28.01.13

Öffentliche Fehde

Störrischer Aktionär lähmt Billigflieger Easyjet

Easyjet-Verwaltungsratschef Rake hat genug von der Dauerkritik des Großaktionärs Stelios. Er will im Sommer zurücktreten. Hauptstreitpunkt ist eine Bestellung von 100 neuen Maschinen.

Von Tina Kaiser
Foto: AFP

Ein Teil der heutigen Easyjet-Flotte soll in den kommenden Jahren durch sparsamere Flugzeuge ersetzt werden. Derzeit verhandeln die Briten mit Airbus und Boeing
Ein Teil der heutigen Easyjet-Flotte soll in den kommenden Jahren durch sparsamere Flugzeuge ersetzt werden. Derzeit verhandeln die Briten mit Airbus und Boeing

Easyjet-Verwaltungsratschef Mike Rake hat viel Geduld bewiesen. Seit er 2009 in das Kontrollgremium des britischen Billigfliegers einzog, stand er unter dauerhaftem Störfeuer seines Hauptaktionärs Stelios Haji-Ioannou.

Am Wochenende reichte es Rake endgültig. Der 65-jährige Brite gab seinen Rücktritt bekannt. Im Sommer will Rake seinen Stuhl räumen. Bis dahin soll der Konzern einen neuen Verwaltungsratschef finden. Offiziell begründete Rake seinen Schritt damit, dass er sich mehr um seine anderen Aufsichtsposten bei der kriselnden Bank Barclays und dem Telekomkonzern BT kümmern will. Die ständige Kritik von Haji-Ioannou dürfte Rakes Entscheidung aber zumindest begünstigt haben.

Stelios lähmt den Billigflieger

Ruhe ist damit bei Easyjet aber trotzdem nicht eingekehrt. Konzern-Gründer Haji-Ioannou trägt seit Jahren eine öffentliche Fehde mit dem Management der Firma aus. Rake ist dabei bei weitem nicht der einzige Topmanager, der wegen Haji-Ioannou den Konzern verlassen hat.

Für Easyjet wird der einstige Firmengründer damit immer mehr zum Problem. Haji-Ioannou lähmt den Billigflieger mit seinem Querulantentum. Er hatte in der vergangenen Woche gedroht, sein Aktienpaket von 37 Prozent zu verkaufen, sollte sich der Vorstand nicht an seine Anweisungen halten.

Der gebürtige Zypriot wendet sich entschieden gegen eine geplante Großbestellung neuer Flugzeuge. Eine solche Investition könnte die "finanzielle Erfolgsgeschichte der Fluglinie zerstören", sagte Haji-Ioannou.

Ein erster Warnschuss

Als Warnschuss verkaufte er Aktien im Wert von rund fünf Millionen Pfund (sechs Millionen Euro). Sein Aktienpaket reduziert sich damit um rund einen Prozentpunkt. "Wenn das Management eine solche Bestellung aufgibt, werde ich noch mehr meiner Anteile verkaufen", kündigte er nun an.

Britischen Medienberichten zufolge will es Easyjet-Chefin Carolyn McCall auf den Kampf mit Haji-Ioannou ankommen lassen. Vielleicht wäre sie sogar froh, wenn der störrische Aktionär endlich seine Drohung wahr macht und seine Aktien abstößt. Laut dem "Guardian" plant Easyjet trotz der Warnung des Aktionärs, die Flotte zu vergrößern.

Auf der Hauptversammlung am 21. Februar wird McCall demnach den Kauf von mehr als 100 neuen Flugzeugen bekannt geben. Eventuell könnte die Easyjet-Chefin sogar ein außerordentliches Aktionärstreffen von dem 21. Februar einbestellen, um die Order schnell unter Dach und Fach zu bringen.

15 Prozent weniger Kerosin

Aktuell verfügt der Konzern über 217 Flugzeuge. Ein Teil der alten Flotte soll durch die neuen Maschinen ausgetauscht werden, die mindestens 15 Prozent weniger Kerosin verbrauchen.

Der Billigflieger verhandelt derzeit sowohl mit Boeing als auch mit Airbus. Während Haji-Ioannou gegen den geplanten Kauf auf dem Aktionärstreffen abstimmen wird, stehen die Chancen gut, dass Easyjet dennoch die Mehrheit der Anteilseigner hinter sich bringen kann.

Es wäre nicht das erste Mal, dass Haji-Ioannou von den anderen Aktionären überstimmt wird. Im vergangenen Jahr scheiterte er gleich mit zwei Vorhaben: Die Aktionäre folgten seinem Vorstoß nicht, dem Management sein Gehaltspaket zu verweigern. Im August 2012 stellten sie sich außerdem gegen ihn, als er versuchte, Verwaltungsratschef Rake zu stürzen. 96 Prozent aller Aktionäre sprachen sich für Rake aus.

Kräftiges Umsatzplus

Trotz der Querelen steht Easyjet finanziell nicht schlecht da. Das in der Luftfahrtbranche schwierige Winterhalbjahr begann für den Billigflieger mit einem kräftigen Umsatzplus. Im ersten Geschäftsquartal bis Ende Dezember kletterten die Erlöse im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um neun Prozent auf 833 Millionen Pfund. Zum Gewinn für das erste Geschäftsquartal machte das Unternehmen allerdings keine Angaben.

Für das laufende Winterhalbjahr bis Ende März rechnet Easyjet-Chefin McCall mit einem Vorsteuerverlust von 50 bis 75 Millionen Pfund. Dies wäre deutlich weniger als das Minus von 112 Millionen Pfund ein Jahr zuvor.

Im Vergleich zum wichtigsten Konkurrenten Ryanair sieht die Easyjet-Bilanz allerdings eher mager aus. Am Montag erhöhte der Konzern seine Jahresprognose. Im laufenden Geschäftsjahr bis Ende März dürfte der Überschuss fast 540 Millionen Euro erreichen, kündigte Ryanair-Chef Michael O'Leary an.

Bisher war er von 490 bis 520 Millionen Euro ausgegangen. Die Fluglinie profitierte von höheren Ticketpreisen. Bei seinen preissensiblen Kunden konnte Ryanair im Schnitt im Weihnachtsgeschäft acht Prozent teurere Tickets durchsetzen. Der Gewinn stieg daher im dritten Quartal im Vorjahresvergleich um ein Fünftel auf rund 18 Millionen Euro.

© Berliner Morgenpost 2014 - Alle Rechte vorbehalten
P.S.: Sind Sie bei Facebook? Dann werden Sie Fan von der Berliner Morgenpost.
Die Favoriten unseres Homepage-Teams

Top-Thema
title
Die besten Berlin-Videos

Das sind die Youtube-Favoriten der Redaktion.

Video Nachrichten mehr
Starke Unwetter Erneut Überschwemmungen im Westen
Geplatze Wasserleitung Neun Meter hohe Fontäne überschwemmt Teile von…
Paris Die Luxus-Ratten vom Louvre
Hollywood-Stars So wild feiern Lopez und Bullock Geburtstag
Top Bildershows mehr
Willkommen in Berlin

Hurra, ich bin da! Das sind Berlins süße Babys

Jeden Tag

Kopfnoten für Politiker, Manager und Prominente

Fotogalerie

Das sind die Berliner Bilder des Tages

Solinger Uhrenmodel

Ben Dahlhaus, der Hype um das neue Sex-Symbol

In eigener Sache
Weitere Morgenpost Angebote