03.02.13

Opernball

Wien tanzt, trinkt, stolziert – und verdient

Diese Woche steigt der Opernball in Wien: Wenn im Frack und üppigen Ballkleidern der Champagner getrunken wird, geht es nicht nur um Eitelkeiten – sondern auch um ein Business mit Millionenumsatz.

Von Reinhard Engel
Foto: dpa

Der Ball ist rund: Die Wiener Staatsoper, wo am 7. Februar der Opernball stattfinden wird
Der Ball ist rund: Die Wiener Staatsoper, wo am 7. Februar der Opernball stattfinden wird

"Natürlich freut es mich, wenn man in dieser Woche in Wien nur schwer Fünf-Sterne-Zimmer bekommt." Der Opernball, der an diesem Donnerstag den Höhepunkt der Wiener Ballsaison markiert, ist für die österreichischer Hauptstadt ein alljährlicher Glücksfall – und ein hochprofitables Unternehmen.

Von den nüchternen Zahlen her bleibt der Beitrag der 5000 Opernball-Gäste zu den Übernachtungszahlen zwar bescheiden – im Rekordjahr 2012 zählten die Wiener 12,3 Millionen Hotel-Übernachtungen. Aber die Wochen nach Weihnachten gelten in allen Metropolen als schwierig, und da sind die Tänzer und Champagnertrinker von außen besonders willkommen.

Dabei ist der Opernball nur das üppig dekorierte Flaggschiff einer ganzen Flotte. 450 Bälle finden in einer Saison in Wien statt, und die örtliche Wirtschaftskammer hat berechnet, dass sich das immerhin auf 490.000 Besucher summiert, ein Viertel von jenseits der Stadtgrenzen. Besonders die ausländischen Gäste zeigen sich spendabel. Sie geben pro Person 275 Euro aus: für Ballkarten, Getränke, Friseure oder Taxis.

Damit kommt man freilich auf dem Opernball nicht weit. Allein die einfache Eintrittskarte kostet 250 Euro, ein reservierter Tisch für sechs Personen schlägt mit 1080 Euro zu Buche, eine Rangloge immerhin mit 18.500. Da hat der Gast noch kein Glas Mineralwasser konsumiert, geschweige denn ein Getränk, das perlt.

Abenkleider kosten schnell mal 3000 Euro

Rund 1,1 Millionen Euro spielte der Opernball im Vorjahr ein, und der Direktor der Wiener Staatsoper, der Franzose Dominique Meyer, zeigt sich naturgemäß begeistert über "die wunderbare Veranstaltung, die großartige Tradition". Ihm ermöglicht diese Nacht die Finanzierung von zwei neuen Produktionen in seinem Haus. Das Geld beim Opernball kommt nicht nur von den Eintrittspreisen. Viele Sponsoren werben auf dem Ball für ihre Produkte.

Unter den Werbepartnern sind auch zahlreiche Modehäuser der österreichischen Hauptstadt. Dort sollen die Besucherinnen schließlich ihre Kleider für den großen Auftritt in der Oper finden. Günstige Ballkleider in den großen Kaufhäusern beginnen schon bei 100 Euro, es geht aber auch deutlich luxuriöser.

"Für den Opernball geben unsere Kundinnen im Schnitt 3000 Euro aus", erzählt Rainer Trefelik, Besitzer des traditionsreichen Hauses Popp & Kretschmer, direkt gegenüber der Oper. "Aber Designer-Abendkleider können schon bis zu 7500 Euro kosten." Trefelik kann den Opernball leicht in seinen Bilanzen erkennen: "Die Wochen davor stechen ganz klar heraus. "

Deutsche Mittelständler sind treue Opernball-Gäste

Er ist mit seinem Januar-Februar-Glück unter den Wiener Unternehmern in guter Gesellschaft. Ob maßgeschneiderte Frackhemden bei der Wiener Traditionsfirma Venturini, ob eleganter Schmuck beim einstigen Hoflieferanten Köchert, die Ballbesucher beschränken sich mit ihren Ausgaben nicht nur auf den festlichen Abend. "Wenn jemand mit seiner Frackwäsche zufrieden ist, dann lässt er sich auch zeigen, was wir sonst noch können", sagt Hemdenmacher Nicolas Venturini.

Die Einkäufe müssen nicht unbedingt mit dem Opernball zu tun haben. So schauen manche im Trachtengeschäft Tostmann vorbei, selbst wenn sie kein Dirndl für den Jägerball brauchen. Oder sie kaufen feine Tischwäsche bei der Schwäbischen Jungfrau am Graben, einem Geschäft, das als Gründungsjahr 1720 über dem Portal trägt.

Diese zahlungskräftige Gruppe, oft wohlhabende Mittelständler aus Deutschland, zählt zu den treuesten Ball-Fans. Daneben gibt es eine – prominentere – Schicht, der es am Abend deutlich nüchterner um Geschäftsanbahnungen oder Kundenpflege geht. "In dieser Gruppe ist Zeit immer knapper geworden, sie bleiben oft nur mehr ein, zwei Nächte", erzählt Reiner Heilmann, Direktor des Hotel Sacher. Das hält diese Gäste freilich nicht davon ab, vor Ballbeginn in seinem Haus das Menü um 350 Euro zu buchen.

Auch Prominente sollen wieder für Glanz sorgen

Kühles ökonomisches Kalkül kann man auch dem langjährigen Faktotum des Opernballs, dem ehemaligen Bauunternehmer Richard Lugner, nicht absprechen. Immer wieder überraschte er mit – bezahlten – Ehrengästen aus der Filmwelt – von Grace Jones bis Sophia Loren.

Auch dieses Jahr lässt er sich nicht lumpen. Gleich zwei Gäste hat er eingeladen, Gina Lollobridgida und die US-Schauspielerin und Oscar-Preisträgerin Mira Sorvino. Doch Lugner bedient nicht nur seine eigene Eitelkeit. Im Vertrag mit den Balldamen ist stets auch ein Besuch in seinem vorstädtischen Einkaufszentrum enthalten.

Einer der diesjährigen bunten Gäste, der deutsche Designer Harald Glööckler, legt großen Wert darauf, dass er mit Lugner nichts zu tun habe und seine Loge selbst bezahle. Er möchte Kunden etwas Gutes tun und auch mit seinem langjährigen Partner feiern.

Das dürfte den Wiener Tourismus-Direktor freuen: Denn eine der am heftigsten umworbenen Zielgruppen für Städtereisen sind Schwule und Lesben: Sie geben überdurchschnittlich viel aus. Und wenn sich eine Verbindung aus traditioneller Opern-Soirée und schrillem Life-Ball ergibt, was kann man sich besseres wünschen.

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