01.02.13

Hauptstadtflughafen

Parkhaus steht bei BER-Erweiterung im Weg

Hans-Olaf Henkel übt scharfe Kritik am Aufsichtsrat des Flughafens. Wilhelm Bender als möglicher neuer Chef, wäre für ihn der richtige Mann. Zuvor hat die IHK Vorschläge zum Ausbau gemacht.

Foto: picture alliance / dpa

Der frühere BDI-Chef Hans-Olaf Henkel sieht schwere Fehler des Aufsichtsrats
Der frühere BDI-Chef Hans-Olaf Henkel sieht schwere Fehler des Aufsichtsrats

Der frühere Berliner Flughafen-Aufsichtsratschef und spätere BDI-Präsident Hans-Olaf Henkel hat die Vorgänge um den Berliner Chaos-Flughafen scharf kritisiert. Er legte dem Aufsichtsrat des Hauptstadtflughafens schwere Fehler in den vergangenen Jahren zur Last, die zu dem aktuellen Debakel um ausufernde Kosten und geplatzte Eröffnungstermine geführt hätten.

Wilhelm Bender als möglichen neuen Chef des Hauptstadtflughafens hält Henkel für den richtigen Mann. "Wenn es gelänge, den Herrn Bender dazu zu bewegen, noch mal etwas fürs Vaterland zu tun, dann hätten wir wirklich einen Riesenfortschritt gemacht", sagte Henkel am Freitag im Untersuchungsausschuss des Berliner Abgeordnetenhauses zum Flughafenfiasko.

Der frühere Chef des Frankfurter Flughafens, Bender, hat nach unbestätigten Informationen ein Angebot aus Berlin erhalten, aber seine Entscheidung noch nicht getroffen. Der bisherige Flughafenchef Rainer Schwarz war wegen der großen Baumängel und der mehrfachen Verschiebung des Eröffnungstermins entlassen worden.

Fehlender Generalunternehmer

Henkel warf dem Aufsichtsrat schwere Fehler vor. So sei die Verantwortung sei in der Flughafen-Geschäftsführung nicht klar verteilt gewesen, weil der kürzlich gefeuerte Flughafenchef Schwarz nur ihr Sprecher war, nicht aber Vorsitzender. Es sei auch falsch gewesen, den Bau nicht einem Generalunternehmer aufzutragen. "Die Gesellschafter hatten keine Bauerfahrung", sagte Henkel, allenfalls mit Parkplatzerweiterungen in Tegel.

Henkel betonte, Ursache des Debakels sei aber nicht, dass Politiker im Aufsichtsrat des Flughafens sitzen. Henkel war von 1994 bis 1996 Vorsitzender des Kontrollgremiums. Bis in seine Amtszeit reichten die Wurzeln des Debakels nicht, hob Henkel hervor. "Da sind sie auf dem Holzweg, wenn sie meinen, da etwas zu finden", sagte er den Abgeordneten. Diese stellten ihm vor allem Fragen dazu, wie es zur Entscheidung für den Standort Schönefeld an der Berliner Stadtgrenze kam.

Henkel verteidigte sein damaliges Vorgehen, die Gesellschafter – die Länder Berlin, Brandenburg und den Bund – über den Standort entscheiden zu lassen, nicht den Aufsichtsrat. "Der Aufsichtsrat war eine Schlangengrube." Es herrschten demnach Chaos und Grabenkämpfe in dem Gremium.

Wenn der Aufsichtsrat zu einer Entscheidung fähig gewesen wäre, hätte er sich wohl für Sperenberg entschieden, sagte Henkel. Besonders die Arbeitgeberseite zusammen mit der Gewerkschaft ÖTV sei dafür gewesen. Henkel überließ die Entscheidung deshalb dem damaligen Bundesverkehrsminister Matthias Wissmann (CDU) sowie den Ex-Länderchefs Eberhard Diepgen (CDU) und Manfred Stolpe (SPD).

IHK macht Vorschläge zum BER-Ausbau

In der Berliner Industrie- und Handelskammer (IHK) sorgt man sich, dass der BER das Wirtschaftswachstum in der Hauptstadtregion bremsen könnte, wenn nicht schon jetzt Erweiterungsarbeiten vorgenommen werden. "Die Leistungsfähigkeit des künftigen Hauptstadtflughafens BER wird ein entscheidender Faktor für die Wirtschaftsentwicklung Berlins sein", sagt Christian Wiesenhütter, stellvertretender Hauptgeschäftsführer der IHK Berlin.

Seit der Planfeststellung habe sich der Berliner Luftverkehr rasant entwickelt und mit ihm die Wirtschaftskraft der Hauptstadtregion. Der künftige Großflughafen müsse in der Lage sein, diese Nachfrage auf absehbare Zeit abwickeln zu können.

In einem Positionspapier hat die IHK mögliche Lösungsansätze zur Erweiterung des Flughafens aufgeführt. So soll das Terminalgebäude erweitert werden, um Platz für zusätzliche Check-in-Schalter und Sicherheitskontrollen zu schaffen. Dafür könne man als Erstes die Pavillongebäude ausbauen. Langfristig müssten aber wahrscheinlich bestimmte Gebäudeteile wieder abgerissen werden.

So stünde unter anderem das Parkhaus im Süden des Terminals im Weg. Eine der größten Schwachstellen ist die Gepäckausgabe. Die vorhandenen acht Gepäckbänder werden nach derzeitiger Einschätzung nicht reichen, um die Koffer zuverlässig und zeitnah zu befördern. Auch hier sieht die IHK dringend Handlungsbedarf.

Zwangsführung hinter Sicherheitscheck soll weg

Zudem sollte die Zwangsführung der Passagiere hinter dem Sicherheitscheck aufgeben werden, heißt es in dem IHK-Papier. Stattdessen schlagen die Verfasser vor, direkte Zugänge von den äußeren Sicherheitskontrollen in den Pavillons zu den Piers zu öffnen. Auf diese Weise würden sich die Passagiere den Umweg über den Marktplatz mit Restaurants und Geschäften sparen.

Dadurch würde allerdings den Mietern am BER zusätzlicher Umsatz entgehen, was sicherlich langfristig wiederum die Einnahmen des Flughafens schmälern würde. Weiterhin empfiehlt die IHK, den Nord- und Südpier so weit wie möglich zu verlängern, um die Zahl der Gates zu erhöhen.

Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) hat auf Ausbauwünsche zurückhaltend reagiert. Die Kapazität des Neubaus sei noch nicht überschritten, sagte Wowereit am Donnerstag dem Radiosender 104.6 RTL. Insofern geht es jetzt erst mal darum, tatsächlich einen Flughafen zum Fliegen zu bringen und die Probleme zu lösen, die da sind.

Quelle: dpa/dma
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