28.01.13

Pannen-Flieger

Japan lockert Sicherheitsstandards beim Dreamliner

Japanische Firmen liefern einen Großteil der Bauteile für Boeings Dreamliner. Jetzt kommt heraus: Das Verkehrsministerium hat Sicherheitsstandards gelockert, um den Konzernen entgegen zu kommen.

Foto: REUTERS

Dreamliner von All Nippon Airways' (ANA): Ein Zusammenhang mit den aktuellen Pannen ist derzeit nicht ersichtlich
Dreamliner von All Nippon Airways' (ANA): Ein Zusammenhang mit den aktuellen Pannen ist derzeit nicht ersichtlich

Japan hat vor der Erstauslieferung des Dreamliners von Boeing offenbar die Sicherheitsstandards für die Maschine gelockert. Dies geht aus Unterlagen und Berichten von Teilnehmern hervor, wie die Nachrichtenagentur Reuters berichtet.

Die Zugeständnisse, die ein Beratergremium des japanischen Verkehrsministeriums in Sicherheitsfragen rund um das Prestigeobjekt von Boeing machte, seien auch auf Druck der späteren Dreamliner-Kunden All Nippon Airways (ANA) und Japan Airlines (JAL) erfolgt.

Damit sollten japanische Firmen unterstützt werden, die rund 35 Prozent der Bauteile des 787er liefern – vom Karbon in den Flügeln bis hin zur Elektronik und den Batterien, die nun im Fokus der Untersuchungen stehen. Das meldet Reuters unter Berufung auf mit den Überlegungen vertrauten Personen.

"Ich glaube, dass die anfänglichen Anfragen für Änderungen von den Fluggesellschaften kamen. Letztlich war es eine Diskussion, um die operativen Kosten für die Fluggesellschaften zu senken", sagte Masatoshi Harigae, externer Berater, der sich für die Lockerung der Sicherheitsstandards einsetzte. Er ist bei einer für Entwicklung in der Luftfahrt in Japan zuständigen Behörde tätig.

Keine Belege für Zusammenhang mit aktuellen Problemen

Allerdings gibt es keine Hinweise oder Belege dafür, dass die Lockerung der Standards zu den aktuellen Problemen geführt hat. Damals ging es auch nicht im Besonderen um die mittlerweile in die Kritik geratenen Lithium-Ionen-Batterien.

Allerdings zeigen die Vorgänge, wie eng die wirtschaftlichen Verflechtungen zwischen Boeing und seinen japanischen Zulieferern sind – und auch wie einflussreich die Fluggesellschaften. ANA und JAL wollten auf Anfrage keine Stellung dazu beziehen.

Die beiden japanischen Fluggesellschaften haben rund die Hälfte aller weltweit ausgelieferten 50 Dreamliner im Dienst. Der Dreamliner ist derzeit auf Anordnung mehrerer Flugbehörden auf unbestimmte Zeit am Boden, nachdem es Probleme mit den Batterien gegeben hatte.

ANA hat am Wochenende alle Dreamliner-Flüge bis 18. Februar gestrichen. Die Fluggesellschaft rechnet demnach nicht mit einer schnellen Lösung der Probleme.

Quelle: Reuters/lw
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Lithium-Ionen-Akkus
  • Was sind Lithium-Ionen-Akkus?

    Lithium-Ionen-Batterien sind wiederaufladbare Batterien. In ihnen fließen Lithium-Ionen von der negativen Elektrode zur positiven, wenn die Batterie entladen wird, und in umgekehrter Richtung, wenn sie geladen wird. Lithium ist ein hoch reaktives Alkalimetall.

  • Was sind die Vorteile?

    Lithium-Ionen-Akkus sind meist leichter und auch leistungsfähiger als andere Akkus gleicher Größe, deshalb werden sie gerne in tragbaren Geräten wie Laptops und Handys eingebaut. Auch Autohersteller setzen bei Elektroautos daher auf Lithium-Ionen-Akkus. Zudem haben die Akkus keinen „Memory-Effekt“, das heißt, sie können sehr oft geladen werden, ohne dass ihre Leistung nachlässt. Dafür dürfen sie aber nicht komplett entladen werden.

  • Was sind die Nachteile?

    Lithium-Ionen-Akkus sind teurer als herkömmliche wiederaufladbare Nickel-Cadmium-Batterien oder Nickel-Metallhydrid-Akkus. Wird der Lithium-Ionen-Akku überladen, kann er aufheizen und sogar in Brand geraten – ein Problem, das in den vergangenen Jahren schon zu Rückrufen von Laptops und Handys führte. Auch Opel verschob den Start seines Elektroautos Ampera, nachdem es bei abgestellten Testautos zu Bränden gekommen war.

  • Was ist an Bord der Dreamliner

    Experten halten eine Überhitzung auch im Fall der Dreamliner-Batterien für wahrscheinlich. Sie könnte zwei Ursachen haben: Entweder die Batterien selbst sind fehlerhaft oder die Elektronik, in die die Batterien eingebaut sind. Die Untersuchungen der Behörden in Japan und in den USA umfassen beide Szenarien.

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