31.01.13

Volkswagen

VW-Betriebsratschef treibt die Manager an

Verkehrte Welt? Bernd Osterloh fordert vom Vorstand noch anspruchsvollere Absatzzahlen und stellt die Ziele in Frage. In der Debatte um die Höhe der Vorstandsbezüge ist das ein schlauer Kniff.

Foto: dpa

Der Betriebsratschef von VW, Bernd Osterloh, legt die Messlatte höher
Der Betriebsratschef von VW, Bernd Osterloh, legt die Messlatte höher

Es kommt derzeit eher selten vor, dass ein deutscher Industriekonzern seine langfristigen Unternehmensziele nach oben korrigieren will. Und noch seltener dürfte es sein, dass es der Betriebsrat ist, der den Vorstand in der Öffentlichkeit dazu auffordert.

Bei Volkswagen ist genau das der Fall: Konzernbetriebsratschef Bernd Osterloh will, dass das Management die ohnehin anspruchsvolle Messlatte noch höher legt: "Wir müssen überlegen, ob 2018 noch die richtige Größe ist", sagte Osterloh über die Zielvorgaben, die für die Zeit bis dahin festgelegt wurden.

Die weltweite Nummer eins der Autobranche wollen die Wolfsburger 2018 sein und zehn Millionen Autos pro Jahr verkaufen. Aber nach dem Lauf, den Volkswagen derzeit hat, wird die Marke deutlich früher erreicht – sofern nicht neue Krisen die Wirtschaft lähmen.

Für Osterloh, der im Präsidium des Aufsichtsrates sitzt und damit im Machtzentrum von Volkswagen, ist das Anlass, in neuen Dimensionen zu denken. Man müsse neue Ziele anvisieren, die Planung fortschreiben. Bis 2020 oder 2022, sagte er. Welche Absatzgrößen bis dahin vorstellbar sind, ließ er indessen hoffen.

Es ist auch die gute Entwicklung 2012, die Osterloh dazu bringt, den Vorstand anzutreiben. Noch hat Volkswagen für das vergangene Jahr keine Bilanz vorgelegt, aber nach Worten des Betriebsratschefs wird "der Nettogewinn für 2012 besser als im Vorjahr sein". Das war zwar erwartet worden, weil die Gewinne auch durch die Übernahme von Porsche und des Motorradherstellers Ducati gestiegen sind.

20 Millionen für Winterkorn?

Doch auch so stimmen die Absatzzahlen: 9,1 Millionen Fahrzeuge hat VW im vergangenen Jahr verkauft und damit seit 2006 jedes Jahr die Zahl praktisch um eine Million gesteigert. Damit blieb der Zwölf-Marken-Konzern – ohne die Lkw-Töchter Scania und MAN – auf Rang drei hinter General Motors und Toyota. "Wir werden in diesem Jahr weiter wachsen, aber die Marke von zehn Millionen Fahrzeugen nicht nehmen", so der Betriebsratschef. Immerhin ist man kurz vor der Zielgröße, die man eigentlich erst in fünf Jahren erreichen wollte.

Die Gedankenspiele des Gesamtbetriebsratschef haben dabei auch einen ganz praktischen Hintergrund – mit am Ende unmittelbaren Auswirkungen auf die Bezüge der Konzernvorstände. Derart rasch ist VW in den vergangenen Jahren gewachsen, dass beispielsweise Vorstandschef Martin Winterkorn nach dem derzeit geltenden Berechnungssystem für 2012 auf Bezüge von rund 20 Millionen Euro kommen könnte – das zumindest wird spekuliert.

Allein die Möglichkeit, dass das so kommt, hatte für eine Diskussion über die angemessene Entlohnung von Spitzenmanagern im Allgemeinen und der Winterkorns im Besonderen gesorgt. Der kann sich der Betriebsratschef natürlich nicht entziehen.

Womöglich Opfer des eigenen Erfolgs

Nun ist Osterloh nach eigenem Bekunden kein Freund davon, Vorstandsgehälter einfach zu deckeln. "Es gibt Verträge, die müssen eingehalten werden", sagt er. Warum auch nicht: "Hat der Vorstand etwa schlecht gearbeitet? Die Absatzzahlen sind weiter gestiegen, und das auch in einem wirtschaftlich schwierigen Umfeld." Mit derartigen Wachstumszahlen habe man bei Verabschiedung der Planung bis 2018 "wirklich nicht gerechnet", sagte der Vize-Chef des Aufsichtsrates. Daher auch die Explosion der Vorstandsbezüge.

Allerdings kann eine Fortschreibung der Strategie mit noch höheren Zielen dämpfend auf die Gehaltsentwicklung wirken – denn je schwerer es ist, die Vorgaben zu erreichen, desto größter ist die Wahrscheinlichkeit, dass sie nicht voll erreicht werden, die Boni entsprechend geringer ausfallen. "Der Aufsichtsrat denkt über eine Begrenzung des Anstiegs bei den Bezügen nach", so Osterloh. "Aber wir müssen gemeinsam mit dem Vorstand zu einer Lösung kommen." Die soll es "zeitnah" geben, voraussichtlich noch in diesem Monat.

Die IG Metall, die bei Volkswagen traditionell eine starke Rolle spielt, drängt zu Eile, weil sie ein Überschwappen der Gerechtigkeitsdebatte auf die eigene Belegschaft befürchten muss. Sollte das geschehen, wäre der Vorstand um Winterkorn "am Ende Opfer seines eigenen Erfolgs", befürchtet Osterloh.

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