25.01.13

Schadstoffe

Chemie fördert Adipositas – noch Generationen später

War die Uroma Giftstoffen wie Weichmachern ausgesetzt, bekommen das noch die Urenkel mit Krankheiten zu spüren: Schäden durch Plastikbestandteile sind erblich – nachgewiesen an Ratten.

Foto: picture-alliance

Weichmacher können noch Generationen später zu hormonellen Veränderungen oder zu Krankheiten führen
Weichmacher können noch Generationen später zu hormonellen Veränderungen oder zu Krankheiten führen

Die Belastung einer Schwangeren mit Giftstoffen kann zu Gesundheitsschäden bis in die Urenkel-Generation führen. Zu den betroffenen Substanzen gehört auch das in Weichmachern enthaltene Bisphenol A. Über ihre Untersuchung an Ratten berichten US-Biologen in den Fachmagazinen "PLOS ONE" und "Reproductive Toxicology".

Das Team um den Molekularbiologen Michael Skinner von der Washington State University in Pullman setzte schwangere Ratten den Plastikbestandteilen Bisphenol A sowie den Phtalaten DEHP und DBP aus. Sieben Tage lang spritzten die Forscher den Ratten täglich einen Mix aus 50 Milligramm Bisphenol A je Kilo Körpergewicht der Ratten, 750 Milligramm DEHP je Kilo Körpergewicht sowie 66 Milligramm DBP je Kilo Körpergewicht. Die Embryos der Ratten befanden sich in dieser Zeit in der Phase der Entwicklung der Keimdrüsen, also ihrer Hoden oder Eierstöcke.

Auffälligkeiten bis in die dritte Generation

Sowohl die Kinder der belasteten Ratten als auch die Enkel und Urenkel wiesen im Vergleich mit einer Kontrollgruppe vermehrt gesundheitliche Schäden auf. Nur die erste Kindgeneration zeigte Krankheiten der Prostata und der Nieren. Bis in die dritte Generation allerdings fanden die Biologen um Skinner veränderte Pubertätszeitpunkte, Erkrankungen der Hoden oder der Gebärmutter sowie – besonders bemerkenswert – Fettleibigkeit (Adipositas).

Die Vererbung der chemischen Belastung erfolgt der Studie zufolge über sogenannte epigenetische Veränderungen im Spermium. Dabei handelt es sich um die umkehrbare Inaktivierung bestimmter Gene, die durch Umwelteinflüsse erfolgt.

Bis vor wenigen Jahren galten epigenetische Faktoren im Gegensatz zu Genmutationen als nicht erblich, weil sie die Buchstaben im genetischen Code nicht ändern. In letzter Zeit mehren sich jedoch Studien, die belegen, dass die Folge von Umwelteinflüssen vererbt werden kann. Auch in den vorliegenden Studien scheint zumindest ein Teil der epigenetischen Veränderungen an den Nachwuchs weitergegeben zu werden.

Erhöhtes Risiko für Fettleibigkeit

In einer weiteren Studie unternahmen die Forscher vergleichbare Experimente mit dem vor allem beim Militär gebräuchlichen Flugzeugkraftstoff "JP-8". Auch hier zeigte die erste Kindgeneration Nierenschäden und einen veränderten Zeitpunkt der Pubertät. Zudem war die Zahl der Primordialfollikel, der Vorläuferzellen der weiblichen Eizellen, deutlich niedriger.

In der dritten Generation gab es bei den weiblichen Ratten ebenfalls nicht mehr so viele Primordialfollikel. Außerdem wiesen die Tiere Erkrankungen der Gebärmutter auf. Männliche wie weibliche Tiere hatten auch hier ein erhöhtes Risiko für Fettleibigkeit.

Bereits in früheren Studien konnten Skinner und sein Team für bestimmte Chemikalien zeigen, dass sie über mehrere Generationen hinweg die Gesundheit beeinträchtigen. Mit den nun veröffentlichten Studien ist die Liste der schädlichen Substanzen länger geworden.

Skinner erklärte: "Das ist die erste Reihe von Studien, die die epigenetische, generationenübergreifende Vererbung von Krankheiten wie Fettleibigkeit nachweisen." Damit liege nahe, dass gesundheitliche Belastungen der Vorfahren ein Faktor bei der Entwicklung dieser Krankheit sein könnten.

Quelle: dapd
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