24.01.13

Wirtschaftskrise

Arbeitslosigkeit in Spanien auf historischem Hoch

Die Wirtschaftskrise in Spanien greift immer weiter um sich. Ende vergangenen Jahres war mehr als jeder vierte Spanier ohne Job – so viele wie noch nie seit Beginn der Aufzeichnungen.

Foto: dpa

Arbeitslose stehen Schlange vor einem Arbeitsamt in Alcala de Henares bei Madrid: Besonders unter Jugendlichen ist die Arbeitslosigkeit hoch
Arbeitslose stehen Schlange vor einem Arbeitsamt in Alcala de Henares bei Madrid: Besonders unter Jugendlichen ist die Arbeitslosigkeit hoch

Die Arbeitslosigkeit in Spanien nimmt immer dramatischere Ausmaße an. Im Schlussquartal 2012 stieg die Quote der Erwerbslosen auf 26 Prozent, wie aus vom Statistikamt vorgelegten Daten hervorgeht. Dies ist die höchste Zahl seit Beginn der Statistiken in den 70er-Jahren des vorigen Jahrhunderts.

Fast sechs Millionen Menschen sind in dem von Rezession und Schuldenkrise gebeutelten südeuropäischen Land nunmehr ohne Job. Unter jungen Spaniern herrscht Massenarbeitslosigkeit: 60 Prozent der Menschen unter 25 Jahren haben keine Stelle.

Das nach dem Platzen einer Immobilienblase wirtschaftlich abgestürzte einstige Boomland ist nach einer kurzen Erholungsphase Ende 2011 erneut in die Rezession abgerutscht. Und Experten erwarten, dass der Arbeitsmarkt sich noch weiter eintrüben wird: "Wir haben den Boden noch nicht erreicht und die Beschäftigung wird auch im ersten Quartal weiter abnehmen", warnt Citigroup-Ökonom José Luis Martinez.

Spanische Wirtschaft schrumpft weiter

Zum Jahresende 2012 war die spanische Wirtschaftsleistung um 0,6 Prozent im Vergleich zum Vorquartal geschrumpft und damit so stark wie seit Ende 2011 nicht mehr, wie die spanische Notenbank am Mittwoch mitteilte. Noch im Sommer hatte das Minus bei "nur" 0,3 Prozent gelegen. Im gesamten Jahr 2012 dürfte die Wirtschaftsleistung um 1,3 Prozent gesunken sein.

Die Regierung in Madrid sieht dennoch Licht am Ende des Tunnels: Für das vierte Quartal 2013 sei ein kleines Plus zum Vorquartal zu erwarten, hatte Wirtschaftsminister Luis de Guindos der "Welt" vor wenigen Tagen gesagt. Schon jetzt stiegen die Exporte stark. Die Lohnstückkosten seien zurückgegangen, das verbessere die Wettbewerbsfähigkeit spanischer Firmen. Ab Ende des Jahres dürfte sich auch die Lage am Arbeitsmarkt wieder bessern. Das Land sehe damit die ersten positiven Auswirkungen der Reformen.

Spanien galt 2012 zeitweise als heißer Anwärter für den Euro-Rettungsschirm. Derzeit verspürt das Land aber an den Finanzmärkten wieder Rückenwind. Bei den jüngsten Anleiheemissionen traf die Regierung in Madrid auf eine hohe Nachfrage der Investoren.

Quelle: Reuters/cat
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Jugendarbeitslosigkeit in Europa
  • Krisenländer

    In den krisengeschüttelten Ländern Südeuropas hat die Arbeitslosigkeit unter Jugendlichen und jungen Erwachsenen Rekordausmaße erreicht. So ist nach Zahlen der Europäischen Statistikbehörde Eurostat mehr als jeder Zweite unter 25 Jahren in Griechenland ohne Job (57 Prozent im August), ebenso in Spanien (55,9 Prozent im Oktober). In Portugal (39,1 Prozent) und Italien (36,5 Prozent) hatte im Oktober jeder Dritte in dieser Altersgruppe keine Arbeit.

  • EU-Quote

    Seit Ausbruch der weltweiten Wirtschafts- und Finanzkrise hat sich die Situation erheblich verschlechtert. Während die Quote im Herbst 2008 bei 15 Prozent lag, ist derzeit in ganz Europa mehr als ein Fünftel (23,4 Prozent) der Jungen arbeitslos.

  • Stabile Länder

    Am besten ist die Lage in Deutschland mit einer Jugend-Arbeitslosenquote von 8,1 Prozent, in Österreich mit 8,5 Prozent und in den Niederlanden mit 9,8 Prozent. Diese Länder kommen bisher ohne gravierende Jobverluste durch die Krise.

  • Vergleichsmaßstab

    Arbeitslose Jugendliche machen sich übrigens in der Statistik stärker bemerkbar als Erwachsene, weil die Erwerbsbevölkerung dieser Gruppe kleiner ist – ein Teil der jungen Erwachsenen studiert und bleibt bei der Rechnung außen vor. Das sorgt für eine höhere Quote. Zum Vergleich: Bei den Erwachsenen ist in den 27 EU-Ländern etwas mehr als jeder Zehnte arbeitslos (10,7 Prozent). dpa

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