21.01.13

Standortbedingungen

Deutschland nur Mittelmaß für Familienunternehmen

Deutsche Firmen, die von Eigentümern geführt werden, gelten als Erfolgsmodell. Die Bedingungen, die sie hierzulande vorfinden, sind aber alles andere als gut. Kleinere Länder bieten mehr.

Foto: Infografik Die Welt

In diesen Ländern sind die Bedingungen für Familienunternehmen am besten. In den Index gehen viele Faktoren ein, darunter die steuerlichen Rahmenbedingungen, die Höhe der Arbeitskosten und die Verfügbarkeit von geeignetem Personal
In diesen Ländern sind die Bedingungen für Familienunternehmen am besten. In den Index gehen viele Faktoren ein, darunter die steuerlichen Rahmenbedingungen, die Höhe der Arbeitskosten und die Verfügbarkeit von geeignetem Personal

Gerade in Zeiten der globalen Wirtschaftskrise hatten deutsche Familienunternehmen auch im Ausland für einige Bewunderung gesorgt: Ihr auf unternehmerische Nachhaltigkeit ausgerichtetes Geschäftsmodell avancierte zum Vorbild in einer Wirtschaftswelt, die mit ihren auf kurzfristigen Erfolg gemünzten Strategien weltweit eine gefährliche Abwärtsspirale in Ganz gesetzt hatte.

Erstaunlicherweise scheint jedoch ausgerechnet das Land, das gerne seine erfolgreichen Familienunternehmen wie den Küchenhersteller Miele oder den Prothesenhersteller Ottobock vorzeigt, nicht die besten Standortbedingungen für eben jene Firmen bereitzuhalten.

Zum vierten Mal hat das Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) im Auftrag der Stiftung Familienunternehmen weltweit nach den Ländern gesucht, in denen es sich für eigentümergeführte Unternehmen am ehesten lohnt zu investieren.

Deutschland nur im Mittelfeld

Wie schon in den vorherigen Untersuchungen kann sich Deutschland dabei gerade noch im Mittelfeld halten und muss sich mit dem elften Platz zufrieden geben. "Unser Land ist als Standort für Familienunternehmen zehn anderen Staaten klar unterlegen", lautet das Fazit von Stiftungsvorstand Brun-Hagen Hennerkes. "Die ökonomische Robustheit Deutschlands ist in vielen Fällen nur gefühlte Stärke."

Gerade die kleinen Staaten schneiden im Ländervergleich dagegen besonders gut ab. Die Schweiz bietet der Studie zufolge, die unter anderem die steuerlichen Rahmenbedingungen, die Höhe der Arbeitskosten und die Verfügbarkeit von geeignetem Personal untersucht, für eigentümergeführte Unternehmen die besten Rahmenbedingungen – gefolgt von Finnland und Dänemark. Spanien und Italien landen dagegen auf den letzten Plätzen.

Gerade kleinere Staaten würden bei Familienunternehmern punkten, bestätigte Stiftungschef Hennerkes: "Klein und anpassungsfähig bedeutet eben auch anpassungsfähig und veränderungsbereit."

Seit Jahren hadert die Lobby der Familienunternehmer mit der Ausgestaltung und von Teilen der Politik geforderten Verschärfung der Erbschaftssteuer hierzulande; Wasser auf ihre Mühlen dürfte es also sein, dass auch das ZEW die steuerlichen Rahmenbedingungen als eine der größten Schwachstelle Deutschlands brandmarkt.

Keine Erbschaftssteuer in Österreich oder Schweiz

Entsprechend rutschten auch Spanien und Irland, die im Sinne einer Haushaltsstabilisierung Vermögende zuletzt zeitweise stärker belangten, im Ranking im Vergleich zu 2010 ab. Länder wie Schweden, die Schweiz oder Österreich, die Erben steuerlich nicht belangen, liegen dagegen auf den vorderen Plätzen.

Mit Blick auf Deutschland kritisierte Friedrich Heinemann, Studienautor beim ZEW, zudem den Anstieg der durchschnittlichen Hebesätze bei der Gewerbe- und Grundsteuer. "Reformstillstand rächt sich", sagte er. Nachbarn wie Holland oder die Schweiz seien in dieser Hinsicht seit 2006 vorbeigezogen.

Skandinavien als Vorbild

Ein weiterer Grund zur Klage ist die Regulierung hierzulande, etwa die Auflagen für eine betriebliche Mitbestimmung. Dänemark und Finnland kämen mit viel weniger Vorschriften für den Arbeitsmarkt aus, so Heinemann. Skandinavien, das nicht gerade für soziale Kälte stünde, könne durchaus als Vorbild für Deutschland gelten.

Dank der vergleichsweise hohen Energiepreise landet Deutschland auch in puncto Energieversorgung nur auf Platz 13. Zumindest bei der Versorgungssicherheit schneidet das Land aber gut ab – nach den Blackouts in Folge der Energiewende bleibt zu hoffen, dass das auch so bleibt.

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