöhen und so in die Gewinnzone zurückfliegen.

Sind drastische Einschnitte wirklich nötig?

Doch ob die drastischen Einschnitte bei Iberia wirklich nötig sind, darüber streiten sich Flugexperten. "Iberia wäre schon sehr geholfen, wenn man die Flugpläne verbessern würde", heißt es auf einem einschlägigen Internetportal. Die Lateinamerikaflüge kommen zu spät in Madrid an, so dass die Passagiere in einem Hotel untergebracht werden müssen, bis sie den Anschlussflug nehmen können.

An den Nachmittagen ist es umgekehrt, dann werden zu viele Passagiere nach Madrid gebracht, die Lateinamerikaflüge heben erst am nächsten Tag ab". Auch die spanische Transportministerin Ana Pastor ist der Auffassung, dass die Umstrukturierung von Iberia nicht allein auf Entlassungen und Flugstreichungen basieren dürfe. "Hier geht es nicht nur um die Wünsche der Aktionäre, das Unternehmen spielt eine Schlüsselrolle für den Tourismus in Spanien".

Regierung in Madrid kann Entscheidungen blockieren

In der Tat ist der Tourismus in Spanien derzeit der einzige Wirtschaftszweig, der positive Wachstumsdaten ausweisen kann. Im letzten Jahr kamen fast 58 Millionen Touristen ins Land und sorgten für Rekordeinnahmen von 55,6 Milliarden Euro. "Die Regierung wird sich für die Interessen unseres Landes einsetzten und dafür sorgen, dass Iberia groß bleibt", so Pastor.

Das sind nicht nur leere Versprechungen. Denn der spanische Staat ist über die mittlerweile nationalisierte Sparkasse Bankia noch mit rund 12 Prozent an IAG beteiligt und damit größter Einzelaktionär.

"Im Aufsichtsrat könnten die Spanier ihre Sperrminorität ausnutzen und die Umstrukturierung von Iberia zumindest zeitweise blockieren, so die Wirtschaftszeitung "El Economista". Die entsprechenden Schutzklauseln aus dem Fusionsvertrag gelten noch bis 2016.

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