23.01.13

Ultimatum

Opel-Werk in Bochum könnte bereits 2014 schließen

Das Management droht den Mitarbeitern mit einer frühzeitigen Schließung des Werks. Der Betriebsrat spricht von einer "Kriegserklärung".

Von Nikolaus Doll
Foto: dpa

Für das Opel-Werk in Bochum ist womöglich schon 2014 Schluss
Für das Opel-Werk in Bochum ist womöglich schon 2014 Schluss

Im Ringen um einen Sanierungsplan für die GM-Tochter Opel hat sich der Ton zwischen Management und Arbeitnehmervertretern verschärft. Steve Girsky, Aufsichtratschef von Opel und GM-Vize, erhöhte in den Verhandlungen mit den deutschen Betriebsräten den Druck: "Wir müssen noch im Februar zu einer Lösung kommen. Unser ,Deutschland-Plan' muss dann endlich stehen. Wir dürfen keine Zeit mehr verlieren." Sollte es bis dahin keine Einigung geben, würde sich das Management an den bestehenden Standortsicherungsvertrag halten – aber nicht an mehr.

Das bedeutet, dass die Produktion im Werk Bochum schon Ende 2014 eingestellt werden könnte, zwei Jahre früher als bislang geplant. Der Bochumer Betriebsratschef Rainer Einenkel nannte die Taktik des Managements "Erpressung und nichts anderes". Eine Einigung ist derzeit unwahrscheinlich.

Seit Monaten verhandeln die Tarifpartner darüber, wie man die tief in der Verlustzone steckende GM-Tochter flottbekommen kann. In den USA läuft das Geschäft für GM wieder blendend. Auch in China stimmen die Absatzzahlen. Sorgenkind ist das Europageschäft, für das Opel maßgeblich verantwortlich zeichnet.

Schwere Zeiten für alle Automobilhersteller

Einer der Hauptgründe für diese Schieflage ist die schwierige Situation für alle Automobilhersteller in Europa. "Es ist nicht nur unrealistisch, sondern auch illusorisch zu glauben, dass sich der Markt rasch erholt und uns aus dieser Situation heraushilft. Darauf können und wollen wir uns nicht verlassen", sagte Girsky.

Der Aufsichtsratschef fordert daher weitere Zugeständnisse der Belegschaft. Sie müsse flexibler werden. "Um dieses Ziel zu erreichen, müssen alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ihren Beitrag leisten. Solange wir Verluste erzielen, können wir uns beispielsweise keine Tariferhöhungen leisten. Was wir brauchen, sind weitere beträchtliche Einsparungen", sagte Girsky

Die Bochumer Arbeitnehmervertreter reagierten empört auf Girskys Ankündigung und die Forderung, bis Ende Februar einen Abschluss erzielen zu müssen. Betriebsratschef Einenkel sprach von einer "Kriegserklärung". Nach einer weiteren Gesprächsrunde mit dem Management sagte er, dass nun Hunderte Opelanern für die ohnehin beschlossene Schließung von Bochum noch zusätzlich leiden müssten. Diesen Plänen habe er eine klare Absage erteilt: "Wir bezahlen nicht noch unsere eigene Beerdigung." Er gehe weiter davon aus, dass auch nach 2016 in Bochum Autos gebaut werden.

Aufsichtsratschef droht mit Schließung des Werks Ende 2014

Girsky macht Tempo, weil sich seit Monaten in den Gesprächen mit den Betriebsräten kaum etwas bewegt hat. "Wir verhandeln jetzt seit Juni vergangenen Jahres und kommen nicht voran. Der Betriebsrat setzt auf eine Blockade-Strategie", sagt ein Opel-Manager. "Die hoffen darauf, dass sich die Märkte erholen und dann alles weiterläuft wie bisher. Aber Besserung ist nicht in Sicht, und uns läuft die Zeit davon. Ford hat bereits reagiert, wir dagegen fallen immer weiter zurück." Ford, ebenfalls stark angeschlagen, hatte unlängst angekündigt, in Europa drei Werke zu schließen.

Nun zieht das Opel-Management die Schrauben an. Sollte es bis Ende kommenden Monats keine Einigung geben, werde man seine vertraglichen Verpflichtungen erfüllen. Der Standortsicherungsvertrag läuft allerdings Ende 2014 aus. Die Zafira-Produktion in Bochum werde dann auch enden und zum 1. Januar 2015 werde die Fertigung in Bochum "komplett eingestellt", drohte der Aufsichtsratschef. "Das ist ein Szenario, das wir nicht wollen. Aber wir müssen den Druck erhöhen", sagt ein Opel-Manager.

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