23.01.13

Bizarrer Auftritt

Medwedjew wettert gegen den Rest der Welt

"Ein offenes und wahres Land": In Davos wirbt Russland um Investoren. Über Probleme will Medwedjew aber nicht reden. Lieber zeigt der russische Regierungschef mit dem Finger auf andere.

Foto: dpa

Dmitri Medwedjew: In Davos schlägt im viel Misstrauen entgegen
Dmitri Medwedjew: In Davos schlägt im viel Misstrauen entgegen

Mit einem solchen Misstrauensvotum sah sich wohl noch kein Politiker in Davos konfrontiert. Just während der russische Premierminister Dmitri Medwedjew auf die Bühne der großen Kongresshalle trat, um den 43. Weltwirtschaftsgipfel politisch zu eröffnen, ließ das Auditorium unmissverständlich wissen, was es von der Regierung in Moskau hält.

In einer Live-Abstimmung meinten 78 Prozent der hochrangigen Vertreter aus Politik, Wirtschaft und Wissenschaft, dass es Russland vor allem an einer guten und transparenten politischen Führung mangele.

Damit war der Ton gesetzt. Und Medwedjew verstand es während seiner halbstündigen Eröffnungsrede auch nicht, die Stimmung zu drehen. Gerade mal eine Minute verwand er darauf, das Problem der Korruption anzusprechen.

Und er nutzte auch nicht die Gelegenheit, über die Ziele zu reden, die sich Russland für die G-20-Präsidentschaft gesetzt hat. Dabei setzen viele Akteure in Davos auf gemeinsame Initiativen der wichtigsten Nationen, um das Wachstum weltweit zu beleben.

"Ein offenes Land"

Medwedjew sprach lieber darüber, dass die Außenwahrnehmung seines Landes vollkommen falsch sei. Das zeige nicht zuletzt auch die Davoser Umfrage. "Russland hat sich zu einem offenen und wahren Land entwickelt", konterte er. Inzwischen habe sich eine Zivilgesellschaft gegründet, die kritisch die Regierung überwache.

Stattdessen zeigte Medwedjew auf die Fehler anderer. Während die USA ihre Schuldengrenze dauernd erhöhten, habe Moskau eine Schuldenbremse etabliert. Die überschüssigen Gelder aus den hohen Energiepreisen lege die Regierung in einen großen Staatsfonds für schlechtere Zeiten zurück.

Auch die Europäische Union bekam ihr Fett weg. Die Verhandlungen über eine Visa-Freiheit mit Europa würden nach wie vor blockiert. "Dabei können wir eine große Freihandelszone vom Atlantik bis zum Ural schaffen", sagte Medwedjew. In diesem Zusammenhang rief er ausländische Investitionen zu einem erheblich größeren Engagement auf.

Zwar räumte der Regierungschef ein, dass es in der russischen Wirtschaft hinsichtlich des Investitionsklimas noch Ungewissheiten gebe. Diesem Problem werde man sich aber entschlossen stellen. "Unser Ziel ist es, bis zum Jahr 2020 zu den zehn wirtschaftsfreundlichsten Länder der Welt zu gehören."

Manch ein Teilnehmer wusste da nicht, ob er lachen oder doch lieber nur den Kopf schütteln sollte. Vor allem notorische Moskau-Kritiker nahmen kein Blatt vor den Mund: "Das war eine total schwache Rede", kommentierte Bill Browder, Chef der Investmentgesellschaft Hermitage Capital Management. Medwedjew hätte solche Fakten und Argumente allenfalls einem Publikum auftischen können, das seit Jahren keine Zeitung gelesen hat.

"Das hat nichts mit der Realität in Russland zu tun." Browder wurde im Jahr 2005 aus Russland ausgewiesen. 2007 wurde seine Firma liquidiert. Browders Rechtsanwalt Sergei Magnitski kam in einem russischen Gefängnis ums Leben.

Die Probleme Russlands

Auch auf weniger heikle Probleme ging Medwedjew nicht ein. Die Popularitätswerte von Präsident Putin sind im Sinkflug, trotz hoher Ölpreise schwächt sich das Wirtschaftswachstum deutlich ab. Das Land leidet darunter, dass sich 50 Prozent der Betriebe in Staatsbesitz befinden und es an wirtschaftlicher Dynamik mangelt. Genau diese Dynamik ist ein wichtiges Thema in Davos.

Damit ist Russlands Auftakt zur großen Imagekampagne ziemlich schief gelaufen. Das Land versucht in Davos mit einem großen Aufschlag wieder einen besseren Platz auf der Weltbühne zu bekommen und Investoren zu gewinnen. Im Alpendorf hat das Land ein eigenes Russlandhaus errichtet, in dem für den Mittwochabend eine große Party angesetzt ist.

Außerdem ist das Land mit einer Delegation von 82 Teilnehmern am Start, die in zahlreichen Diskussionsforen Russland ins rechte Licht rücken wollen.

Unter den russischen Wirtschaftslenkern fand Medwedjew immerhin Verständnis. "Es gab noch nie eine Eröffnungsrede, bei der vorher eine Diskussion und Abstimmung stattgefunden hat", sagte ein russischer Ökonom.

© Berliner Morgenpost 2013 - Alle Rechte vorbehalten
Die Favoriten unseres Homepage-Teams

Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) sagt im Abgeordnetenhaus vor dem Untersuchungsausschuss zum BER-Debakel aus
Aktualisiert vor 2 MinutenAbgeordnetenhaus
Live-Blog – Klaus Wowereit im BER-Untersuchungsausschuss

Berlins Regierender steht dem Untersuchungsausschuss zum BER-Debakel Rede und Antwort. Es dürfte die bislang spannendste Sitzung werden. Viktoria Solms und Christian Mutter sind live dabei. mehr...


Eine alte und eine neue Fassade in Prenzlauer Berg
07:23Wohnungsmarkt
Der neue Mietspiegel für Berlin – was Sie wissen sollten

Das Berliner Mietniveau bleibt hinter anderen Großstädten zurück. Doch die Entwicklung zeigt nach oben, wie der Mietspiegel belegt. Die wichtigsten Fragen und Antworten zu Wohnlagen und Preisen. mehr...

Kristall Sauna Therme   Ludwigsfelde in Brandenburg bei Berlin   das grov¸e Angebot fv r Baden Wellness und Sauna vor. FKK und Sportbad.
23.05.13Ludwigsfelde
Freizeitbad vor den Toren Berlins warnt vor Sextätern

Die Kristall Saunatherme in Ludwigsfelde geht nach sexuellen Übergriffen in dem FKK-Bad in die Offensive: In Zusammenarbeit mit der Polizei installierten die Verantwortlichen Videokameras. mehr...


Im Olympiastadion steht ein weiteres Sporthighlight bevor: das Champions-League-Finale 2015
08:16Finale 2015
Erstklassiger Gastgeber - Warum Berlin Champions League kann

Nachdem sich Berlin Lästereien zu BER, S-Bahn und Hertha gefallen lassen musste, vergibt die Uefa das Champions-League-Finale an die Hauptstadt. Das wird gebührend vor dem Brandenburger Tor gefeiert. mehr...

Leser-Kommentare Kommentare
Leserkommentare sind ausgeblendet.
Kommentare einblenden
Die Technik der Kommentarfunktion "DISQUS" wird von einem externen Unternehmen, der Big Head Labs, Inc., San Francisco/USA., zur Verfügung gestellt. Weitere Informationen, insbesondere darüber, ob und wie personenbezogene Daten erhoben und verarbeitet werden, finden Sie in unseren Datenschutzbestimmungen

Die Moderation der Kommentare liegt allein bei MORGENPOST ONLINE.
Allgemein gilt: Kritische Kommentare und Diskussionen sind willkommen, Beschimpfungen / Beleidigungen hingegen werden entfernt. Wie wir moderieren, erklären wir in der Netiquette.
blog comments powered by Disqus
 
Multimedia
Preissteigerung

So teuer sind die Zutaten des Luxus-Lebens

Das Weltwirtschaftsforum
  • Ziele

    Die Jahrestagung des Weltwirtschaftsforums (WEF) im Schweizer Kurort Davos gehört zu den wichtigsten Treffpunkten für Spitzenpolitiker, Top-Manager und Wissenschaftler aus aller Welt. Erklärtes Ziel des WEF (World Economic Forum) ist es, „den Zustand der Welt zu verbessern“. Bei öffentlichen Seminaren sowie bei vertraulichen Begegnungen geht es um Lösungsansätze für globale Herausforderungen. Das dabei mögliche „Networking“, das Knüpfen beruflicher und geschäftlicher Kontakte, gilt als wichtiger Nebeneffekt.

  • Gründung

    Gegründet wurde das WEF von dem Wirtschaftsexperten Klaus Schwab. 1971 organisierte der im oberschwäbischen Ravensburg geborene Sohn eines Schweizer Fabrikdirektors auf eigenes finanzielles Risiko ein Symposium für europäische Unternehmer. Später legte er den Schwerpunkt auf allgemeine wirtschaftliche und politische Fragen und gründete die WEF-Stiftung.

  • Treffen

    Das Jahrestreffen in Davos ist deren bekannteste Aktivität, aber längst nicht die einzige. Zum WEF-Jahresreigen gehört das Treffen der „New Champions“ in China. Auch zu diesem „Davos für Schwellenländer“ reisen Entscheidungsträger aus etlichen Staaten an. Hinzu kommen spezielle Treffen für Südamerika, Ostasien und Indien, den Nahen Osten, Eurasien sowie Afrika.

  • Mitglieder

    Dem Forum gehören 1000 der weltgrößten Unternehmen sowie 200 kleinere als Mitglieder oder Partner an. Der Jahresbeitrag liegt – je nach Größe der Firma und Umfang der Beteiligung – zwischen 50.000 und 500.000 Franken (derzeit 410.000 Euro). Das als Nonprofit-Unternehmen angelegte WEF hat seinen Hauptsitz in Cologny am Genfer See und beschäftigt weltweit rund 500 Mitarbeiter. dpa

Top-Thema
title
Start-ups in Berlin

Gründerzeit: Die Serie und das Blog der Berliner Morgenpost.

Video Nachrichten mehr
Krawalle Wieder Ausschreitungen in Stockholm
Washington Brücke in USA eingestürzt
Grundsatzrede Obama will strengere Regeln für Drohnenangriffe
Queen of Soul Aretha Franklin braucht eine kleine Auszeit
 
tb_airberlin.gif
airberlin - Destination…

airberlin baut die Verbindungen nach Polen aus. Erfahren…mehr

tb_Erste-Adressen.jpg
Berlins Erste Adressen

Eine Initiative der Berliner Kaufleute und der Berliner…mehr

Top Bildershows mehr
Jeden Tag

Kopfnoten für Politiker, Manager und Prominente

Willkommen in Berlin

Hurra, ich bin da! Das sind Berlins süße Babys

Fotogalerie

Das sind die Berliner Bilder des Tages

Philipp Rösler

Szenen einer Reise ins Silicon Valley

 
In eigener Sache
Weitere Morgenpost Angebote