01.02.13

Industrie-Umfrage

Wende in Deutschland, Frankreich schmiert ab

Die deutschen Industrieunternehmen schöpfen wieder Hoffnung: Einer aktuellen Umfrage zufolge sind sie beim Produktionswachstum in der Euro-Zone Spitzenreiter. Frankreich fällt dagegen völlig ab.

Foto: dpa

Container-Hafen in Duisburg: Die Konjunkturaussichten für Deutschland hellen sich auf
Container-Hafen in Duisburg: Die Konjunkturaussichten für Deutschland hellen sich auf

Die deutsche Industrie hat ihre monatelange Talfahrt gestoppt. Der Einkaufsmanagerindex kletterte im Januar um 3,8 Punkte und damit so stark wie seit dreieinhalb Jahren nicht mehr. Mit 49,8 Punkten liegt das Barometer nur noch haarscharf unter der Marke von 50 Zählern, ab der es Wachstum signalisiert.

"Die deutsche Industrie hat zu Jahresbeginn eine deutliche Trendwende erlebt", sagte Markit-Ökonom Tom Moore, dessen Institut jeden Monat 500 Unternehmen befragt. Die Produktion habe nach neun Monaten erstmals wieder zugelegt.

Auch die Auftragsbücher füllen sich allmählich wieder. "Am deutlichsten verbesserte sich dabei die Nachfrage auf dem heimischen Markt", hieß es. Die exportorientierten Unternehmen hätten dagegen leichte Einbußen verkraften müssen. "Aber auch hier zeigte sich eine gewisse Entspannung, da der wieder zunehmende Bedarf aus Asien die nach wie vor schwache Nachfrage aus Südeuropa zumindest teilweise kompensierte", betonte das Markit-Institut.

Damit steigt die Hoffnung, dass die Unternehmen bald wieder mehr Mitarbeiter einstellen. Im Januar gab es allerdings den stärksten Stellenabbau seit einem halben Jahr.

Auch Euro-Zone schöpft Hoffnung

Auch die Industrie in den Euro-Ländern sieht wieder Licht am Ende des Tunnels. Der Einkaufsmanagerindex kletterte im Januar um 1,8 auf 47,9 Punkte, teilte das Markit-Institut zu seiner Umfrage unter Tausenden Unternehmen mit. Das ist der höchste Stand seit knapp einem Jahr. Damit näherte sich auch dieses Barometer der Marke von 50 Zählern, ab der es Wachstum signalisiert.

"Die Daten geben Anlass zur Hoffnung, dass die Wende zum Besseren im ersten Quartal ansteht", sagte Markit-Chefvolkswirt Chris Williamson. "Vorausgesetzt, es gibt keine neuen Hiobsbotschaften beim Thema Schuldenkrise, dürfte die Euro-Zone unseren Daten zufolge zur Jahresmitte wieder auf Wachstumskurs sein."

Zu verdanken ist dies vor allem Deutschland, das beim Produktionswachstum Spitzenreiter war. "Doch auch die anziehende Exportnachfrage gab dem Industriesektor neue Impulse, insbesondere in Spanien und Italien", schrieb Markit.

Frankreich bereitet Sorgen

In Spanien erreichte das Barometer den höchsten Stand seit anderthalb Jahren, in Italien den besten Wert seit knapp einem Jahr. Sorgen bereitet dagegen Frankreich: Hier fiel das Barometer auf 42,9 Punkte – nur Griechenland weist einen noch schlechteren Wert auf.

"Die Wachstumsunterschiede auf Länderebene blieben eklatant, vor allem zwischen den beiden Schwergewichtsländern Deutschland und Frankreich", sagte Williamson. "Während die Industrieproduktion in Deutschland wieder zulegte, wurde sie in Frankreich verstärkt zurückgefahren. Frankreich war überdies das einzige Land, in dem sich die Rezession verschärfte."

Sorge bereitet die Entwicklung am Arbeitsmarkt. Die Industrie baute den zwölften Monat in Folge Stellen ab – und zwar in allen Ländern, mit Ausnahme der Niederlande. In Deutschland, Frankreich, Italien und Österreich beschleunigte sich der Jobabbau sogar.

Quelle: Reuters/cat
Quelle: Reuters
29.01.13 1:52 min.
Nach Angaben der Gesellschaft für Konsumforschung stieg das Stimmungsbarometer im Februar wieder leicht an. Und das, nachdem sich das Konsumklima zuvor gleich dreimal in Folge verschlechtert hatte.
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Deutsche und französische Wirtschaft
  • WETTBEWERBSFÄHIGKEIT

    Frankreich: In Sachen Wettbewerbsfähigkeit rutschte Frankreich 2012 im Standortvergleich des World Economic Forum um drei Ränge auf den 21. Platz ab. Die kleineren Nachbarn Niederlande (5.) und Belgien (17.) liegen noch vor der „Grande Nation“. Zwar gehört die Infrastruktur in Frankreich weiter zu den besten der Welt. Aber der Arbeitsmarkt wird als zu starr empfunden, das Steuersystem als zu wirtschaftsfeindlich: Hier belegt Frankreich nur die Ränge 111 und 128.

    Deutschland: Trotz der Euro-Krise hat Deutschland in dem globalen Standortvergleich seinen sechsten Platz behauptet und damit erstmals die USA überholt. Als Pluspunkte gelten die ausgezeichnete Infrastruktur und innovative Unternehmen, die alle Stufen der Wertschöpfung leisten können – von der Produktion bis hin zu Marketing und Vertrieb. Minuspunkte gab es dagegen für den Arbeitsmarkt, der als zu starr gilt. Kritisiert wird vor allem die mangelnde „Flexibilität der Lohnfindung“: Hier landet Deutschland auf Platz 139 von 144.

  • INDUSTRIE

    Frankreich: Zwar kann das Nachbarland mit großen Unternehmen wie den Autobauern Renault und Peugeot Citroen oder dem Atomkonzern Areva aufwarten. Allerdings fehlt es an einem breiten und exportstarken Mittelstand, der die Absatzkrise in der Euro-Zone durch wachsende Geschäfte in Asien und anderen Boomregionen ausgleichen kann. Die Industrie ist deshalb auf dem Rückzug: Sie trägt nur noch 12,6 Prozent zur Bruttowertschöpfung bei.

    Deutschland: Hierzulande haben viele „hidden champions“ ihre Heimat – also unbekannte mittelständische Unternehmen, die Nischen besetzt haben und mit ihren Produkten zu den Weltmarktführern gehören. Die Industrie erlebt in Deutschland eine Renaissance, weil diese Firmen in den Boomregionen aktiv sind. Ihr Anteil an der Bruttowertschöpfung kletterte 2011 auf 26,2 Prozent, während er zwischen 2000 und 2010 im Schnitt nur 25,1 Prozent betrug.

  • RATING

    Frankreich: Mit Fitch stuft nur noch eine der drei großen Ratingagenturen die Bonität mit der Bestnote AAA ein. Standard & Poor's entzog Frankreich das Spitzenrating vor einem Jahr und droht mit einer weiteren Herabstufung. Moody's zog im November nach.

    Deutschland: Von allen großen Ratingagenturen wird Deutschland mit AAA bewertet. Der Staatshaushalt wies 2012 trotz Konjunkturflaute erstmals seit fünf Jahren wieder einen Überschuss aus.

  • WACHSTUM

    Frankreich: Die Wirtschaft wächst nicht mehr. Von Reuters befragte Ökonomen sagen der zweitgrößten Volkswirtschaft der Euro-Zone in diesem Jahr eine Stagnation voraus. Grund dafür ist der Konsum: Er dürfte sowohl in diesem als auch im kommenden Jahr angesichts der hohen Arbeitslosigkeit stagnieren. 2014 soll ein Wirtschaftswachstum von 0,9 Prozent folgen.

    Deutschland: 0,6 Prozent Wachstum sagen die Ökonomen für 2013 voraus. Garant dafür ist der private Konsum. Er soll wegen der Rekordbeschäftigung und spürbarer Lohnzuwächse kräftiger wachsen als 2012. Für das kommende Jahr rechnen die Experten mit einem Wirtschaftswachstum von 1,7 Prozent.

  • SCHULDEN

    Frankreich: Frühestens 2015 wird Frankreich nach Einschätzung der EU-Kommission die EU-Grenze für die Neuverschuldung von drei Prozent des Bruttoinlandsproduktes wieder einhalten. Demnach wird das Defizit 2013 und 2014 bei jeweils 3,5 Prozent liegen. Der Schuldenberg soll in diesem Jahr auf 93,8 Prozent der Wirtschaftsleistung anschwellen.

    Deutschland: Bereits 2012 wurde ein Überschuss von 0,1 Prozent der Wirtschaftsleistung erzielt – dank des Steuerbooms und der Rekordbeschäftigung. Bis 2014 soll der Schuldenstand nach Prognose der EU-Kommission auf 78,4 Prozent des Bruttoinlandsproduktes fallen.

    Quellen: Thomson Reuters, Statistisches Bundesamt, EU-Kommission, Institut der deutschen Wirtschaft Köln

  • ARBEITSKOSTEN

    Frankreich: 34,20 Euro kostete 2011 eine Arbeitsstunde in der französischen Privatwirtschaft im Schnitt, in der Industrie sind es sogar 35,91 Euro. Damit ist in der EU Arbeit nur in Belgien, Schweden und Dänemark noch teurer.

    Deutschland: Im Schnitt kostete im Referenzjahr eine Stunde Arbeit in der deutschen Privatwirtschaft 30,10 Euro – das ist der siebthöchste Wert der 27 EU-Mitglieder. Der Euro-Zonen-Schnitt liegt bei 27,70 Euro. In der im internationalen Wettbewerb stehenden Industrie liegen die Arbeitskosten bei 35,66 Euro pro Stunde.

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