Technologie
Chipriese Intel erholt sich schneller als gedacht
Der US-Chip-Hersteller Intel hat im zweiten Quartal nach eigenen Angaben einen größeren Gewinn erzielt als von Analysten erwartet – allerdings nur, wenn eine von der EU verhängte Rekordstrafe nicht berücksichtigt wird. Der Gewinn betrug nach dieser Berechnung eine Milliarde Dollar oder 18 Cents pro Aktie.
Der weltgrößte Chiphersteller Intel hat im IT-Sektor mit seinen Quartalszahlen und einem optimistischen Ausblick Hoffnung auf bessere Zeiten geweckt. Der US-Konzern behauptet sich in der Wirtschaftskrise besser als erwartet und übertraf im zweiten Quartal die Markterwartungen deutlich. Nach der Vorlage der Zahlen nach US-Börsenschluss legten Intel-Papiere acht Prozent zu. Unter dem Strich schrieb der Konzern wegen der Wettbewerbsstrafe der EU-Kommission jedoch rote Zahlen.
Besonders Intels Ausblick wurde am Markt positiv aufgenommen. Im dritten Quartal erwartet der Chip-Riese einen Umsatz von 8,1 bis 8,9 Milliarden Dollar. Analysten hatten nur mit 7,8 Milliarden Dollar gerechnet. Der Markt für private Computer habe deutlich zugelegt, sagte Intel-Finanzchef Stacy Smith zu Reuters. Besonders gut entwickle sich der asiatische Markt. Das Geschäft mit Unternehmen sei dagegen nach wie vor schwach und Intel rechne hier auch im zweiten Halbjahr nicht mit einer deutlichen Erholung, fügte Smith hinzu. Intel hat einen Marktanteil von rund 80 Prozent bei Mikroprozessoren und gilt als Konjunkturbarometer für die gesamte IT-Branche.
AUSBLICK VERSPRICHT GUTES
Analysten zeigten sich vor allem über Intels Prognose erfreut, im dritten Quartal eine Bruttomarge von rund 53 Prozent anzuvisieren nach 51 Prozent im zweiten Quartal. Diese Vorhersage mache der gesamten Technologiebranche Mut, sagte Anlage-Stratege Steve Neimeth. "Das verspricht Gutes für viele große Technologiekonzerne wie IBM, Microsoft und Cisco, deren Märkte ähnlich aussehen."
Im zweiten Quartal sanken Gewinn und Umsatz bei Intel nicht so deutlich wie befürchtet. Unter dem Strich verbuchte Intel in dem am 27. Juni zu Ende gegangenen Geschäftsquartal einen Verlust von 398 Millionen Dollar. Grund war eine 1,45 Milliarden Dollar schwere Wettbewerbsstrafe, die der Konzern in Europa im Mai wegen eines unzulässigen Preiskampfes gegen den Erzrivalen AMD aufgebrummt bekommen hatte. Intel hat vor, gegen die EU-Entscheidung Einspruch einzulegen.
Ohne die Belastung im Zusammenhang mit dieser Strafe verdiente Intel den Angaben nach 18 Cent je Aktie, zehn Cent mehr als von Experten erwartet. Im Vorjahreszeitraum betrug das Nettoplus 28 Cent je Aktie. Auch der Umsatz, der um 15 Prozent auf acht Milliarden Dollar zurückging, lag deutlich über den Analystenvorhersagen von 7,27 Milliarden Dollar.
In welch schwierigem Markt sich Intel derzeit bewegt, unterstrich am Dienstag eine Studie des Forschungsinstituts iSuppli. Demnach werden die PC-Verkäufe dieses Jahr weltweit erstmals seit dem Platzen der Dotcom-Blase 2001 wieder zurückgehen – um vier Prozent auf 287 Millionen. 2010 rechnet iSuppli aber wieder mit einem Wachstum von 4,7 Prozent.
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