23.01.13

Quartalszahlen

Apple erzielt Rekorde und enttäuscht trotzdem

Der US-Technologieriese Apple hat einen Rekordgewinn verbucht und so viele iPhones und iPads verkauft wie nie. Einerseits straft Apple so die Zweifler ab, enttäuscht aber auch die Analysten.

Apple schafft ein neuerliches Rekordergebnis. Im Weihnachtsquartal verkaufte der kalifornische Elektronikkonzern so viele iPhones und iPads wie niemals zuvor.

Die Smartphone-Verkäufe stiegen im Vergleich zum bereits überragenden Vorjahreszeitraum von 37,0 auf 47,8 Millionen. Die Tablet-Verkäufe nahmen von 15,4 auf 22,9 Millionen zu, wie Apple am Mittwoch berichtete.

Dank der Rekordverkäufe konnte Apple auch einen Rekordumsatz erzielen: Er stieg um 18 Prozent auf 54,5 Milliarden Dollar (41 Milliarden Euro). Dem standen allerdings höhere Entwicklungs-, Fertigungs- und Marketingkosten für zahlreiche neue Produkte gegenüber. Dadurch stagnierte der Gewinn beim bisherigen Rekordwert von 13,1 Milliarden Dollar.

Apple-Chef muss Zahlen verteidigen

Die von Thomson Reuters befragten Analysten waren im Schnitt von Erlösen in Höhe von 54,73 Milliarden Dollar ausgegangen. Im nachbörslichen Handel verlor die Apple-Aktie rund zehn Prozent.

Apple-Chef Tim Cook verteidigte die Geschäftszahlen in einer Telefonkonferenz mit Analysten: "Kein Technologieunternehmen hat jemals solch ein Ergebnis erreicht."

Ausgerechnet John Sculley gab dem unter Kursverlusten leidenden Elektronik-Giganten eine Woche zuvor gute Tipps! Der Ex-Apple-Chef riet via Bloomberg-TV : Ein Billig-iPhone und Sparmaßnahmen könnten den aktuell unter massivem Kursverlust leidenden Elektronik-Giganten wieder ganz nach nach vorne bringen, riet Sculley per Ferndiagnose. Er selbst hatte in seiner Ägide ab 1985 Apple durch eine chaotische Modellpolitik an den Rand des Ruins geführt, und flog 1993 aus dem Vorstand.

Anleger reagieren übertrieben

Die guten Tipps waren der Tiefpunkt einer Reihe von Unternehmens-Meldungen, die seit September den Kurs der Apple-Aktie in die Tiefe getrieben haben.

Fast alle beschäftigen sich mit dem aktuellen iPhone 5, fast alle spekulieren über sinkende Nachfrage, über Billig-Nachfolger oder über Schwierigkeiten bei Zusammenbau oder Zulieferern.

Fast alle zitieren ungenannte Quellen aus den Tiefen von Apples asiatischen Zulieferer-Netzwerk. Das Resultat: Seit September schmolz der Wert der Apple-Aktie um fast ein Drittel zusammen. Der Kurs des Papiers zeigt: Aktuell berücksichtigen die Anleger alle Negativ-Meldungen genauso übertrieben stark wie ihnen noch vor einem Jahr jedes positive Gerücht gut genug für einen Kurssprung nach oben war.

Doch damals wie heute gilt: Harte Zahlen, die diese Entwicklung unterstützen würden, fehlen. Die hohen Kursausschläge jedoch machen es einfach, viel Geld mit Gerüchten zu verdienen.

Gerücht über halbierte Vorbestellung

Das jüngste Beispiel: Das Wall Street Journal griff am 13. Januar eine Geschichte der japanischen Wirtschaftszeitung Nikkei auf. Die hatte berichtet, dass Apple die Vorbestellungen für iPhone-Displays bei seinen Zulieferern halbiert habe. Das Wall Street Journal übernahm das, und machte mit der Meldung weltweit Furore - die Apple-Aktie sackte daraufhin von 520 auf 486 Dollar herunter.

Doch ein genauer Blick zeigt: Nikkei hatte auch eine Zahl genannt, die die gesamte Meldung ad adsurdum führt. Von ursprünglich 65 Millionen für das Quartal bestellten Displays wolle der Konzern nun nur noch gut die Hälfte abnehmen, hatten anonyme Quellen aus der Zuliefererbranche dem Blatt gesagt.

Selbst für das traditionell dank Weihnachten besonders starke Oktober-Dezember-Quartal 2012 rechnen Analysten jedoch nur mit 43 bis 63 Millionen verkauften iPhones. Die Zahl von 65 Millionen für das normalerweise nach Weihnachten eher schwache Frühjahrsquartal ist also ohnehin völlig zu hoch gegriffen.

Im Weihnachtsquartal 2011 verkaufte Apple 37 Millionen iPhones - selbst wenn die Meldung stimmt, und der Konzern im Frühjahr nur die selbe Menge Displays benötigt, würde er im Jahresvergleich erheblich zulegen. "Ein interessanter Dreh" sei die Journal-Geschichte, zudem auch noch übers Wochenende und so kurz vor Bekanntgabe der neuesten Apple-Zahlen, kommentierte denn auch prompt und maliziös das Forbes-Magazin.

Die Börse veräppeln

Doch da pendelte der Apple-Kurs schon unter der 500 Dollar-Marke. "Ist es schwierig, die Börse zu veräppeln?" fragte der bekannte US-Apple-Blogger John Gruber, und lieferte gleich selbst die Antwort: "Langfristig ja. Kurzfristig überhaupt nicht."

Ist es Zufall, dass am 19. Januar 66.000 Optionen für Apple-Aktien bei der Marke von 500 Dollar ausliefen, doppelt so viele wie zu jedem anderen Preis? Diese Frage stellten diverse Beobachter, als die Aktie zu dem Termin nach der Nikkei-Meldung just passend schloss.

Die Papiere geben den Eigentümern das Recht, zum festgelegten Termin Apple-Papiere zu diesem Preis zu verkaufen - liegt der Kurs der Aktie vorm Termin darunter, verdienen die Anleger am Verkauf ihrer Put-Optionen.

Die hohe Zahl der Abschlüsse überrasche angesichts des seit dem Herbst negativen Apple-Trends nicht, antwortete Bloomberg-Korrespontent Nick Summers. Dennoch haben an dem Wochenende der Nikkei-Meldung all jene Anleger erheblich verdient, die entgegen der an sich positiven Analysten-Erwartungen auf einen sinkenden Apple-Kurs gesetzt haben.

Versuche, Weihnachtsgeschäft zu torpedieren

Bereits im November gab es plumpere Versuche, Apples Weihnachtsgeschäft zu torpedieren: Mitte November brachte die chinesischsprachige Commercial Times das Gerücht, bereits im Frühjahr komme ein Nachfolger für Apples iPhone 5 heraus.

Bislang liefert Apple traditionell einmal im Jahr ein neues Modell ab, ein Modellwechsel im Frühjahr würde das iPhone5 also schon viel früher als erwartet alt aussehen lassen. Auch diese Meldung ging um die Welt, obwohl bereits kurz darauf die taiwanesische "China Times" ihr widersprach: Laut eigenen Quellen in der Industrie hätten Zulieferer das Gerücht gestreut, die den "Markt durcheinander bringen wollen".

Anfang und Ende Dezember kursierte das selbe Gerücht in Variation noch einmal: Angeblich wolle Apple, so diverse Zulieferer-Blogs, bereits im Frühjahr ein neues iPad herausbringen. Erst die nächsten Apple-Produktpräsentationen werden sicher über den Wahrheitsgehalt der Gerüchte richten - das Timing just zum Weihnachtsgeschäft erscheint dennoch wenig zufällig.

"Ich denke, Apples jüngste Kursentwicklung ist eine gute Lektion über die Mechanismen des Marktes", kommentiert der US-Tech-Analyst Jeff Kagan gegenüber der Welt. "Apple ist aktuell an einem Punkt angekommen, an dem der Erfolg nicht mehr so sehr von der objektiven Produktstrategie abhängt, sondern von der subjektiven Meinung der Marktteilnehmer."

Kagan sieht hier eine klassische Wellenbewegung: "Die Anleger lieben es, einer kleinen oder schwachen Firma beim Wachsen zuzusehen. Doch wenn sie plötzlich zu stark und erfolgreich ist, und damit nicht mehr so sehr vom Wohlwollen der Anleger abhängig, kippt die Welle ins Gegenteil." Dann berücksichtigen die Anleger Negativmeldungen genauso übertrieben stark, wie sie zuvor Positivmeldungen goutierten.

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