29.01.13

Desertec

Ägypten soll Strom für Deutschland produzieren

Auch Ägypten soll Strom nach Deutschland liefern. Wenn Präsident Mursi bei Kanzlerin Merkel in Berlin weilt, will die Wüstenstrominitiative Desertec ein Abkommen mit Ägypten vereinbaren.

Die Desertec-Wüstenstrominitiative sucht neue Partner. "Wir werden morgen in Berlin ein Abkommen mit Ägypten unterschreiben", sagte der Geschäftsführer der Desertec-Industrie-Initiative, Paul van Son, dem "Handelsblatt" vor dem Besuch des ägyptischen Präsidenten Mohammed Mursi am Mittwoch in Berlin. Bevölkerung und Strombedarf in Ägypten wachsen rasch. "Experten rechnen bis 2050 mit Investitionen im dreistelligen Milliardenbereich", sagte Son.

Mursi kommt zu seinem ersten Deutschland-Besuch nach Berlin. Wegen der Unruhen in seinem Land wurde das ursprünglich auf zwei Tage angelegte Programm jedoch auf einen Tag zusammengestrichen. Vorgesehen ist ein Treffen mit Kanzlerin Angela Merkel. Wichtigstes Thema wird die politische Entwicklung in Ägypten zwei Jahre nach dem Sturz des langjährigen Machthabers Husni Mubarak sein.

Desertec-Wüstenstrominitiative war 2009 mit der Vision gestartet, bis 2050 rund 400 Milliarden Euro zu investieren und 20 Prozent des europäischen Strombedarfs mit Wind- und Sonnenkraft aus Nordafrika zu decken.

Siemens und Bosch nicht mehr dabei

Aber der rasche Ausbau der Solar- und Windenergie in Deutschland hat die Pläne vorerst in den Schatten gestellt. Siemens und Bosch haben die Initiative verlassen. Desertec hofft, zwei kleine Pilotprojekte in Marokko und Tunesien 2016 ans Netz zu bringen.

Das Kraftwerk in Marokko wäre das erste konkrete Projekt des Desertec-Konsortiums, an dem unter anderem RWE, E.on, die Deutsche Bank und die Münchner Rück beteiligt sind. Neben europäischen und nordafrikanischen Partnern sind auch chinesische und amerikanische Firmen an einem Einstieg interessiert.

Quelle: dpa/sara
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Das Desertec-Konzept
  • Idee

    Desertec ist ein Konzept zur Erzeugung von erneuerbaren Energien an den energiereichsten Standorten in der Welt, insbesondere den Wüsten. Am weitesten fortgeschritten ist dabei die Idee, das weitgehend ungenutzte Potenzial der Wüsten Nordafrikas und des Nahen Ostens zur Stromerzeugung zu nutzen. Sonnenreiche Gebiete in Südeuropa sollen auch eingebunden werden.

  • Entwicklung

    Das Konzept wurde von einem Netzwerk von Wissenschaftlern, Politikern und Ökonomen aus der Mittelmeerregion entwickelt. An dessen Umsetzung arbeitet die Desertec Foundation gemeinsam mit der Desertec Industrie-Initiative (Dii).

  • Bedarf

    Eine Dii-Studie skizziert, dass mit dem Wüstenstrom nicht nur der Strombedarf der rapide wachsenden Bevölkerung der Anrainerstaaten gedeckt werden kann, sondern bis 2050 auch bis zu 20 Prozent des Bedarfs für Elektrizität Europas.

  • Strommix

    Der Desertec-Strommix sieht vor, dass etwa 53 Prozent durch Windenergie erzeugt werden. Weitere 16 Prozent sollen mit Solarthermie erzeugt werden. Bei dieser Technologie treibt mit Spiegeln gebündelte Sonnenenergie Turbinen zur Stromerzeugung an. Dazu sind noch neun Prozent an Photovoltaik-Anlagen geplant, die das Licht der Sonne über Solarzellen direkt in Strom verwandeln. Der Rest der Strommasse käme aus Wasserkraft, Biomasse, Geothermie und Erdgas.

  • Transport

    Der Strom soll über „Stromautobahnen“ per Hochspannungs-Gleichstrom-Übertragung (HGÜ) nach Europa transportiert werden. Bei dieser Technologie geht weit weniger Strom beim Transport verloren, als bei herkömmlichen Stromtrassen.

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