23.01.13

Dreamliner-Pannen

Flugaufsicht segnete Batterie trotz Feuergefahr ab

Die US-Luftverkehrsbehörde soll Boeing beim Dreamliner Sonderkonditionen eingeräumt haben. Sie akzeptierte offenbar die Gefahr, dass die Batterien Feuer fangen. Schließlich gebe es Sicherungssysteme.

Die US-Behörden haben bei der Genehmigung der hochentzündlichen Lithium-Ionen-Batterien für Boeings Dreamliner in Kauf genommen, dass die Akkus in der Luft in Brand geraten können. Der Einsatz galt dennoch als sicher, solange die Flammen nicht auf andere Teile übergreifen und es Entlüftungen für Rauch sowie giftige Dämpfe gibt, wie aus Dokumenten hervorgeht, die der Nachrichtenagentur Reuters vorliegen.

Eine Überprüfung von Regierungspapieren ergab, dass die US-Luftverkehrsbehörde FAA dem Dreamliner Sonderkonditionen gewährte. Die Sicherheitsexperten gaben grünes Licht für den Einsatz der Problem-Batterien, obwohl sie einräumten, dass Situationen denkbar seien, in denen das System möglicherweise nicht ausreiche. Allerdings sei dies "sehr abwegig".

Senatsausschuss plant Anhörung

Das Risiko eines Brandes an Bord eines Flugzeugs gehört angesichts der großen Treibstoffmengen seit jeher zu den Hauptsorgen der Sicherheitsbehörden. Die US-Vorschriften erfordern für jede Maschine mehrere Anti-Brand-Systeme.

Angesichts von gleich zwei Problemen mit den hochmodernen Akkus in den Prestigefliegern rückt nun die 2007 erteilte FAA-Genehmigung ins Rampenlicht: Ein US-Senatsausschuss plane in den nächsten Wochen eine Anhörung, um die Aufsichtsführung der Flugsicherheit zu überprüfen, erfuhr Reuters von einem Berater des für Handel, Wissenschaft und Verkehr zuständigen Gremiums.

Batterie kann "kontrolliert abbrennen"

Ein FAA-Sprecher verteidigte die erteilte Genehmigung: Selbst bei Eintreten des "schlimmsten Falles", gebe es Systeme zur Absicherung. Nach Angaben von Boeing seien die Batterie-Systeme der 787-Maschinen mit vier Schutzschichten ausgestattet, um die Batterie vor einer Überlastung zu schützen. Dies mache ein Feuer sehr unwahrscheinlich.

Der Airbus-Rivale zeigte sich aber davon überzeugt, dass die Batterie auch in der Luft kontrolliert abbrennen könne, weil es ein widerstandsfähiges System für die Einschränkung des Feuers sowie die Ableitung von Rauch und Dämpfen gebe.

Auch Boeing rechtfertigte den Einsatz der leistungsstarken und zugleich leichten Akkus. Die Batterien seien nach einer "sorgfältigen Prüfung der möglichen Alternativen" gewählt worden, weil sie am besten Boeings Erwartungen für die 787-Maschinen erfüllten, sagte Firmensprecher Marc Birtel. "Auf der Grundlage von allem was wir bisher wissen, haben wir unsere Einschätzung nicht geändert."

Suche nach Ursachen geht weiter

Die FAA hatte in der vergangenen Woche angeordnet, alle Dreamliner in den USA am Boden zu lassen, bis die Ursachen für die Batterie-Probleme geklärt sind. Weltweit schlossen sich Flugsicherheitsbehörden dem Verbot an und verdonnerten die bislang ausgelieferten 50 Prestige-Flieger zum Verbleib am Boden. Die Unfalluntersuchungsbehörde NTSB leitet die Überprüfung und wird dabei sowohl von Boeing, der FAA als auch dem japanischen Batteriehersteller GS Yuasa unterstützt.

Die Behörden sind immer noch auf der Suche nach den Ursachen für die Batterie-Probleme. Je nach Ausgang der Nachforschungen könnten auf Boeing hohe Kosten zukommen: Denkbar seien sowohl Entschädigungszahlungen wegen der Flugausfälle als auch größere Umbauten sowie eine erneute Genehmigung des Batterie- und Elektrosystems, sagten Industrieexperten.

Vor einer Woche musste eine 787-Maschine der japanischen Fluggesellschaft All Nippon Airways wegen eines Batteriebrands notlanden, weil er Warnmeldungen und einen beißenden Geruch auslöste. Bei einer geparkten 787-Maschine von Japan Airlines am Flughafen in Boston hatte bereits Anfang Januar eine Batterie-Explosion einen Brand ausgelöst.

Quelle: Reuters/cat
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Lithium-Ionen-Akkus
  • Was sind Lithium-Ionen-Akkus?

    Lithium-Ionen-Batterien sind wiederaufladbare Batterien. In ihnen fließen Lithium-Ionen von der negativen Elektrode zur positiven, wenn die Batterie entladen wird, und in umgekehrter Richtung, wenn sie geladen wird. Lithium ist ein hoch reaktives Alkalimetall.

  • Was sind die Vorteile?

    Lithium-Ionen-Akkus sind meist leichter und auch leistungsfähiger als andere Akkus gleicher Größe, deshalb werden sie gerne in tragbaren Geräten wie Laptops und Handys eingebaut. Auch Autohersteller setzen bei Elektroautos daher auf Lithium-Ionen-Akkus. Zudem haben die Akkus keinen „Memory-Effekt“, das heißt, sie können sehr oft geladen werden, ohne dass ihre Leistung nachlässt. Dafür dürfen sie aber nicht komplett entladen werden.

  • Was sind die Nachteile?

    Lithium-Ionen-Akkus sind teurer als herkömmliche wiederaufladbare Nickel-Cadmium-Batterien oder Nickel-Metallhydrid-Akkus. Wird der Lithium-Ionen-Akku überladen, kann er aufheizen und sogar in Brand geraten – ein Problem, das in den vergangenen Jahren schon zu Rückrufen von Laptops und Handys führte. Auch Opel verschob den Start seines Elektroautos Ampera, nachdem es bei abgestellten Testautos zu Bränden gekommen war.

  • Was ist an Bord der Dreamliner

    Experten halten eine Überhitzung auch im Fall der Dreamliner-Batterien für wahrscheinlich. Sie könnte zwei Ursachen haben: Entweder die Batterien selbst sind fehlerhaft oder die Elektronik, in die die Batterien eingebaut sind. Die Untersuchungen der Behörden in Japan und in den USA umfassen beide Szenarien.

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