24.01.13

Fundus-Gruppe

Adlon-Erbauer Jagdfeld übergibt das Geschäft an seinen Sohn

Nach der Insolvenz des Grandhotels Heiligendamm und Schwierigkeiten mit dem Adlon und dem "Quartier 206" zieht sich Jagdfeld zurück.

Von Norbert Schwaldt
Foto: dapd

Anno August Jagdfeld zieht sich zurück
Anno August Jagdfeld zieht sich zurück

Der Fondsinitiator und Wiedererbauer des Hotels "Adlon" in Berlin, Anno August Jagdfeld, zieht sich zurück und übergibt die Führung einer neu gegründeten Deutschen Immobilien Gruppe (DIG) an seinen Sohn Benedikt Jagdfeld, 32. Der drittälteste Sohn Jagdfelds soll mit dem neuen Unternehmen die Aktivitäten der früheren Fundus-Gruppe weiterführen. Der 66-jährige Anno August Jagdfeld bleibt aber Geschäftsführer des "Adlon"-Fonds und kümmert sich um die Aktivitäten der Jagdfeld-Gruppe an der Ostsee.

Der Generationswechsel war bereits seit einem Jahr geplant. Jagdfeld hat es aber auch nicht verwunden, dass er sein geliebtes Hotelprojekt in Heiligendamm aufgeben musste. Die Fondsgesellschaft musste wegen schlechter wirtschaftlicher Ergebnisse der Nobelherberge an der Ostsee vor einem Jahr Insolvenz anmelden. Zuvor hatte sich die Kempinski-Gruppe aus Heiligendamm zurückgezogen.

Die etwa 1900 Fondsanleger mussten einen Kapitalschnitt von 90 Prozent hinnehmen und werden aus der Insolvenzmasse wohl kaum etwas von ihrem eingezahlten Geld wiedersehen. Ein neuer Investor für den gesamten mondänen Hotelkomplex ist noch immer nicht gefunden. Der Insolvenzverwalter versucht nun, den Komplex Stück zu Stück zu verkaufen, was einer Zerstörung gleichkommt. Der Berliner Reha-Klinikenbetreiber Median will die Orangerie neben dem Hotel übernehmen, um darin eine Klinik für gestresste Manager und Führungskräfte einzurichten. Dafür soll Median einen einstelligen Millionenbetrag zahlen.

Zudem hatten Fondszeichner zweimal versucht, Anno August Jagdfeld aus der Führung der "Adlon"-Gesellschaft zu drängen. Die 4400 Anleger sollten auf Ausschüttungen verzichten. Mietstundungen für familieneigene Unternehmen im "Adlon" wurden heftig kritisiert. Doch Jagdfeld behielt bei dem erbitterten Streit mit Fondszeichnern immer die Oberhand und konnte den Mietvertrag mit Kempinski gleich um 20 Jahre verlängern. Ein letzter Achtungserfolg des ehrgeizigen Unternehmers, der für seine Prachtbauten sogar das Bundesverdienstkreuz Erster Klasse bekommen hat.

Erfolgreiche Shoppingcenter

Insgesamt hat die Fundus-Gruppe 800 Projekte im ganzen Land realisiert. Doch nicht immer lief es rund. Zuletzt machte die Zwangsverwaltung des familieneigenen Quartiers 206 in der Berliner Friedrichstraße Furore. Dort stritt sich der Unternehmer mit einer Bank um ausstehende Mieten.

Einige seiner Immobilienfonds wie die Pyramide im Osten Berlins floppten. Der markante Büro-Bau in Berlin-Marzahn war schlecht vermietet und musste im Jahr 2005 schließlich verkauft werden. Etwas besser lief es mit dem Komplex Plaza an der belebten Frankfurter Allee. Jagdfeld hat auch mit dem Spreebogen Plaza in Charlottenburg ein weiteres markantes Bürogebäude in der Hauptstadt errichtet. Als erfolgreich erwies sich das Forum Köpenick, das gut frequentiert ist, und das Rathaus Center Pankow.

Neues Geschäftsmodell der Gruppe

Das Vorhaben, das Haus Cumberland am Kurfürstendamm aufzuwerten, musste Jagdfeld vor etwa zehn Jahren allerdings aufgeben. Auch die Entwicklung eines Großprojekts an der Oranienburger Straße in Mitte ging schief. Das Künstlerhaus Tacheles schien nicht der einzige Hinderungsgrund zu sein. Die finanzierende Bank will die Immobilien weiterverkaufen.

Als geschäftsführender Gesellschafter der DVI Deutsche Verwaltungsgesellschaft für Immobilien, der Kerngesellschaft der DIG, ist Jagdfeld junior jetzt verantwortlich für die früher in der Fundus-Gruppe gebündelten Dienstleistungen rund um die Immobilie. "Ich will nicht alles anders, aber vieles besser machen", verspricht der Jagdfeld-Sohn. Er hat an der Lancaster University Betriebswirtschaftslehre studiert und sein Studium mit einem Master in Finanzen und Immobilien an der Cambridge University abgeschlossen. Er arbeitete danach im Immobilienfinanzierungsgeschäft einer Investmentbank in London.

"Mit 66 Jahren ist der Zeitpunkt gekommen, den Generationenübergang Stück für Stück zu vollziehen. Jede Generation hat ihre eigenen Ideen, für die sie nun den erforderlichen Freiraum hat", begründete Jagdfeld sen. seinen schrittweisen Rückzug. Der Unternehmer hatte bereits 2004 seinen letzten Immobilienfonds aufgelegt. Die Bundesregierung will das Geschäft mit solchen Fonds in Zukunft unter strenge Auflagen stellen.

Benedikt Jagdfeld setzt gleich neue Zeichen und ergänzt das Geschäftsmodell. Im Unterschied zur Fundus-Gruppe, die vor allem Immobilien im eigenen Bestand betreute, bietet die DIG ihre Dienstleistungen auch Dritten an. Zur "Deutschen Immobilien Gruppe" gehören die drei Unternehmen DVI Deutsche Verwaltungsgesellschaft für Immobilien, die Deutsche Wohnimmobilien Verwaltungs- und Entwicklungsgesellschaft (DWI) und die DTI Deutsche Technikgesellschaft für Immobilien in Düren (Nordrhein-Westfalen) mit insgesamt 110 Mitarbeitern. Aktuell sind Shoppingcenter, Büro- und Wohnhäuser sowie Hotels mit mehr als 600.000 Quadratmetern vermietbare Fläche im Management bei einer Vermietungsquote von 98 Prozent.

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