28.01.13

T-Mobile USA

"Die Telekom ist dabei, von uns zu lernen"

Noch gilt T-Mobile USA als Problemfall der Telekom: Die Zahl der Kunden schrumpft, der Umsatz ebenso. Jetzt will der neue Chef John Legere angreifen. Doch seine Rivalen scheinen übermächtig.

Foto: AFP
T-Mobile-USA-Chef John Legere: Er ist optimistisch für das Sorgenkind der Telekom
T-Mobile-USA-Chef John Legere: Er ist optimistisch für das Sorgenkind der Telekom

Nach dem gescheiterten Verkauf an AT&T hat die Telekom im September John Legere zum Chef von T-Mobile USA gemacht. Auf den 54-jährigen Manager wartet ein Feuerwehr-Einsatz: Die Vertragskunden laufen weg, die Umsätze schrumpfen. Dennoch will Legere jetzt seine viel größeren Konkurrenten angreifen.

Berliner Morgenpost: Herr Legere, ist T-Mobile eine amerikanische oder eine deutsche Firma?

John Legere: T-Mobile ist amerikanisch, gehört aber einem internationalen Unternehmen.

Berliner Morgenpost: Und wie sehen das Ihre Kunden?

John Legere: Amerikaner sind sehr stark auf die USA fokussiert. Ich würde sagen, dass die Mehrheit gar nicht weiß, dass wir zur Telekom gehören. Für sie steht die Marke im Vordergrund, die vor allem cool ist.

Berliner Morgenpost: T-Mobile USA wird in Deutschland als Problemfall der Telekom angesehen.

John Legere: Warum das?

Berliner Morgenpost: Weil die Telekom einst Voicestream zu teuer eingekauft hat. Weil die Zahl der Vertragskunden schrumpft, die Umsätze ebenso. Weil der Verkauf an AT&T gescheitert ist.

John Legere: T-Mobile erzielt seit Jahren positive Ergebnisse und finanziert seine Investitionen selbst. Richtig ist aber auch, dass die Telekom einst Voicestream für annähernd 40 Milliarden Dollar in einer Zeit gekauft hat, als die Unternehmensbewertungen in der Telco-Branche deutlich höher waren. Richtig ist auch, dass das US-Geschäft in den vergangenen drei, vier Jahren bei Umsatz und Kundenentwicklung nicht die Erwartungen erreicht hat. Darüber kann man entweder mit immer gleichen Schlagworten lamentieren. Oder man schaut, was für Möglichkeiten man hat und macht sich konsequent an die Umsetzung. Ich entscheide mich für die zweite Perspektive.

Berliner Morgenpost: Wird T-Mobile USA im Jahr 2015 noch zur Deutschen Telekom gehören?

John Legere: Das weiß ich nicht. Aber ich weiß, dass T-Mobile 2015 ein an der Börse gelistetes Unternehmen sein wird, mit dem die Aktionäre dann gut gefahren sein werden. Und es wird die Mobilfunklandschaft in den USA mitgeprägt haben. Ich glaube schon, dass die Telekom in drei Jahren uns noch in irgendeiner Weise verbunden sein wird. Wir werden dann sicherlich kein Problemkind der Deutschen Telekom sein.

Berliner Morgenpost: Was macht Sie da so optimistisch?

John Legere: Es hat sich viel getan, nachdem klar war, dass es keinen Verkauf an AT&T geben wird. Wir haben sehr viel zusätzliches Funkspektrum bekommen und sind dabei, unser Netz zu modernisieren. In vielen Ballungszentren haben wir das schnellste Netz. Der Zusammenschluss mit MetroPCS wird uns noch weiter voranbringen. In vielen größeren Städten gehört uns dann der Großteil der Frequenzen, auf denen der schnellere Mobilfunkstandard LTE läuft.

Berliner Morgenpost: Die Wettbewerbsbehörden müssen der MetroPCS-Übernahme noch zustimmen. Möglicherweise gibt es sogar noch ein Gegenangebot. Haben Sie einen Plan B für den Fall, dass die Übernahme scheitert?

John Legere: Wir brauchen keinen Plan B. Wir arbeiten im Übrigen zugleich an unserer Service-Qualität. Wenn man die großen Wettbewerber angreift, und das machen wir, dann muss sowohl das Netz als auch der Kundenservice stimmen. Wir machen unseren Nutzern das Angebot, unbegrenzt mit ihrem Smartphone in unserem Mobilfunknetz der vierten Generation zu surfen. Und das sogar ohne Vertragsbindung. Und wir bieten neuen Kunden die Möglichkeit, dass sie ihre eigenen Handys mitbringen. Dafür bekommen sie einen guten Preis beim Telefonieren und Surfen. Wir wollen die Subvention von Handys abschaffen. Denn das führt für die Nutzer zu hohen monatlichen Gebühren. Und viele ahnen überhaupt nicht, dass sie damit ihre Telefone abzahlen.

Berliner Morgenpost: T-Mobile ist von den vier nationalen Netzbetreibern der kleinste.

John Legere: Das soll so nicht bleiben. Wir sehen Möglichkeiten, auf den dritten Platz vorzurücken. Aber um an Sprint vorbeizuziehen, ist es am vielversprechendsten, AT&T anzugreifen. Es wäre aber arrogant zu glauben, dass sich dieser Kampf unter uns vieren abspielt.

Berliner Morgenpost: Was meinen Sie damit?

John Legere: Es können jederzeit andere in den Markt einsteigen, ob das nun der Satelliten-TV-Anbieter Dish, Direct TV, Apple oder Google sind. Es gibt genug Raum für alternative Strukturen. Wir schauen uns das sehr genau an, auch um unsere eigene Basis zu vergrößern. Zusammen mit MetroPCS kommen wir bei den Nutzerzahlen schon in Rufweite zu Sprint.

Berliner Morgenpost: Was kann die Telekom eigentlich von T-Mobile USA lernen?

John Legere: Die Telekom ist längst dabei, von uns zu lernen. Das gilt für den engen Kontakt zu unseren Nutzern ebenso wie für die Geschwindigkeit, mit der wir uns hier im Markt bewegen. Die Telekom hat sich in den vergangenen Jahren stark verändert, nicht zuletzt wegen René Obermann, der aus der Mobilfunkwelt kam und sehr unternehmerisch geprägt ist.

Berliner Morgenpost: In Deutschland bündelt die Telekom Fest- und Mobilfunkprodukte zum Teil sogar mit TV-Programmen. In USA fehlt Ihnen dafür das Festnetz. Ist das ein Nachteil?

John Legere: Nicht unbedingt. Es gibt immer einen Konkurrenten, der bei solchen Bündelangeboten eine Schwachstelle findet und Teile davon erfolgreich einzeln anbietet. Und es gibt Beispiele von erfolgreichen Anbietern, die mit nur einem Netz unterwegs sind. Wer ein Bündelprodukt haben will, kann außerdem auf Partnerschaften setzen. Das könnte auch für T-Mobile gelten.

Berliner Morgenpost: Wie wichtig ist es eigentlich, das iPhone zu verkaufen?

John Legere: Es ist vor allem wichtig, das iPhone im Angebot zu haben, nicht zuletzt, um neue Kunden in die Geschäfte zu ziehen. Ohne das iPhone bleiben viele Interessenten schlichtweg weg. Außerdem sind viele unserer Vertragskunden zu Konkurrenten gewechselt, weil sie das iPhone ausprobieren wollten. Wir haben uns jetzt mit Apple geeinigt und werden dessen Produkte künftig anbieten können.

Berliner Morgenpost: Als Sprint das iPhone bekam, musste das Unternehmen eine Abnahmegarantie von mehr als 15 Milliarden Dollar abgeben. Wie sieht Ihre Vereinbarung mit Apple aus?

John Legere: Ich kann darüber nicht im Detail sprechen. Aber unsere Abnahmeverpflichtung ist deutlich geringer als bei Sprint. Und wir werden das iPhone auch nicht zu einem subventionierten Preis abgeben. Daher wird es auch unsere Bilanz nicht derart belasten.

Berliner Morgenpost: Verliert Apple an Attraktivität?

John Legere: Nein. Wir haben lange und hart verhandelt. Apple hat verstanden, was wir in Zukunft vorhaben. Alles in allem machen sie ein gutes Geschäft. Sie dürfen auch nicht vergessen, dass Samsung mit seinem Galaxy-Smartphone ein sehr gutes Jahr hatte. Apple muss seine Position verteidigen.

Berliner Morgenpost: Glauben Sie an ein Comeback von Nokia und Blackberry?

John Legere: Nokia-Handys sind großartige Geräte. Die Leute mögen diese Smartphones, wenn sie sie erst einmal ausprobiert haben. Apple hingegen ist eine unglaubliche Marketing-Maschine. Die Leute wollen die Produkte, bevor sie überhaupt wissen, wie sie aussehen. Und ich hoffe auch, dass die neuen Blackberry-Smartphones zu den Gewinnern gehören.

Berliner Morgenpost: Die Gewerkschaften werfen T-Mobile USA schlechte Arbeitsbedingungen und eine Blockadehaltung vor, wenn es darum geht, Arbeitnehmervertretungen zu wählen. Wie reagieren Sie darauf?

John Legere: In den jüngsten Umfragen haben sich 83 Prozent unserer Mitarbeiter geäußert, dass sie stolz sind, bei uns zu arbeiten. Und fast drei Viertel sind sehr zufrieden mit ihren Arbeitsbedingungen. Diese Werte haben sich in den vergangenen zwei Jahren sogar verbessert. Die Arbeitsmoral ist also sehr hoch. Trotzdem nehmen wir die Vorwürfe sehr ernst. Sie haben sich aber ohne Basis gezeigt.

Berliner Morgenpost: Warum sollte es diese Anschuldigungen geben, wenn sie keine Basis haben?

John Legere: Es gibt innerhalb der Gewerkschaften Bestrebungen, die Sichtbarkeit zu erhöhen. Von unserer Seite gibt es keine vorgegebene Strategie gegen Gewerkschaften.

© Berliner Morgenpost 2013 - Alle Rechte vorbehalten
Die Favoriten unseres Homepage-Teams

Bei den Lohnverhandlungen gab es eine Einigung bei den BVG
09:05Lohnverhandlungen
Einigung im Tarifstreit bei den BVG - Streikgefahr abgewendet

Am frühen Mittwochvormittag gab es einen Kompromiss in den festgefahrenen Tarifverhandlungen bei den Berliner Verkehrsbetrieben. Damit sind mögliche Streiks im öffentlichen Verkehr nun abgewendet. mehr...

Rechtsanspruch: Bis 2017 müssen insgesamt 11.000 Betreuungsplätze geschaffen werden
09:47Erfolgloses Konzept
"Ein-Euro"-Kitas werden wieder abgeschafft

Viele Berliner Kitas müssen dringend saniert werden, den Bezirken fehlt jedoch das Geld. Das zur Lösung des Problems geplante Ein-Euro-Programm wird nun beendet - der Senat hält es für gescheitert. mehr...


Rocket-Internet-Geschäftsführer Alexander Kudlich in der Firmenzentrale in Mitte
11:03Rocket Internet
100 Millionen Dollar für Zalando-Klon Zalora

Der von Rocket Internet im vergangenen Jahr nach dem Zalando-Vorbild in Südostasien gegründete Modeversender Zalora geht auf Expansionskurs. Finanziert von Kinnevik, Summit Partners und Tengelmann mehr...

Gefährlicher Zwischenfall am U-Bahnhof Kurfürstendamm: Zwei Schläger flüchteten nach einer Prügelattacke auf einen Passanten in den Tunnel der U-Bahn
11:06Gewalt
Schläger vom Kudamm flüchten vor Polizei in U-Bahn-Tunnel

Nachdem drei Schläger einen Mann auf dem Berliner U-Bahnhof Kurfürstendamm überfallen hatten, flüchteten zwei der Täter in den Schacht der U-Bahn-Linie 9. Ein 19-Jähriger wurde festgenommen. mehr...

Leser-Kommentare Kommentare
Leserkommentare sind ausgeblendet.
Kommentare einblenden
Die Technik der Kommentarfunktion "DISQUS" wird von einem externen Unternehmen, der Big Head Labs, Inc., San Francisco/USA., zur Verfügung gestellt. Weitere Informationen, insbesondere darüber, ob und wie personenbezogene Daten erhoben und verarbeitet werden, finden Sie in unseren Datenschutzbestimmungen

Die Moderation der Kommentare liegt allein bei MORGENPOST ONLINE.
Allgemein gilt: Kritische Kommentare und Diskussionen sind willkommen, Beschimpfungen / Beleidigungen hingegen werden entfernt. Wie wir moderieren, erklären wir in der Netiquette.
blog comments powered by Disqus
 
Multimedia
Smartphone

Das fehlt dem iPhone 5

T-Mobile USA
  • Der Chef

    John Legere ist seit September vergangenen Jahres CEO von T-Mobile USA. Der 54-Jährige arbeitet seit 32 Jahren für Unternehmen der Telekommunikations- und Informationstechnologie. Er hat über viele Jahre das Telekom-Unternehmen Global Crossing geführt, verantwortete das internationale Geschäft des Computerbauers Dell und arbeitete 15 Jahre in verschiedenen leitenden Positionen beim T-Mobile-Konkurrenten AT&T.

  • Das Unternehmen

    Die Deutsche Telekom verliert mit ihrer Mobilfunktochter T-Mobile in den USA Kunden und Umsatz. Allein im dritten Quartal kehrten annähernd eine halbe Million Vertragskunden dem Anbieter den Rücken. Grund dafür war ein lückenhaftes Netz und das Fehlen des Apple-Handys iPhone. Inzwischen hat sich T-Mobile mit Apple geeinigt, so dass das iPhone in einigen Monaten auch von T-Mobile verkauft werden kann. Auch das Netz wird nun schnell modernisiert.

  • Die Pläne

    Derzeit plant die Telekom ein Zusammengehen mit dem US-Anbieter MetroPCS, was jedoch noch von den Wettbewerbsbehörden geprüft wird. Das neue Gemeinschaftsunternehmen wäre dann an der Börse gelistet und die Telekom würde daran 74 Prozent halten. T-Mobile USA hat 33 Millionen Kunden, MetroPCS zählt neun Millionen Kunden.

Top-Thema
title
Start-ups in Berlin

Gründerzeit: Die Serie und das Blog der Berliner Morgenpost.

Video Nachrichten mehr
Oklahoma Wiedersehen nach dem schweren Tornado
Xbox One Microsoft stellt neue Spielkonsole vor
Iran Rafsandschani darf bei Wahl nicht antreten
US-Kongress Apple verteidigt Steuersparmodell
Die Welt - Aktuelle News
  1. 1. DeutschlandParteijubiläumDie SPD hat den Glauben an eine bessere Welt verloren
  2. 2. WirtschaftManagergehälterDeutsche-Bank-Chefs sollen Boni zurückzahlen
  3. 3. AuslandSyrienBND rechnet mit Vormarsch von Assads Truppen
  4. 4. WirtschaftManagergehälterDer Schweiz drohen die eigenen Konzerne wegzulaufen
  5. 5. DeutschlandPartei im ZwielichtDie Grünen waren ein „Honigtopf“ für Päderasten
 
tb_airberlin.gif
airberlin - Destination…

airberlin baut die Verbindungen nach Polen aus. Erfahren…mehr

tb_Erste-Adressen.jpg
Berlins Erste Adressen

Eine Initiative der Berliner Kaufleute und der Berliner…mehr

Top Bildershows mehr
Jeden Tag

Kopfnoten für Politiker, Manager und Prominente

Willkommen in Berlin

Hurra, ich bin da! Das sind Berlins süße Babys

Fotogalerie

Das sind die Berliner Bilder des Tages

Bilder von oben

Das zerstörte Oklahoma City aus der Luft

 
In eigener Sache
Weitere Morgenpost Angebote