23.01.13

Anschlagsversuch

Bahn lobt 50.000 Euro für Infos über Bonner Bomber aus

Weil die Ermittlungen der Polizei recht erfolglos verlaufen, hat der Konzern nun eine Prämie für Hinweise zu den Tätern ausgelobt.

Foto: dapd

Die Polizei veröffentlichte das Foto aus einer Überwachungskamera am 12. Dezember 2012. In der blauen Tasche befand sich die gefundene Bombe
Die Polizei veröffentlichte das Foto aus einer Überwachungskamera am 12. Dezember 2012. In der blauen Tasche befand sich die gefundene Bombe

Die Deutsche Bahn (DB) verstärkt nach dem versuchten Bombenanschlag auf dem Hauptbahnhof in Bonn den Fahndungsdruck: Nach Informationen der "Welt" lobt der Konzern eine Prämie in Höhe von 50.000 Euro für Hinweise aus, die zur Ergreifung des oder der Täter führen.

Man wolle damit die Ermittlungsarbeit der Polizeibehörden ergänzen, hieß es im DB-Konzern. "Die Sicherheit in Zügen und auf Bahnhöfen hat für die Deutsche Bahn absolute Priorität. Deshalb haben wir uns gemeinsam mit den Ermittlungsbehörden dazu entschlossen, diese Belohnung auszuloben. Von dieser ungewöhnlich hohen Summe erhoffen wir uns, dass sie einen finanziellen Anreiz für Zeugen bietet, sich mit wichtigen Informationen zur Tat an die Ermittlungsbehörden zu wenden", sagte Gerd Becht, Vorstand Compliance, Datenschutz, Recht und Konzernsicherheit. "Die Täter müssen schnell gefasst werden." Wer sachdienliche Informationen zu den gesuchten Personen und den Vorgängen am Hauptbahnhof Bonn machen kann, kann sich an das Bundeskriminalamt (BKA) unter der Rufnummer 0611-55-29990 wenden.

Vermutlich zwei Täter

Am 10. Dezember 2012 hatten Unbekannte an Gleis 1 des Bonner Hauptbahnhofs in einer Tasche eine Bombe deponiert, die zwar gezündet wurde, aber nicht detonierte. Die Wirkung hätte verheerend sein können, aber offenbar war der Sprengsatz fehlerhaft konstruiert worden. Seither ermitteln Bundesanwaltschaft und Bundeskriminalamt – bislang ohne durchschlagenden Erfolg. Derzeit wird von zwei potenziellen Tätern ausgegangen.

Es ist ungewöhnlich, dass die Bahn nach einem Anschlag mittels einer Prämie die Ermittlungen unterstützt. Im Fall der Kölner Kofferbomber im Juli 2006 hatte das Unternehmen ebenfalls 50.000 Euro für Hinweise zur Ergreifung der Täter ausgesetzt, nach einer Serie von Brandanschlägen 2011 auf Bahnanlagen in Berlin sogar 100.000 Euro.

Ansonsten ist der DB-Konzern mit Maßnahmen dieser Art sehr zurückhaltend. Im Fall der Kölner Kofferbomber hatte am Ende unter anderem auch die Prämie zu einem Fahndungserfolg geführt. Die beiden Täter wurden ergriffen und zu langen Haftstrafen verurteilt. Nachdem das Urteil rechtskräftig war, wurde die Summe an die Hinweisgeber ausgezahlt. Die Berliner Brandserie ist derweil bislang weiterhin nicht aufgeklärt.

Deutsche Bahn und Polizei schieben sich Schuld zu

Derweil laufen bei der Bahn die Vorbereitungen für den geplanten Sicherheitsgipfel. In den kommenden Wochen wollen Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich (CSU), Bahnchef Rüdiger Grube sowie Vertreter der Polizeibehörden von Bund und Ländern, Datenschützer und Experten zur Bekämpfung von Kriminalität im öffentlichen Raum ein Konzept mit dem Ziel erarbeiten, die Sicherheit auf Bahnanlagen zu erhöhen.

Im Mittelpunkt steht die Frage, ob und wie die Videoüberwachung an Bahnhöfen ausgebaut werden kann. Unmittelbar nach dem Attentatsversuch in Bonn hatten sich die Deutsche Bahn und die Bundespolizei gegenseitig dafür verantwortlich gemacht, dass es zum entscheidenden Zeitpunkt an Gleis 1 keine Videobilder gab. Zwar wird das Areal von Kameras überwacht, allerdings wurden die Aufnahmen bislang in Bonn nicht gespeichert, konnten also nicht ausgewertet werden. Die Bahn speichert Videobilder nur dann, wenn die Bundespolizei es anfordert.

Hamburg und München reagierten bereits

Diskutiert wird nun die Frage, inwieweit mehr Kameras und eine Ausweitung der Speicherung sinnvoll seien und wer die Kosten dafür trägt. Die Bahn will einen Beitrag dazu leisten, lehnt es aber ab, die vollen Kosten zu übernehmen. Die Sicherheit zu gewährleisten, sei Aufgabe der Polizei, argumentiert man im Konzern. Die Bundespolizei kontert und verweist darauf, dass Unternehmen eine Mitverantwortung trügen. "Alleine könnten wir eine flächendeckende Ausweitung der Kameraüberwachung samt Speicherung der Bilder auch gar nicht stemmen. Wir haben bundesweit 5700 Bahnhöfe", sagte ein Bahnmanager.

Brennpunkte von Gewalt im Bereich der Bahn sind neben Bahnhöfen in erster Linie die S-Bahnen. In Hamburg und München haben die Verantwortlichen reagiert, dort werden inzwischen alle Wagen videoüberwacht und die Bilder auch über eine gewisse Zeit gespeichert. Das Geld dafür kommt aus Mitteln der Länder Hamburg und Bayern. Im Regionalverkehr steigt die Quote kameraüberwachter Waggons ebenfalls. In den Neuausschreibungen von Strecken gehört installierte Videotechnik inzwischen praktisch zur Standardanforderung.

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